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Trainer-"Mania" im Super Bowl Sean McVay - das blutjunge Football-Genie

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Sean McVay ist der jüngste Trainer, der jemals in einem Super Bowl stand.

(Foto: imago/UPI Photo)

Dieser Mann steckt voller Magie: Sean McVay hat die NFL im Sturm erobert. Der Trainer der Los Angeles Rams ist jung und erfolgreich. Und er will im Super Bowl gegen die New England Patriots die bislang makellose Endspiel-Bilanz seiner Familie ausbauen.

Sein Nachname verpflichtet. Er ist verbunden mit Super-Bowl-Geschichte. Großer Super-Bowl-Geschichte. McVay - das steht für fünf Football-Meistertitel der San Francisco 49ers. Als die kalifornischen Goldhosen zwischen 1982 und 1995 ihre glorreichen Jahre hatten, war John McVay ihr Vizepräsident. Nun steht wieder ein McVay im Endspiel der National Football League. Sean McVay, Johns Enkel.

Und der hat bereits in seinen zwei Jahren als Cheftrainer der Los Angeles Rams für reichlich Schlagzeilen gesorgt. Denn in einem so jungen Alter wie er war bislang noch niemand in der NFL so erfolgreich. "Mozart hat mit fünf komponiert. Sergej Karjakin war mit zwölf Schach-Großmeister. Blaise Pascal hat als Teenager die mechanische Rechenmaschine erfunden und McVay die Los Angeles Rams als 33-Jähriger in den Super Bowl geführt", schreibt die "New York Times". Nun qualifiziere McVays Leistung ihn zwar nicht dazu, als "Wunderkind" bezeichnet zu werden, heißt es in der Tageszeitung weiter. Aber dennoch habe praktisch jeder in den vergangenen Wochen diesen Begriff bemüht, um McVays Arbeit einzuordnen.

McVay-Mania

Und tatsächlich hat der Mann mit der immer akkurat gestylten Frisur und dem perfekt geschnittenen Drei-Tage-Bart für neue NFL-Maßstäbe gesorgt. Er hat in nur 24 Monaten eine Liga geprägt, in der Leute seines Alters für gewöhnlich höchstens als Assistenz-Trainer arbeiten - für Chef-Coaches wie Bill Belichick von den New England Patriots, der doppelt so alt ist wie McVay. Und die ausgelöste McVay-Mania könnte noch viel mehr an Fahrt aufnehmen, sollte der viel Gehypte am Sonntag (Montag ab 0.30 MEZ im Liveticker bei n-tv.de) in Atlanta mit seinen Rams den Super Bowl gegen die Patriots gewinnen - deren Trainer Belichick mit fünf Meistertiteln der erfolgreichste Coach der NFL-Geschichte ist.

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Es ist ein Duell der Generationen: Bill Belichick ist doppelt so alt wie Sean McVay.

(Foto: dpa)

Doch selbst im Falle einer Niederlage wird der von diesem Sean McVay eingeleitete Trend nicht aufzuhalten sein. Vorerst zumindest nicht. Seitdem er die zuvor zwölf Jahre lang erfolg- und somit bedeutungslosen Rams im Januar 2017 übernahm, sie innerhalb von 24 Monaten trotz nur geringer personeller Veränderungen komplett transformiert und nun ins Endspiel geführt hat, versuchen es auch andere Vereine mit der Methode McVay.

Green Bay und Arizona gehen McVay-Weg

Die Green Bay Packers haben gerade den 39-jährigen Matt LaFleur als ihren neuen Cheftrainer präsentiert. LaFleur hatte noch nie das alleinige Sagen, aber 2017 als Offensive Coordiantor unter McVay bei den Rams gearbeitet. Die Arizona Cardinals verpflichteten Kliff Kingsbury. Der ist ebenfalls erst 39, hatte aber bislang noch keinen Job in der NFL gehabt, sondern nur am College. Was Kingsbury mit McVay zu tun hat? Nun, McVay hatte ihm einen Posten als Berater für die Rams-Offensive angeboten. Das genügte den Cardinals offenbar als Qualitäts-Merkmal.

Diese ganze Entwicklung, ach, das sei "natürlich sehr schmeichelhaft", sagt McVay. "Aber ich denke, es ist eher eine Reflexion des Erfolges der Rams." Er verweist zum Beispiel auf Wade Phillips. Der ist 71 Jahre alt und als Defensive Coordinator für die Abwehr zuständig. Philipps arbeitet seit 1969 auf Amerikas Football-Feldern als Trainer. Als McVay 1986 geboren wurde, war Philipps schon zehn Jahre lang in der NFL tätig.

Der Coach mit dem speziellen Assistenten

*Datenschutz

Zu McVays Trainerstab gehört auch Ted Rath. Der wurde vor wenigen Tagen durch ein Video berühmt, das ihn bei seiner Arbeit zeigt. Raths Job ist es, McVay wie ein Schatten zu folgen und ihn notfalls von der Seitenlinie oder dem Spielfeld zurückzuziehen, um so zum Beispiel eine Karambolage mit einem der Schiedsrichter zu vermeiden. Der Clip sorgte für reichlich Gesprächsstoff und gar Gelächter - er zeigt aber auch, wie fokussiert McVay bei seiner Arbeit ist. Wie genau er das Geschehen auf dem Spielfeld verfolgt - und deshalb mitunter den die Linie entlanglaufenden Schiedsrichter gar nicht wahrnimmt. Die Rams sind nicht der einzige NFL-Verein, der einen "get back coach" - Ted Raths offizielle Funktionsbeschreibung - engagieren. Aber sie sind der erste Klub, der es mit eben einem solchen Angestellten in die Presse schaffte. Denn ihr Trainer liefert nun mal die Erfolgsstory - und deshalb rücken, gerade zum Super Bowl, auch dessen Assistenten ins öffentliche Interesse.

Bruce Arians hat den Wirbel um McVay mitbekommen. Er ist gerade bei den Tampa Bay Buccaneers Cheftrainer geworden und mit 66 Jahren einer der ältesten seiner Branche. Arians bezweifelt allerdings die Erfolgsaussichten dieses neuen NFL-Trends hin zu jungen, offensiv eingestellten Trainern. "Es gibt nur einen Sean McVay. Die Chance, dass du einen weiteren Sean McVay findest, liegt bei eins zu einer Million."

Besitzer will "beständige Sieger"

Als McVay am 12. Januar 2017 neuer Coach der Rams wurde, war er mit seinem 30 Jahren der jüngste Chef der NFL-Geschichte. "Wir sind überzeugt, dass seine Vision uns zu beständigen Siegern machen wird", betonte Team-Besitzer Stan Kroenke damals. Man werde gemeinsam am großen Ziel arbeiten - mit den Rams eine Meisterschaft nach Los Angeles zu bringen, so Kroenke weiter. Am Sonntag könnten sie dieses Ziel bereits erreichen. Nach nur zwei Jahren. John McVay wird im Stadion in Atlanta sitzen und seinem Enkel die Daumen drücken. Der Großvater hat nie einen Super Bowl verloren. Sean McVay weiß das. Sein Nachname verpflichtet.

Quelle: n-tv.de

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