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EQ St. Brown ist in der NFL angekommen - und seine jüngeren Brüder stehen schon in den Startlöchern.
EQ St. Brown ist in der NFL angekommen - und seine jüngeren Brüder stehen schon in den Startlöchern.(Foto: imago/ZUMA Press)
Donnerstag, 08. November 2018

Aus der Garage auf die NFL-Bühne: St. Browns Karriere folgt Papas Plan

Von Heiko Oldörp, Boston

Sein Name fällt auf. Seine Geschichte ist ungewöhnlich. Seine Karriere ist minutös geplant. Equanimeous St. Brown spielt mit gerade mal 22 Jahren in der NFL. Dies ist ein Verdienst seines Vaters. Der war mal der stärkste Mann der Welt.

Von Anaheim bis nach Hollywood sind es nur knapp 50 Kilometer. Die Lebensgeschichte von Equanimeous Tristan Imhotep J. St. Brown trägt durchaus Züge eines Streifens, der aus den berühmtesten Filmstudios der Welt stammen könnte. Der Vater war ein Hingucker, der Sohn ist ein Hinhörer. "EQ", wie er von allen nur genannt wird, kommt am 30. September 1996 im kalifornischen Anaheim zur Welt. 22 Jahre später spielt der Deutsch-Amerikaner für die Green Bay Packers in der National Football League NFL. Diesen Werdegang hatte Vater John Brown ebenso akribisch geplant, wie die Laufbahnen seiner beiden anderen Söhne - Osiris Adrian Amon-Ra J. St. Brown und Amon-Ra Julian Heru J. St. Brown. Beide spielen derzeit noch in College-Teams, hoffen aber, ihrem großen Bruder bald in die NFL zu folgen.

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John Brown war einst dort, wo er seine Söhne auch gerne sehen würde - ganz oben. Anfang der Achtziger ist er der beste Bodybuilder der Welt, gewinnt zweimal die Wahl zum Mister Universum und wird zudem dreimal Mister World. "Es ist ein Vorteil, dass mein Vater selbst Profi-Sportler war. Er hat meinen Brüdern und mir viel beigebracht, uns gezeigt, wie hart der Weg sein wird und wie hart wir dafür arbeiten müssen", sagt Equanimeous St. Brown im Gespräch mit n-tv.de.

Training, Erfolge, Rassismus

Um den Ehrgeiz des Vaters verstehen zu können, ist eine kleine Zeitreise notwendig. John Brown wächst in Compton auf. Die Stadt südlich von Los Angeles ist bekannt als Heimat der Tennis-Schwestern Serena und Venus Williams. Vor allem aber steht Compton immer wieder wegen Banden-Kriminalität in den Schlagzeilen und ist - umgerechnet auf die Anzahl der Einwohner - in den Siebzigern und Achtzigern die Stadt mit der höchsten Mordrate in den USA. Brown hat Freunde, die kriminell werden, er sieht viel Elend, Tragik und auch Tote.

Sein Ausweg aus dem Chaos ist der Sport. Zunächst spielt er American Football, merkt aber bald, dass er lieber Individualist als Mannschaftsspieler ist. Brown will nicht von den Leistungen seiner Teamkollegen abhängig sein, sondern die alleinige Verantwortung für seinen Erfolg haben. Bereits im jungen Teenageralter beginnt er Gewichte zu stemmen. "Mein Ziel war es, härter als jeder auf der Welt zu trainieren. Ich wollte die Nummer eins sein und meine Einstellung war der Schlüssel zum Erfolg", sagt Brown. Trotz seiner Titel wird der Afro-Amerikaner in seiner Heimat immer wieder mit Rassismus konfrontiert. So weigert sich ein Bodybuilding-Magazin, ihn auf der Titelseite abzudrucken - aus Angst um die Verkaufszahlen.

EQ mit seinem Bruder Amon-Ra und seinen Eltern.
EQ mit seinem Bruder Amon-Ra und seinen Eltern.(Foto: imago/MediaPunch)

In Europa hingegen ist John Brown ein Star. Bei einem Auftritt auf einer Fitnessmesse in Essen lernt er 1987 Miriam Steyer aus Leverkusen kennen. Die Rheinländerin zieht bald zu ihm nach Kalifornien. Es folgen Hochzeit, drei Kinder und John Browns Plan, die Söhne zu Athleten zu formen. Damit sie von Anfang an auffallen, gibt er ihnen Namen, die schlichtweg auffallen. Equanimeous kommt von equanimity - und bedeutet Gelassenheit, ruhig und besonnen zu agieren, selbst dann, wenn andere um einen herum nervös werden. Und wer mit EQ St. Brown (das St. ist in Anlehnung an den Mädchennamen der Mutter) spricht, trifft tatsächlich einen stillen Mann, dessen gefasste Redensart irgendwie so gar nicht zu seinen beeindruckenden Körpermaßen von 1,96 Meter und 97 Kilogramm passt.

"Ich glaube, ich entwickele mich sehr gut"

Der Wide Receiver spielt seine erste Saison in der NFL. Und er spielt für die Green Bay Packers - einen der beliebtesten Vereine Amerikas. St. Brown fängt die Pässe von Aaron Rodgers, einem der besten Quarterbacks der Liga. Rodgers nennt ihn "einen guten Jungen" und bescheinigt ihm "Fleiß und Talent". St. Brown ist in fünf der bisherigen acht Saisonspiele zum Einsatz gekommen, hat sieben Würfe gefangen und für einen Raumgewinn von 143 Yards gesorgt. "Ich glaube, ich entwickele mich sehr gut. Aber ich will natürlich noch besser werden", sagt er in fließendem Deutsch.

So sehr sein Vater auf den sportlichen Werdegang der Söhne fokussiert war - und sie bereits als kleine Kinder in der heimischen Garage Gewichte stemmen ließ - so wichtig war Mutter Miriam die schulische Entwicklung. Alle drei Kinder sprechen neben Englisch und Deutsch auch Französisch. Und wenn EQ an Deutschland denkt, dann vor allem "an die Sommer bei Tante Linde." Gemeint ist Sieglinde Zeising. Genau genommen ist sie die Großtante. Die mittlerweile 85-Jährige wohnt in Friedensdorf, in der Nähe von Halle/Saale. Dort verbrachten die St. Browns viele Jahre lang ihre Sommerferien. "Ich erinnere mich an viele Tiere, vor allem Hühner, sehr viel Land, zwei Häuser, eine Scheune und ganz viel Obst und Gemüse hinten im Garten", sagt EQ.

Er habe sich immer gefreut, wenn die Reise nach Sachsen-Anhalt bevorstand. Denn dort sei es immer so anders als in Amerika gewesen. "Meine Brüder und ich haben dort viel gelernt." 2015 war St. Brown zum bislang letzten Mal in Friedensdorf. Dann wechselte er von der High School aufs College und musste sich somit im Sommer auf seine Football-Karriere konzentrieren. Der Kontakt zu Tante Linde ist trotzdem noch eng. "Wir rufen mindestens zum Geburtstag und zu Weihnachten an", sagt er. Obwohl Equanimeous St. Brown in Kalifornien geboren und aufgewachsen ist, ist er stolz auf seine deutsche Seite. "Ich bin immer pünktlich und ich trinke mein Mineralwasser immer mit Kohlensäure."

Quelle: n-tv.de