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Dritter Pick im Draft der NHL Stützle folgt den deutschen MVP-Spuren

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In der DEL lieferte Stützle in der vergangenen Saison sieben Tore und 27 Vorlagen.

(Foto: imago images/masterpress)

Die Ottawa Senators stecken mitten im Neuaufbau in der NHL. Und sehen in einem 18-jährigen Deutschen den nächsten Eishockey-Star. Die Senators wählen Tim Stützle im Draft an dritter Stelle aus. Ob er allerdings schon bald nach Kanada wechselt, ist offen wie lange nicht.

Das Ratespiel der Ottawa Senators spannte Tim Stützle kurz auf die Folter, doch als in der Mannheimer Sportbar "Whistle" der Jubel aufbrandete, fiel alle Aufregung von Deutschlands Eishockey-Hoffnung ab. Kaum hatte Kanadas berühmter Fernsehmoderator Alex Trebek im Stil der Kult-Quizshow "Jeopardy" höchstpersönlich verkündet, dass die Senators Stützle im NHL-Draft an dritter Stelle auswählen, entledigte sich der 18-Jährige lächelnd seines Jacketts. Er sollte es gegen ein noch wertvolleres Kleidungsstück tauschen.

Schnell umarmte er Vater Martin und Mutter Marion, aber dann streifte er es sich endlich über - das Trikot mit der Rückennummer 88 und dem römischen Centurio vorne drauf. "Ich bin super happy", sagte Stützle bei MagentaSport: "Das ist das Beste, was mir passieren konnte. Ich hatte viele Meetings mit denen vorher, die kommen super rüber." Ein deutsches Top-Talent, gezogen als Nummer drei, auf dem Weg nach Kanada: Natürlich weckt Stützles Geschichte Erinnerungen an MVP Leon Draisaitl und damit auch Erwartungen.

Der Star des deutschen Eishockeys war 2014 von den Edmonton Oilers ebenfalls als Dritter gepickt worden und wurde in der abgelaufenen Saison zum besten Spieler der Hauptrunde gewählt. Draisaitl selbst freute sich enorm für Stützle. "Ich habe ihn gestern angerufen und ihm viel Glück gewünscht", sagte er in Köln: "Für das deutsche Eishockey ist das natürlich riesig."

"Das Beste für mich"

Mit dem Druck kann Stützle unterdessen umgehen, er liebe es gar "unter Druck zu spielen". Und peilt an, sich ein Beispiel an Draisaitl zu nehmen. "Was Leon letzte Saison gemacht hat - und er wurde auch als Dritter gedraftet - das ist einfach unglaublich", sagte Stützle: "Das ist auch mein Ziel, so zu sein." Seine vielversprechenden Anlagen hat er bereits in der vergangenen Saison der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) unter Beweis gestellt. Mit sieben Toren und 27 Vorlagen für die Adler Mannheim avancierte er zum besten Rookie der Spielzeit.

Dass er den Sprung nach Übersee auch seinen Teamkollegen bei den Adlern zu verdanken hat, ist Stützle bewusst. Deshalb lud er einige von ihnen zusammen mit seiner Familie ins "Whistle" ein, um den virtuellen Draft vor dem Fernseher zu verfolgen. Seine Kollegen freuten sich für ihn, Nationalspieler David Wolf etwa fiel Stützle strahlend um den Hals. Die neue NHL-Saison soll am Neujahrstag starten, wann Stützle aber nun tatsächlich über den großen Teich fliegt, ist noch nicht abschließend geklärt. "Ich kann es kaum erwarten, rüberzufliegen und dann auch in die Trainingscamps zu gehen", sagte Stützle.

Die NHL sieht jedoch im neuen Rahmentarifvertrag vor, dass europäische Profis, die noch in ihrer Heimat unter Vertrag stehen und im Draft ausgewählt werden, in der kommenden Saison nicht spielen dürfen. Stützles Vertrag in Mannheim läuft noch zwei weitere Jahre. An dem Problem wird nun gearbeitet werden. Für Stützle selbst bleibt das Training in Mannheim und die Vorfreude auf Ottawa. Das Projekt in der kanadischen Hauptstadt ist wie für ihn gemacht, auch wenn rascher Erfolg unwahrscheinlich scheint.

In den vergangenen Jahren lief es nicht sonderlich gut, nach der Saison 2016/2017 verpassten die Kanadier immer die Play-offs, und auf einen Stanley-Cup-Sieg warten sie noch vergeblich. Stützle begreift es als Chance: "Sie sind gerade im Rebuild, daher ist dies das Beste für mich. Da habe ich die größte Möglichkeit, schnell zu spielen, was auch mein Ziel ist." Es könnte der Start von etwas Großem sein.

Quelle: ntv.de, Florian Krebl, sid