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Box-Profi drohen zehn Jahre Haft Sturm beschweigt Gericht im Steuer-Prozess

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Viel zu sagen hatte Felix Sturm zum Prozessauftakt nicht.

(Foto: picture alliance/dpa)

Seit April sitzt Ex-Weltmeister Felix Sturm in Untersuchungshaft. Der Boxer soll 5,8 Millionen Euro an Steuern hinterzogen haben. Ein erster Erklärungsversuch seiner Anwälte klingt wenig beeindruckend. Außerdem wirft die Staatsanwaltschaft ihm Körperverletzung wegen Dopings vor.

Weil er Steuern in Millionenhöhe hinterzogen und gedopt haben soll, steht Profiboxer Felix Sturm in Köln vor Gericht. Zum Auftakt des Prozesses entschied sich der Ex-Weltmeister, zu den Vorwürfen zu schweigen. Die Anklage wirft dem 40-Jährigen besonders schwere Steuerhinterziehung in 16 Fällen vor, wie Staatsanwalt Renke Hoogendoorn in Köln erklärte. Insgesamt soll Sturm über Jahre hinweg rund 5,8 Millionen Euro Steuern hinterzogen haben. Dafür drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Hört man dem Staatsanwalt beim Verlesen der Anklage zu, ist es schwierig zu folgen: Unzählige Kämpfe, millionenschwere Einnahmen, deutlich niedrigere Summen in den Steuererklärungen und mehrere Promotions- und Marketingagenturen spielen in dem angeblich über Jahre von Sturm praktizierten Modell eine Rolle. Im Zentrum steht eine Agentur. Sie soll geholfen haben soll, Sturms tatsächliche Einnahmen zu vertuschen.

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Nach dem Kampf gegen den Russen Chudinov wurde Sturm positiv getestet.

(Foto: imago/Norbert Schmidt)

Geld, das Verträgen zufolge der Agentur zugestanden hätte, soll laut Staatsanwaltschaft stattdessen auf Sturms eigenem Konto gelandet sein. Beim Finanzamt gab er falsche oder teilweise auch gar keine Summen an. Knapp vier Millionen Einkommenssteuer und knapp zwei Millionen Gewerbesteuer soll der Angeklagte dem Staat schuldig geblieben sein. Ihr Mandant verstehe gar nichts von Steuern und habe mehrfach einfach Steuererklärungen unterschrieben, die ihm von Beratern vorgelegt worden seien, lautete der Erklärungsversuch von Sturms Verteidigern.

Ex-Boxer ist offenbar pleite

Selbst ein verurteilter Steuerhinterzieher muss in der Sportwelt nicht zwangsläufig mit dem Ende seiner Karriere rechnen - im Fall von Sturm kommt jedoch der Vorwurf des Dopings hinzu: Bei einem Kampf 2016 soll Sturm unter dem Einfluss der verbotenen Substanz Stanozolol gestanden haben. Zwei Proben wiesen den Stoff in seinem Körper nach. Die Staatsanwaltschaft wertet das Doping als Körperverletzung gegenüber dem Kontrahenten. Sturm habe in Kauf genommen, dass sein Gegner nicht gegen ihn geboxt hätte, wenn er davon gewusst hätte.

Am zweiten Prozesstag am Dienstag wolle Sturm etwas zu seiner Person sagen, so die einzige Ankündigung. Der Ex-Weltmeister war Anfang April auf der Fitness-Messe Fibo festgenommen worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Er war bereits 2012 vom Amtsgericht Köln wegen Steuerhinterziehung in 16 Fällen zu einer Gefängnisstrafe von 22 Monaten auf Bewährung verurteilt worden.

Sturms Anwalt hatte versucht, seinen Mandanten aus der U-Haft zu bekommen. Zum einen sei die Haftanstalt von Asbest befallen, und Sturm leide unter Asthma. Zum anderen könne er sich in Freiheit besser auf einen neuen Kampf vorbereiten, womöglich gegen Ex-Champ Arthur Abraham. Nur so könne Sturm das nötige Geld verdienen, um seine Schuld zu bezahlen. Abraham hatte angedeutet, dass er sich einen solchen Fight vorstellen könne. Die Anwälte sagten laut dem Kölner "Express" zudem, Sturm besäße mittlerweile keine finanziellen Mittel mehr, die er etwa für eine Kaution aufbringen könnte.

Quelle: ntv.de, tsi/dpa/sid