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Rücktritt mit Entschuldigung Sumo-Held Kisenosato leidet, Japan mit ihm

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Kisenosato war der große Hoffnungsträger Japans, als er im Februar 2017 in den Rang eines Yokozuna aufstieg.

(Foto: imago/Kyodo News)

Von Verletzungen geplagt, auf der verzweifelten Suche nach der Form: Japans Sumo-Held Kisenosato beendet überraschend seine Karriere. Während sich selbst die höchste Politik des Landes vor dem 32-Jährigen verbeugt, entschuldigt der sich bei seinen Landsleuten.

Kisenosato, Held Japans, Sumo-Koloss von 180 Kilo, liefen Tränen die Wangen hinunter. Immer wieder rieb sich der Yokozuna-Großmeister mit seinem Taschentuch die Augen, wie ein Häufchen Elend saß er da und verkündete dem Land seinen Rücktritt. "Ich habe das Gefühl, dass ich alles getan habe, was ich konnte", sagte Kisenosato mit zittriger Stimme: "Ich wurde von so vielen Menschen unterstützt. Ich empfinde nichts als Dankbarkeit."

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Rücktritt unter Tränen.

(Foto: imago/Kyodo News)

Für Japan ist der Rückzug des 32-Jährigen ein Schock, das Land trauert. Schließlich war Kisenosato als einziger aus Japan stammender Ringer seit 1998 in die höchsten Höhen des traditionsreichen Sports aufgestiegen. TV-Moderatoren verbeugten sich als Zeichen des Respekts, selbst Regierungssprecher Yoshihide Suga äußerte sich und bezeichnete die Entscheidung als "sehr bedauerlich. Es ist traurig", sagte er: "Ich glaube, er hat als erster japanischstämmiger Yokozuna in 19 Jahren viele Fans in seinen Bann gezogen."

"Bedaure, dass ich die Erwartungen nicht erfüllen konnte"

Kisenosato war der große Hoffnungsträger Japans, als er im Februar 2017 in den Rang eines Yokozuna aufstieg. Rund 18.000 Japaner waren damals zum Meiji-Schrein zur traditionellen Zeremonie gepilgert, schließlich ging für die Fans eine lange Leidenszeit zu Ende. Seine Ernennung löste Begeisterung aus und wurde auch in der Politik erleichtert aufgenommen. Doch nun das plötzliche Ende nach Verletzungen und einer Formkrise. "Ich bedaure, dass ich die Erwartungen an einen Yokozuna nicht erfüllen konnte", sagte Kisenosato, der mit bürgerlichem Namen Yutaka Hagiwara heißt.

Er war erst der 72. Yokozuna in der knapp 400 Jahre alten Geschichte des Sumo. "Ich werde versuchen, den Titel mit Würde zu tragen", sagte er bei seiner Ernennung. Sumo ist in Japan nicht nur Sport, sondern eine Einstellung, eine Art Religion. Die Yokozuna sind Heiligtümer. Sein halbes Leben arbeitete Kisenosato an dem Ziel, der Beste seines Fachs zu werden. Mit 15 verließ er sein Elternhaus, um in den Stall Naruto-beya zu ziehen und Profi zu werden. Der Alltag eines Sumo-Ringers ist hart und entbehrungsreich, die Welt ist streng hierarchisch aufgebaut, die Jungen müssen kochen und den Stars den Körper waschen.

Nach einem vielversprechenden Start bei seinem ersten Neujahrsringen als Yokozuna, dem sogenannten Basho, zog er sich eine Brustverletzung zu - daraufhin musste er bei acht Turnieren in Folge verzichten. Kisenosato kämpfte sich wieder zurück, doch beim jüngsten Neujahrsringen unterlag er dann wieder in drei Kämpfen. Das war am Ende zu viel für Kisenosato, er weinte zum Abschied.

Quelle: ntv.de, Kristof Stühm, sid

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