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Kampf mit vielen Fragezeichen "The Baddest Man on the Planet" ist zurück

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15 Jahre nach seinem letzten Fight, meldet sich "Iron Mike" zurück.

(Foto: imago images/Ritzau Scanpix)

Box-Ikone Mike Tyson hat die tiefen Abstürze in seinem Leben weitgehend hinter sich gelassen. Auch das will der 54-Jährige mit seiner Rückkehr in den Ring am Wochenende gegen Roy Jones Jr. beweisen. Der sportliche Wert des Legenden-Fights wird derweil von Ex-Boxern bezweifelt.

Er prügelt wie wild auf die Pratzen ein, schleudert seine Fäuste immer wieder gegen den schweren Sandsack: "Iron Mike" Tyson schuftet derzeit im Training hart für seine Rückkehr. Der 54 Jahre alte Box-Rentner will der Welt in der Nacht zu Sonntag im Showkampf gegen Roy Jones Jr. (2.30 Uhr bei Sky) auch zeigen, dass er die Abstürze und Skandale in seinem Leben hinter sich gelassen hat.

"Dieses Kind ist weiter in mir, nur weiß ich jetzt, wie ich es beschützen muss", sagt der geläuterte Altstar heute über die schwierige Zeit in jungen Jahren, als er die Gegner mit finsterer Miene reihenweise aus dem Ring prügelte und von einem Skandal in den nächsten tappte. "Dieses Kind war nicht beschützt, als ich in den Knast kam und der ganze Kram passierte", meint Tyson. Der "ganze Kram" kam mit dem Erfolg. Mit 20 Jahren und 144 Tagen wurde der Junge aus Brooklyn zum jüngsten Weltmeister im Schwergewicht, gewann zwölf der ersten 20 Kämpfe durch K.o. in Runde eins und holte die wichtigen Gürtel. "Als ich Titel gewann, wurde es schwierig", verrät er heute, "es war nicht die richtige Zeit für mich."

Die privaten Probleme wurden immer schlimmer. Seine Ehefrau Robin Givens warf ihm sexualisierte Gewalt vor, 1992 landete er wegen Vergewaltigung für drei Jahre im Knast. Er verprasste 300 Millionen US-Dollar, sein Comeback scheiterte auch, weil er seinem Gegner Evander Holyfield vor lauter Frust im Ring ein Stück aus dem rechten Ohr biss.

Jones jr. lästert über Frauenboxen

Nun, 15 Jahre nach seinem letzten Fight, meldet sich "Iron Mike" zurück. Tyson, "The Baddest Man on the Planet", hat sein Leben wieder halbwegs im Griff, spielte in Kinofilmen mit, stand auf der Theaterbühne und soll wieder einige Millionen auf dem Konto haben. Die Börse für den Kampf will er Obdachlosen und Süchtigen spenden.

Doch trotz aller Vorsätze von Tyson dürfen die Fans vom Duell der Ring-Rentner im legendären Staples-Center von Los Angeles kein hochklassiges Boxen erwarten. Auch, weil die zuständige Athletic Commission (CSAC) die Regeln dem Alter angepasst hat. Es wird nur über acht Runden geboxt, eine Runde dauert zwei statt drei Minuten, beide Boxer müssen stärker gepolsterte Handschuhe tragen, bei einem Cut wird sofort abgebrochen, ein K.o. soll gar nicht möglich werden. "Das ist was für Frauen", beschwerte sich Jones jr. und stellte klar: "Wir sind keine Frauen, wir sind zwei der Besten."

Auch der 51 Jahre alte Jones gehörte zu den Großen seiner Zunft, war fünfmal Weltmeister in verschiedenen Klassen. Erst vor drei Jahren beendete der Mann aus Pensacola/Florida seine Karriere. Ex-Profiboxer Axel Schulz hält von dem Showact nicht viel. "Der Kampf ist wie das Promi-Boxen einzuordnen und nicht, wie angekündigt, das größte Comeback der Boxgeschichte", sagte Schulz der Bild-Zeitung und schob nach: "Einen sportlichen Wert gibt es für mich nicht."

Dennoch wird amtlich verdient. Beiden Boxern soll bei guten Pay-Per-View-Verkäufen in den USA eine Börse von rund zehn Millionen US-Dollar (8,4 Millionen Euro) garantiert worden sein. In Deutschland muss auch der Sky-Kunde noch 20 Euro drauflegen (Frühbucher bis Freitag: 15 Euro), um den Fight zu sehen.

Quelle: ntv.de, Nikolaj Stobbe, sid