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"Ich habe alles erreicht" Turnstar Hambüchen sagt endgültig Tschüss

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Zur Verabschiedung eines der erfolgreichsten deutschen Turner gibt sich sogar die Bundeskanzlerin die Ehre.

(Foto: picture alliance / Britta Peders)

Fabian Hambüchen erreicht in seiner langen Kunstturn-Karriere alle Ziele. Doch der Abschied fällt ihm offenbar schwer, weswegen er mit der Heim-WM 2019 liebäugelt. Jetzt hat er andere Pläne - und bringt damit den aktuellen DTB-Präsidenten ins Schwitzen.

Nach dem spontanen Handschlag von Angela Merkel im Olympiastadion ganz außerhalb des Protokolls zog Fabian Hambüchen selbst den unwiderruflichen Schlussstrich. "Einen solchen Abschied mit der Chefin des Landes - den kann man nicht toppen", sagte der Reck-Olympiasieger am Tag nach der Berliner Stadion-Gala und beendete offiziell alle Spekulationen über eine Fortsetzung seiner internationalen Karriere.

Mehrfach in den vergangenen Wochen hatte der ehemalige Reck-Weltmeister, offenbar selbst noch im Zweifel, Hintertürchen wieder aufgestoßen, die vagen Hoffnungen seiner Fans genährt. Aber die bunt-fröhliche Farewell-Party mit der Kanzlerin und 55.000 Turnfestbesuchern zeigte Wirkung: Einen besseren Zeitpunkt für das definitive Ende einer beispiellosen Laufbahn konnte es nicht geben.

Liebe zum Kunstturnen bleibt

Tränen flossen bei Deutschlands Sportler des Jahres, wie von ihm vorher angekündigt, nicht, aber die Stimme klang brüchig, der Redefluss war stockend, als er zu seinen Abschiedsworten in der altehrwürdigen Arena ansetzte: "Für einen Nicht-Fußballer ist ein solcher Abschied etwas ganz Besonderes. Ich kann sagen, dass ich alles erreicht habe und möchte mich bei allen bedanken, die mich über viele Jahre begleitet haben."

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Die Harry-Potter-Brille trägt er bei seinen ersten Olympischen Spielen 2004.

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

40 deutsche Meistertitel, 27 internationale Medaillen - am Gerät wird der Wetzlarer beim Deutschen Turner-Bund (DTB) eine kaum zu schließende Lücke hinterlassen. Nach konfrontationsreichen Jahren mit dem DTB hat der fast 30-Jährige längst seinen Frieden mit dem Verband gemacht.

Dem Kunstturnen, "das ich wahnsinnig liebe", wird der Hesse auf jeden Fall erhalten bleiben, in welcher Form auch immer. Klar ist, dass Hambüchen nach seiner Schulteroperation vor wenigen Wochen im Herbst in der Turn-Bundesliga wieder an die Geräte gehen wird. Zudem nahm er schon beim offiziellen Abschied seinen Job als Turnfestbotschafter noch ernster als bisher und stellte sich einer Autogrammstunde. Die ersten Interessenten standen bereits drei Stunden vor dem offiziellen Beginn in der Warteschlange. Was verdeutlicht, welche Zugkraft Hambüchen immer noch hat und weiter haben wird.

"Vielleicht der nächste DTB-Präsident"

Zukunftspläne jedenfalls hat der einstige Turn-Professor mit Harry-Potter-Brille eine ganze Menge. Er möchte sein Sportmanagement-Studium in Köln, abschließen, praktische Erfahrungen in der Agentur seines langjährigen Managers Klaus Kärcher sammeln und auch weiter an der Basis arbeiten. Trainer, Funktionär, "vielleicht werde ich ja auch der nächste DTB-Präsident", witzelte Hambüchen.

Prompt zuckte der gerade erst an die Spitze des zweitgrößten deutschen Fachverbandes gewählte Alfons Hölzl zusammen. Noch höhere Weihen sind durchaus nicht ausgeschlossen. Weltverbandspräsident Morinari Watanabe jedenfalls überreichte dem Ausnahmeathleten japanisch-formvollendet schon in Berlin seine Visitenkarte. Und auch seine TV-Erfahrungen will Hambüchen weiter vertiefen. Für die Winterspiele 2018 im südkoreanischen Pyeongchang sowie die Sommerspiele 2020 in Tokio hat er beim neuen Rechtehalter Discovery einen Vertrag als Olympiareporter unterschrieben.

Und doch: Noch während des krachenden Feuerwerks am Berliner Abendhimmel waberte ein wenig Melancholie durch die Gedankenwelt Hambüchens: "Alles war sehr berührend, ich brauche noch ein paar Tage zur Verarbeitung." Aufmunterung verspricht da ein Besuch der Turnfestmeile, der erste überhaupt bei seinem fünften Turnfest, denn: "Bislang gab es für mich ja immer nur Wettkampf und Hotel." Aber damit ist es ja nun vorbei.

Quelle: n-tv.de, Andreas Frank, sid

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