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Sabally zeigt solides WNBA-Debüt US-Profis flüchten vor US-Hymne vom Feld

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Vor dem Spiel erinnern die WNBA-Teams an die Opfer von Polizeigewalt wie Breonna Taylor.

(Foto: AP)

Um gegen Rassismus und Polizeigewalt zu demonstrieren, reicht Knien nicht mehr aus. Zumindest in der WNBA - die Basketballerinnen verlassen für die US-Hymne demonstrativ die Halle. Auch der deutschen Ausnahmespielerin Satou Sabally geht es nach ihrem Debüt in der Eliteliga nicht ums Sportliche.

Satou Sabally kämpfte, sie biss sich rein, sie traf und verlor trotzdem. Doch über das ordentliche WNBA-Debüt der deutschen Basketball-Hoffnung für die Dallas Wings sprach wenig später kaum jemand. Denn die Botschaften, welche die Spielerinnen zum Saisonstart in die Welt schickten, überstrahlten die Ergebnisse. Die Proteste gegen Rassismus in der Sportwelt schossen schon vor Saballys erstem Auftritt in neue Sphären.

Als die Geistersaison der US-Profiliga am Spielort Bradenton/Florida mit der Hymne eröffnet werden sollte, flüchteten die Spielerinnen von New York Liberty und Seattle Storm demonstrativ in die Katakomben. Die Protestwelle, die immer rasanter steigt, erreichte am vergangenen Wochenende dadurch bislang ungeahnte Höhen. Und die WNBA entwickelt sich dank ihrer Protagonistinnen zum Vorreiter.

Das Knien während der Hymne reicht den Spielerinnen nicht mehr aus, der Kampf gegen Diskriminierung und Polizeigewalt wird lauter. "Ich will die Hymne nicht hören", sagte New Yorks Layshia Clarendon, "ich will mich ihr nicht nähern, denn es ist grotesk, dass Gerechtigkeit und Freiheit einfach nicht für alle in gleicher Weise gelten."

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Einen Tag nach der Flucht in die Kabinen schien auch für Sabally das 95:105 bei ihrer Premiere gegen Atlanta Dream zweitrangig. Nach dem Match postete die 22-Jährige ein Foto im "Black Lives Matter"-Shirt - aber kein Wort zum Spiel, kein Wort zu ihrer Leistung. Es geht längst nicht mehr nur ums Sportliche. Die Spielerinnen einer Liga, in der die große Mehrheit Schwarz ist, werden zu Aktivistinnen.

Sabally debütiert mit Steigerung

Sabally ist mit ihrem Engagement ohnehin bereits hervorgestochen. Die Tochter eines Gambiers und einer Deutschen trug auf ihrem Trikot mit der Rückennummer 0 wie alle anderen Spielerinnen den Namen Breonna Taylor. Die Afroamerikanerin war im März im Alter von 26 Jahren bei einem Einsatz in ihrem Haus von Polizisten erschossen worden. Die drei involvierten Beamten wurden bislang nicht angeklagt. "Wir widmen diese Saison Breonna Taylor", sagte Clarendon.

Dass die Liga sich für Botschaften für soziale Gerechtigkeit geöffnet hatte, bewegte zahlreiche Spielerinnen erst, sich trotz Corona-Pandemie in die Blase zu begeben. Taylors Name wird die ganze Saison auf den Trikots der Spielerinnen stehen, auf den Aufwärmshirts und dem Hallenboden der Schriftzug "Black Lives Matter" - so wie beim Auftakt am vergangenen Wochenende.

Und so blieben Saballys elf Punkte, fünf Rebounds und fünf Assists eine Randnotiz. Ihr Trainer Brian Agler war jedenfalls zufrieden, auch wenn die Nummer zwei der Talentevergabe "ein wenig passiv ins Spiel gestartet" sei. "Im weiteren Spielverlauf, vor allem in der zweiten Halbzeit, hat sie sich gesteigert", sagte der Coach.

Der Auftritt mit Höhen und Tiefen sei für "einen Rookie nicht ungewöhnlich", erklärte er zudem. Schon am Donnerstag (2 Uhr) gegen New York Liberty kann sich Sabally erneut beweisen. Auch dann wird der Kampf gegen Rassismus wieder allgegenwärtig sein.

Quelle: ntv.de, Jonas Wagner, sid