"Ständig hin und her geschoben"Usain Bolt schickt eine Warnung an Teenie-Superstar
Auf den Weltrekord folgt der Rummel: Gout Gout ist der neue Star am Sprint-Himmel. Doch darin sieht Usain Bolt eine große Gefahr. Der schnellste Mann der Welt, dessen U20-Rekord Gout pulverisiert, warnt vor zu viel Ablenkung.
Gout Gout erstaunt derzeit die Leichtathletik-Welt. So gut, so schnell - schneller als der schnellste Mann der Welt in diesem Alter. Usain Bolt hat seinen Weltrekord über 200 Meter der unter 20-Jährigen an den 18-jährigen Australier verloren. Gnadenlos pulverisiert hat er ihn: In 19,67 Sekunden gewann Gout die 200 Meter bei den australischen Meisterschaften der Erwachsenen. 19,93 Sekunden hatte Bolt im Jahr 2004 bei seinem bis jetzt gültigen U20-Weltrekord gebraucht. Bolt war damals erst 17 Jahre alt, hatte seinen Rekord als Teenager aber nie mehr toppen können.
Nun meldet sich der Jamaikaner selbst zu Wort. Das Wunderkind Gout sehe aus wie er selbst in jüngeren Jahren, sagte Bolt bei CNN. Und das ist offenbar nichts, was so einfach zu bewältigen ist. Der Rummel um den neuen Star der Sprintszene ist riesig, die Ablenkungen werden mehr, das weiß Bolt aus eigener Erfahrung.
"In diesem jungen Alter, weil ich selbst dabei war, wird man ständig hin und her geschoben und vergisst dann die Leichtathletik", sagt er über die Widrigkeiten des Berühmtseins. "Hoffentlich hat er die richtigen Leute an seiner Seite, die ihn anleiten und ihm helfen, sich auf die Leichtathletik zu konzentrieren, denn alles andere wird immer da sein."
Denn klar sei: Wenn ein Sprinter einen Fehler auf der Bahn macht, "ist alles vergessen", so Bolt. Über 200 Meter, erst recht über 100 Meter, können Patzer nicht mehr ausgebügelt werden, zu schnell sind die Hundertstelsekunden verronnen.
"Weiß, dass ihm das die Augen öffnen wird"
Dass er alles richtig macht, kann Gout demnächst auch auf der großen, internationalen Bühne zeigen. Die Sprintsensation von Down Under wird am 10. Juni sein Debüt in der Diamond League geben, wenn die Top-Elite der Leichtathletik im norwegischen Oslo gastiert. Über 200 Meter kommt es zum Showdown mit dem Olympiasieger von 2024, Letsile Tebogo.
Der Sprinter aus Botswana hatte schon im vergangenen Jahr prophezeit, dass Gout das Potenzial hat, eines Tages einer der größten Leichtathleten der Geschichte zu werden. Bolt schraubt die Erwartungen noch herunter. "Es ist so groß … es ist total unterschiedlich", urteilt er. "Ich erinnere mich, wie ich nach dem Abitur auf die Bahn kam - ich fühlte mich, als stünde ich auf dem Gipfel der Welt, weil ich gewann und gut unterwegs war." Was folgte war aber Ernüchterung: "Ich habe kein einziges Rennen gewonnen."
Der inzwischen 39 Jahre alte Bolt sagt: "Ich weiß, dass ihm das die Augen öffnen wird, und ich hoffe, dass es ihn nicht entmutigt, sondern motiviert, noch härter zu arbeiten. Ich glaube, im ersten Jahr wirst du viel lernen und verstehen, was du tun musst, um besser zu werden."
U20-WM als Saison-Highlight für Gout
Der Auftritt in der Diamond League ist ein erstes Hereinschnuppern von Gout in die Seniorenklasse. An den Commonwealth Games wird er dieses Jahr noch nicht teilnehmen, der 18-Jährige konzentriert sich laut eigener Aussage stattdessen auf die U20-WM im August. Jener Meisterschaft, bei der sich Bolt vor inzwischen 24 Jahren als Sprint-Wunderkind hervortat. Mit gerade einmal 15 Jahren war der Jamaikaner U20-Weltmeister über 200 Meter geworden.
Er weiß noch bestens, was damals auf ihn einprasselte: "Jedes Mal, wenn du auf die Bahn trittst, erwarten alle von dir eine schnelle Zeit und hoffen, dass du eine Glanzleistung erbringst." Und so sagt er über Gout zwar, dass dieser ein "riesiges junges Talent" ist. Ob der Australier die Erwartungen aber auch erfüllen kann, muss sich erst noch zeigen.
