Sport
Mittwoch, 07. März 2007

Typ "Aggressiv-Leader": Van Bommel wie Effenberg

Ein größeres Kompliment hätte Trainer Ottmar Hitzfeld gar nicht aussprechen können, als er Mark van Bommel "was die Aggressivität und die Position betrifft" auf eine Stufe mit Stefan Effenberg stellte. Effenberg gilt beim deutschen Fußball-Meister Bayern München seit dem Sieg der Champions League 2001, wo er durch sein Ausgleichstor die Bayern ins Elf-Meter-Schießen brachte, nach wie vor als Führungsspieler und Erfolgsgarant schlechthin.

In diese Rolle schlüpft der Niederländer van Bommel seit seinem Wechsel im August 2006 vom FC Barcelona nach München immer mehr.

Im Achtelfinal-Hinspiel in Madrid hatte der 29-Jährige für reichlich Wirbel gesorgt. Wegen seiner so bezeichneten "Fuck-you-Geste" nach dem wichtigen Treffer zum 2:3 wurde er in Spanien zum Hassobjekt und Feindbild Nummer eins. Zudem sorgte seine rüde Belehrung von Lukas Podolski während des Spiels für Ärger. Hitzfeld fand die Aktion zwar grundsätzlich etwas übertrieben, aber ansonsten ermuntert er van Bommel, als "Aggressiv-Leader, ähnlich wie Stefan Effenberg" aufzutreten.

Außerhalb des Spielfeldes wirkt der Mittelfeldspieler ruhig und höflich. Für Reals Keeper Iker Casillas ist van Bommel "ein guter Mensch", aber auf dem Spielfeld wolle er nichts mit ihm zu tun haben. "Mark geht an die Grenzen, um ein Spiel zu gewinnen", beschreibt ihn Teamkollege Roy Makaay. Er sei "der Effe von nebenan" titelte der "Münchner Merkur".

Den Einschätzungen kann der dreifache Familienvater, der sich in München schnell integriert hat, nur zustimmen: "Das mit dem guten Menschen, da hat Casillas Recht. Aber auf dem Platz bin ich ein bisschen ein anderer Mensch, da will ich gewinnen. Dafür tue ich alles."

Auch um das Loch zu stopfen, das einst Effenberg hinterlassen hat, haben die Bayern ihn im Sommer für rund sechs Millionen Euro von Barca geholt. Hitzfeld spricht von einem "Eckpfeiler", Manager Uli Hoeneß von einem "Glücksgriff" und gerät regelrecht ins Schwärmen: "Man braucht einen Spieler, der die Richtung vorgibt. Typen wie Mark sind die spielentscheidenden Figuren im modernen Fußball. Von denen gibt es nicht viele."

Mit Barcelona hat van Bommel im vergangenen Jahr die Champions League gewonnen. Dort hielten sie ihn aber dann trotzdem für entbehrlich. Ganz anders in München. Als der 40-malige Nationalspieler der Niederlande, der sich nach der WM mit Trainer Marco van Basten überworfen und deshalb seinen Rücktritt aus der Elftal erklärt hatte, im August 2006 plötzlich zu haben war, schlugen die Bayern zu. Zumal van Bommel schon einmal auf der Wunschliste gestanden hatte, sich dann aber zunächst für Barcelona entschieden hatte.

Geht es nach Bert van Marwijk, ehemaliger Trainer von Borussia Dortmund und außerdem van Bommels Schwiegervater, haben die Bayern alles richtig gemacht. "Mark ist ein Führungsspieler", sagt er und erklärt: Der Schwiegersohn sei einer, der auch dem Gegner schon mal zeigt, was Sache ist, wenn es für die eigene Mannschaft nicht läuft. Das klingt irgendwie nach den Methoden eines Stefan Effenberg.

Den hohen Erwartungen in München begegnet der neue, aber etwas andere Effenberg, der wie sein Vorgänger keine Alibis sucht und immer deutliche Worte wählt, stets mit der ihm eigenen Gelassenheit. Er wolle die Ansprüche "positiv umsetzen". Er empfinde die ihm zugedachte Rolle auch nicht als Druck, "sondern als Motivation".

Quelle: n-tv.de