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Kampf mit den Erinnerungen Venus Williams leidet in Wimbledon

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Venus Williams kann sich in Wimbledon nicht nur auf Tennis konzentrieren.

(Foto: dpa)

Bei ihrem Wimbledon-Jubiläum zählt sie zu den Mitfavoritinnen. Ihre schwangere Schwester Serena pausiert, Maria Scharapowa ist verletzt, Angelique Kerber in der Krise. Doch dann verändert ein tödlicher Autounfall das Leben von Venus Williams.

Ihre 20. Wimbledon-Teilnahme ist die schwerste. 1997 betrat Venus Williams zum ersten Mal in ihrer Karriere die Rasenplätze im Südwesten Londons. Sie verlor in der ersten Runde gegen eine Polin namens Magdalena Grzybowska. 1999 schied sie im Viertelfinale gegen Steffi Graf aus. Fünfmal hat sie das bedeutendste Turnier im Tennis-Zirkus bislang gewonnen, mit 37 Jahren ist sie die älteste Teilnehmerin der aktuellen Auflage. Venus Williams verbindet eine lange und wechselvolle Geschichte mit dem All England Club an der Church Road - doch so wie in diesem Jahr hat sie noch nie gelitten.

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Wenn Profisportler in Pressekonferenzen oder Interviews über Erinnerungen oder Gedanken oder Gefühle sprechen, meinen sie meist diesen einen Moment, als sie zum ersten Mal den Center Court betreten durften. Oder wie es sich anfühlte, eine Trophäe zu küssen. Oder wie es war, nach langer Verletzungspause endlich wieder seiner Lieblingsbeschäftigung auf dem Platz nachgehen zu dürfen. Als Venus Williams nach ihrem unspektakulären Auftaktsieg gegen die Belgierin Elise Mertens von einem Reporter nach ihrem Autounfall vor einigen Wochen gefragt wurde, schossen ihr jedoch nur all die schlimmen Gedanken wieder in den Kopf und die Tränen in die Augen.

Am 9. Juni war die ältere Schwester der derzeit schwanger pausierenden Serena Williams in Palm Beach Gardens im US-Bundesstaat Florida in einen Autounfall verwickelt. Ein 78 Jahre alter Mann starb später im Krankenhaus, seine Frau wurde schwer verletzt. Nach Informationen amerikanischer Medien mit Bezug auf den Polizeibericht war Venus Williams schuld an dem Unfall. Sie äußerte sich zutiefst betroffen und schrieb in den sozialen Netzwerken: "Ich bin am Boden zerstört und untröstlich nach diesem Unfall." Ihr tief empfundenes Beileid gelte der Familie und den Freunden des Opfers.

Der nächste schwere Schlag

Williams trat die Reise nach Wimbledon an, zu ihrem Lieblingsturnier, das sie so oft wie kein anderes der vier Grand-Slam-Events gewonnen hat. In Abwesenheit ihrer wesentlich extrovertierteren Schwester und der verletzten Maria Scharapowa, angesichts der Formkrise von Angelique Kerber und der Unberechenbarkeit von Simona Halep oder Karolina Pliskova zählte sie bei ihrem Jubiläum eigentlich zu den Titelfavoritinnen - bis vor knapp einem Monat.

Venus Williams wusste genau, dass sie zu dem Unfall befragt werden würde. Dass sie sich den Interviews würde stellen müssen. Die Frage nach dem pinkfarbenen BH, den sie wegen der strengen Kleiderordnung wechseln musste, bügelte sie noch bestimmt, aber höflich ab. Zunächst schaffte sie es auch noch, sich mit Allgemeinplätzen über ihren Sport und die Liebe zum Tennis aufzuhalten. Dann aber setzte sie doch an. "Es gibt keine Worte, um zu beschreiben, wie verheerend ... Ich bin sprachlos", sagte Williams, versuchte die Tränen aus dem Gesicht zu wischen und verließ den Raum.

Nach einigen Minuten kam sie zwar wieder, doch da war die Pressekonferenz längst zur Trauerfeier geworden, wie es die "Süddeutsche Zeitung" formulierte. Dabei kennt die eher stille, gläubige Venus Williams schon lange nicht nur die Sonnenseiten ihres privilegierten Lebens. Sie leidet unter dem Sjögren-Syndrom, einer Autoimmunkrankheit, die Gelenkschmerzen, Müdigkeit und Schwäche verursachen kann. Vor 14 Jahren wurde ihre Halbschwester Yetunde in Los Angeles erschossen. Venus Williams weiß mit Schicksalsschlägen umzugehen. Sie schaffte es in diesem Jahr sogar noch einmal in das Endspiel der Australian Open, das sie gegen Serena verlor. Doch dieser Moment im Juni 2017 hat so vieles verändert in ihrem Leben. Auch den Blick auf ihren Sport. Am Nachmittag wartet in der zweiten Runde die Chinesin Wang Qiang.

Quelle: n-tv.de, Wolfgang Müller, dpa

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