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Kekulé: "Wäre Fest für Viren" Virologe sieht schwarz für Olympia

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Als das Olympische Feuer in Japan eintraf, war die Freude groß - doch auch das Mega-Event wird vom Coronavirus bedroht.

(Foto: dpa)

Bis zu den Olympischen Spielen ist es noch eine Weile hin, doch der Virologe Kekulé sieht trotzdem schwarz für die Wettbewerbe im Sommer. Auch für Fußballfans hat er schlechte Nachrichten. 

Für Virologe Alexander Kekulé ist eine Austragung der Olympischen Spiele in Tokio (24. Juli bis 9. August) angesichts der fortschreitenden Coronavirus-Pandemie nahezu unmöglich. "Ich halte das für ausgeschlossen, dass wir in Tokio dieses Jahr die Olympischen Spiele austragen können", sagte der Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie am Universitätsklinikum Halle/Saale in der ARD.

Kekulé ist der Ansicht, dass die "ganz große Welle" an Infizierten im Olympia-Gastgeberland Japan noch bevorstehe, zudem sei ein Großereignis dieser Art ein möglicher Herd für eine weitere Verschlimmerung der Situation. "Es gibt für Viren quasi kein tolleres Fest als so eine Veranstaltung", sagte der Biochemiker.

Auch der Hoffnung der Fußballfans, bald wieder zu einem Spiel ins Stadion gehen zu können, erteilte Kekulé eine Absage. "Großveranstaltungen, bei denen man 60.000 Menschen in einem Stadion zusammenbringt, die sehe ich tatsächlich in diesem Jahr auch nicht", sagte er. Die Situation könnte sich seiner Meinung nach "im September irgendwann" bessern, "vorher höchstwahrscheinlich nicht". Offiziell ist der Spielbetrieb in der Bundesliga und Zweiten Bundesliga zunächst bis 2. April ausgesetzt.

IOC noch gegen Verschiebung

Der US-Leichtathletikverband und das Olympische Komitee Brasiliens fordern bereits eine Verschiebung der Olympischen Spiele in Tokio und erhöhen damit den Druck auf das Internationale Olympische Komitee. Ein Festhalten an den Wettkämpfen in Japan könne angesichts der globalen Ausnahmesituation nicht im besten Interesse der Athleten sein, erklärte der Verband USATF. Die Sportler bräuchten die Gewissheit, dass sie sich adäquat vorbereiten könnten und dass eine Teilnahme an den Spielen kein Gesundheitsrisiko darstelle

Vom Olympische Komitee Brasiliens (COB) hieß es ebenfalls, die sich verschlimmernde Pandemie mache es für die Athleten immer schwerer, ihr bestes Niveau aufrechtzuerhalten. "Als Judoka und Ex-Trainer habe ich gelernt, dass der Traum eines jeden Sportlers ist, die Olympischen Spiele unter den besten Voraussetzungen zu bestreiten", schrieb COB-Präsident Paulo Wanderley, der den brasilianischen Judoka Rogério Sampaio in Barcelona 1992 zu Gold geführt hatte. Die Spiele sollten im gleichen Zeitraum im Jahr 2021 stattfinden.

Für das IOC kommt eine Absage aber offenbar noch nicht infrage. IOC-Präsident Thomas Bach sagte im SWR, "die Absage würde den olympischen Traum von 11.000 Athleten aus 206 Nationalen Olympischen Komitees und dem IOC-Flüchtlingsteam zerstören". Es sei die "am wenigsten fairste Lösung". Außerdem sei eine Verschiebung wegen des enormen Organisationsaufwandes sehr schwierig.

Quelle: ntv.de, vpe/sid/dpa