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Doping-Bericht zur Tour 1998 Zabel schweigt, Armstrong wettert

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Bei seinem ersten Geständnis 2007 vergoss Erik Zabel zwar Tränen, nahm es aber mit der Wahrheit nicht so genau. Deshalb kommentiert er die neuesten Enthüllungen vorerst nicht.

(Foto: dpa)

Abwarten, in sich gehen - das will Ex-Sprintstar Erik Zabel, nachdem er als jener Radstar entlarvt wurde, der sogar beim Dopinggeständnis gelogen hat. Der König der Doper, Lance Armstrong, fordert derweil ein Ende der Aufklärung. Sonst "sind wir alle angeschissen".

Der frühere deutsche Top-Sprinter Erik Zabel will erst zu einem späteren Zeitpunkt eine Stellungnahme zu seiner positiven Dopingprobe bei der Tour de France 1998 abgeben. "Ich muss erstmal den offiziellen Bericht abwarten und in mich gehen. Ich weiß nicht, welche Proben analysiert wurden. Das muss man sehen und dann wird es auch eine Stellungnahme geben", sagte Zabel der "Bild"-Zeitung.

Im Untersuchungsbericht der Anti-Doping-Kommission des französischen Senats wurde Zabels Dopingkontrolle vom 12. Juli 1998 einem positiven Wert auf das Blutdopingmittel Epo in den Nachanalysen 2004 zugewiesen.

Zabel hatte bei seinem Geständnis am 24. Mai 2007 noch unter Tränen ausgesagt, dass er nur für eine Woche bei der Tour de France 1996 Epo ausprobiert. Wegen Unverträglichkeit habe es dann wieder abgesetzt. Der Tour war er in diesem Jahr erstmals seit 1993 ferngeblieben. Womöglich, weil der Doping-Bericht ursprünglich schon während der Frankreich-Rundfahrt veröffentlicht werden sollte.

Ob Zabel als Sportdirektor des deutschen WorldTour-Rennens Cyclassics weiterarbeiten darf, ist ungewiss. "Wir werden uns mit Erik Zabel und unserem größten Sponsor Vattenfall zusammensetzen und das besprechen. Wir stehen in Kontakt, mehr können wir noch nicht sagen", teilte Reinald Achilles, Sprecher der Veranstalters Upsolut Sports mit. Das wichtigste Radrennen in Deutschland wird in diesem Jahr am 25. August in der Hansestadt ausgetragen.

Armstrong fordert Ende der Aufklärung

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Lance Armstrong schimpft: Auf die Aufklärer, nicht auf die Aufgeflogenen.

(Foto: AP)

Ausgerechnet der größte bekannte Betrüger im Radsport fordert derweil ein Ende der Vergangenheitsbewältigung in Sachen Doping. "Wenn wir nicht zusammenkommen, einen Strich ziehen und nach vorne blicken, sind wir alle angeschissen", sagte der lebenslang gesperrte Lance Armstrong dem Internetportal "Cyclingnews" mit Blick auf den Untersuchungsbericht der Anti-Doping-Kommission des französischen Senats.

Dutzenden Fahrern wie Armstrongs früheren Rivalen Jan Ullrich, Marco Pantani oder auch den Sprint-Stars Zabel und Mario Cipollini waren in dem Report positive Dopingproben auf Epo bei der Tour 1998 zugewiesen worden. "Meine erste Reaktion ist, dass ich nicht überrascht bin. Wie ich bereits sagte, war es eine unglückliche Ära. Wir haben alle die Regeln gebrochen und gelogen", ergänzte Armstrong.

Nur gestanden, was nicht mehr zu leugnen ist

Ihm waren im Oktober vergangenen Jahres alle sieben Tour-Titel von 1999 bis 2005 wegen langjähriger Dopingpraktiken aberkannt worden waren. 1998 hatte Armstrong wegen seiner Krebserkrankung bei der Tour gefehlt. Von der Tour 1999 waren ihm in Nachanalysen aber ebenfalls sechs positive Kontrollen auf Epo nachgewiesen worden.

Anfang des Jahres hatte Armstrong Doping zugegeben, ohne aber Hintermänner zu nennen. Inhaltlich blieb sein TV-Geständnis hinter dem Untersuchungsbericht der Usada zurück, in dem die US-amerikanischen Dopingaufklärer dem früheren Tour-Rekordsieger detailliertes Doping nachgewiesen hatten.

Ob der Bericht aus Frankreich dem Sport helfen werde, zweifelt Armstrong an: "Ich fände es gut, aber aus meiner Sicht hat es dem Sport nichts außer Schaden gebracht."

Quelle: n-tv.de, cwo/dpa

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