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Streit statt Entschuldigung Zoff um Horror-Sturz flammt erneut auf

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Nach diesem Unfall kämpft Jakobsen tagelang ums Überleben.

(Foto: imago images/East News)

Es sind schreckliche Bilder, die vom 5. August 2020 aus Kattowitz im Gedächtnis bleiben. Radprofi Fabio Jakobsen kracht im Schlussspurt in die Absperrgitter und erleidet furchtbare Verletzungen. Schuld ist Dylan Groenewegen, der ihn abgedrängt hat. Der Streit zwischen ihnen ist noch nicht beendet.

Bad Boy Dylan Groenewegen gibt sich vor seinem ersten Radrennen nach neunmonatiger Sperre ganz demütig. "Die Frage ist, wie die anderen Fahrer auf mich reagieren. Ich werde jede Emotion akzeptieren", sagt der Niederländer vor seinem Comeback beim Giro d'Italia am Samstag. Der Sprinter ist sich bewusst, dass er bei der zweitwichtigsten Rundfahrt der Welt im Blickpunkt stehen wird. "Ich denke, meine Anwesenheit wird in der nächsten Zeit genau unter die Lupe genommen."

Groenewegen hatte seinen Landsmann Fabio Jakobsen am 5. August vorigen Jahres auf der ersten Etappe der Polen-Rundfahrt in einem abschüssigen Zielsprint in Kattowitz bei mehr als 80 Kilometern pro Stunde in eine Absperrung gedrängt. Jakobsen lag zwischenzeitlich im künstlichen Koma, kämpfte tagelang um sein Leben und musste mehrmals operiert werden. Er hatte nach dem Sturz nur noch einen eigenen Zahn und musste im Gesicht mit 130 Stichen genäht werden.

Gronewegen wurde daraufhin für neun Monate gesperrt. Eine so harte Sanktion hatte es für ein derartiges Vergehen noch nicht gegeben. Die Sperre läuft einen Tag vor dem Giro-Auftakt ab. Doch das Nachspiel könnte noch länger andauern, denn Jakobsen zieht juristische Schritte gegen seinen Landsmann in Erwägung. "Dylan hat keine persönliche Entschuldigung angeboten und keinen Willen gezeigt, Verantwortung für seine Aktionen zu übernehmen. Ich würde gerne eine Verständigung mit Dylan erreichen, aber dazu braucht es zwei", schrieb der 24-Jährige bei Twitter: "Um die weitere Vorgehensweise werden sich nun meine Anwälte kümmern, ich gebe keine weiteren Kommentare ab."

"Ich bin enttäuscht"

Groenewegen hatte dagegen öffentlich über ein Treffen mit Jakobsen gesprochen und sich über die angenehme Atmosphäre erfreut gezeigt. "Wir haben uns in einem kleinen Raum in Amsterdam gegenüber gesessen und unsere Herzen erleichtern können. Es war ein sehr schönes Gespräch", sagte der 27-Jährige. Jakobsen zeigte sich über diese Sichtweise recht irritiert. "Ich war überrascht, seine Kommentare über das Treffen zu lesen. Es war arrangiert worden, um gemeinsam den Unfall in Polen zu verstehen", schrieb Jakobsen am Donnerstagabend bei Twitter: "Das Meeting sollte vertraulich zwischen uns und unseren Anwälten bleiben. Ich bin enttäuscht, dass Dylan öffentlich darüber redet."

Ist es womöglich seine Art der Rennvorbereitung? Denn Groenewegen erklärt vor dem Giro-Auftakt in einer Mitteilung auf der Homepage seines Jumbo-Visma-Rennstalls: "Das Training läuft gut. Ich erreiche jedes Mal ein hohes Niveau. Aber die Frage ist, wie ich in Italien mental zurechtkomme." Vor seiner Sperre gehörte er zu den besten Sprintern der Welt, vier Etappen gewann er bei der Tour de France, insgesamt kommt der 27-Jährige auf 53 Profisiege.

Gibt es beim Giro Sieg Nummer 54? "Es hat geholfen, dass Fabio auch zurück auf dem Rad ist und er es in der Türkei gut gemacht hat", betont Groenewegen. Im April hatte Jakobsen sein Comeback feiern können, derzeit bestreitet er die Algarve-Rundfahrt in Portugal. Konkurrenzfähig ist er noch nicht wieder.

Quelle: ntv.de, ara/sid

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