Der Sport-Tag

Der Sport-TagEx-DFB-Torwart überrascht mit Aussage zu schwulen Fußballprofis

31.03.2026, 15:15 Uhr
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2014 verkündet Jens Lehmann nach dem Coming-out seines ehemaligen Mitspielers Thomas Hitzlsperger noch sein Unwohlsein beim Gedanken, mit dem schwulen Kollegen die Kabine geteilt zu haben ("Komisch, glaube ich", hätte er reagiert, wenn er vorher von Hitzlspergers Homosexualität gewusst hätte, schließlich "duscht man jeden Tag zusammen.")

Nun, zwölf Jahre später, distanziert sich der ehemalige deutsche Nationaltorwart vorsichtig von seinem Satz. "Ja, im Jahr 2014 habe ich das so gesagt und das würde ich heute wahrscheinlich zwölf Jahre später, nicht mehr so machen, weil sich auch der Zeitgeist natürlich verändert hat", blickt Lehmann zurück. "Aber damals wurde man damit konfrontiert und man wusste nicht so genau, wie man darüber eigentlich denken sollte."

Inzwischen sehe er den Zeitpunkt für ein Coming-out eines aktiven schwulen Profifußballers für gekommen: "In unserer toleranten Gesellschaft sollte es ja gar keine Hemmnisse mehr geben. Die Vereine sind tolerant, die Spieler sowieso, die Fans, die teilweise auch in den Vorständen der Vereine sitzen, sind tolerant. Also insofern glaube ich, kann man das kundtun." Erst in der vergangenen Woche hatte sich mit Christian Dobrick ein aktiver Trainer eines Profivereins geoutet - und sagte gegenüber ntv/RTL: "so ein Satz (wie der von Lehmann - Anm. der Red.) hilft natürlich nicht."

Dobrick trainiert die U19 des FC St. Pauli und erklärt im Interview eindringlich, welche inneren Kämpfe er vor seinem Schritt ausfechten musste: "Was den Profibereich betrifft, vermute ich, dass es dort deutlich weniger Schwule gibt als im Bevölkerungsdurchschnitt. Weil der Druck in der Branche so groß ist, ein heteronormatives Leben zu führen. Es kommen weniger schwule Fußballer ganz oben an, weil sie ihre Energie verschwenden müssen für Probleme, die nichts mit dem Sport zu tun haben."

In Australien hatte mit Josh Cavallo im Oktober 2021 ein damals aktiver Profifußballer sein Coming-out, noch 2025 berichtete er von "täglichen Morddrohungen". Dobrick sagte dem "Stern": "Im Profifußball gelten Schwule noch immer als Außerirdische."

Jens Lehmann hatte noch vor nicht mal zwei Jahren mit einem kuriosen Monolog für Aufsehen gesorgt. Nachdem sich der deutsche Nationalspieler Robert Andrich während der EM die Haare pink gefärbt hatte, verkündete Lehmann bei "Welt-TV": "Heuzutage muss man ja vorsichtig sein, weil vielleicht fühlt er sich heute auch als Frau oder so", setzte er an: "Man muss ja sehr tolerant sein, aber ich glaube, im Rahmen einer Fußballmannschaft, besonders der deutschen Nationalmannschaft - der Elite -, ist das irgendwann ein bisschen zu viel."

Nun ermuntert Lehmann schwule Fußballprofis zum Coming-out: "Wenn jemand den Drang hat, dann kann er das in unserer toleranten Umwelt doch jetzt mal tun. Das wäre doch eine schöne Sache!"

Quelle: ntv.de