Der Sport-TagExperten: "Kokos" Rekordlauf war sauber - oder könnte es gewesen sein

Ging da wirklich alles mit rechten Dingen zu? Das dürften sich nicht wenige Leichtathletikfans und -beobachter gefragt haben, nachdem Konstanze Klosterhalfen am vergangenen Wochenende eine beinahe 20 Jahre alten deutschen Rekord förmlich pulverisiert hatte. Anti-Doping-Experte Wilhelm Schänzer sieht im 5000-Meter-Rekord von Läuferin Konstanze Klosterhalfen in Berlin nicht automatisch ein Indiz für den Einsatz unerlaubter Mittel. "Natürlich sind ungewöhnliche Leistungen auch ohne Doping möglich", sagte der frühere Leiter des Instituts für Biochemie an der Deutschen Sporthochschule Köln Sport1. In 14:26,76 Minuten hatte die 22 Jahre alte Leverkusenerin am vorigen Samstag den bisherigen deutschen Rekord um mehr als 15 Sekunden unterboten.
Zweifel hatten sich bereits breit gemacht, nachdem sich Klosterhalfen im November vorigen Jahres dem Oregon Project in den USA angeschlossen hatte, das vom umstrittenen Coach Alberto Salazar geleitet wird. Er sieht sich schon längere Zeit mit Doping-Vorwürfen konfrontiert.
Auch Bundestrainer Sebastian Weiß stellte sich vor seine Athletin. "Wie ich Konstanze kenne, kann ich die Hand für sie ins Feuer legen, aber ich stehe jetzt natürlich nicht mehr täglich neben ihr", sagte er. Die Zweifel am Oregon Project kann Weiß verstehen, da "es ein schwebendes Verfahren dazu gibt. Solange jedoch nichts bewiesen ist, muss davon ausgegangen werden, dass alles sauber ist."
Im Leipziger Institut für angewandte Trainingswissenschaft (IAT), wo Klosterhalfen mehrmals auf Herz und Nieren untersucht wurde, sieht man in dem Rekord eine logische Fortsetzung ihrer früheren Auftritte. "Wie in den Ergebnisdatenbanken der Leichtathletik ersichtlich wird, ist die Leistungsentwicklung von Konstanze Klosterhalfen ein Prozess, der sich bereits im Schüler- und Jugendalter angedeutet hat", hieß es auf "Sport1"-Nachfrage aus dem IAT.