E-Autobauer möchte Marke stärkenBYD prüft Formel-1-Einstieg

Die Formel ist die Königsklasse des Motorsports. Ein Schaufenster für Autobauer wie Ferrari und Mercedes. Auch in China erfreut sich die Rennserie großer Beliebtheit. Und immer wichtiger wird der Elektroantrieb. Den Fahrern gefällt das nicht, BYD schon: Der chinesische Autobauer hat Lust auf Motorsport.
Chinas größter Autobauer konkurriert womöglich bald mit Ferrari, Mercedes und Red Bull in der Formel 1. BYD prüfe derzeit Optionen für einen Einstieg in den Motorsport, berichtet das Wirtschafts- und Finanzportal Bloomberg unter Berufung auf informierte Kreise. Zu den Optionen gehören demnach Langstreckenrennen wie das 24-Stunden-Rennen von Le Mans, aber auch die Formel 1. Das Ziel sei es, die Attraktivität der Marke zu steigern.
Ausschlaggebend für den möglichen Einstieg ist demzufolge die Tatsache, dass die Rennserien verstärkt mit Hybrid- oder gar Elektroantrieben arbeiten. Auch aus den Formel-1-Boliden wird der früher übliche Verbrennungsmotor zunehmend verbannt. Seit dieser Saison beziehen die Rennwagen erstmals gut 50 Prozent ihrer Leistung aus einer Batterie. Nur noch die andere Hälfte stammt vom Verbrenner, der die Batterie während der Fahrt zudem immer wieder laden muss. Unter den Fahrern sind die Änderungen nicht beliebt: "Es hat mit der Formel 1 eigentlich nichts zu tun", hatte Vierfach-Weltmeister Max Verstappen vor dem Saisonstart am vergangenen Wochenende in Australien geklagt.
Für BYD jedoch wird die Formel 1 durch die Regeländerung zu einem Schaufenster, um die Leistungsfähigkeit der eigenen Antriebe und Batterien zu demonstrieren - in einer Welt, die bisher von europäischen und US-amerikanischen Teams dominiert wird. Bisher haben sich chinesische Autobauer nur sporadisch für den Motorsport interessiert. Geely nimmt über Cyan Racing, das frühere Volvo-Werksteam, erfolgreich an internationalen Tourenwagenrennen teil. Nio gewann 2015 den Fahrertitel der ersten Formel-E-Meisterschaft für rein elektrisch angetriebene Formel-Autos.
Geschwindigkeitsrekord gehört BYD
Laut Bloomberg kann sich BYD den Einstieg in eine Rennserie durch den Aufbau eines eigenen Teams oder die Übernahme eines bestehenden vorstellen. Größtes Hindernis für einen Einstieg in die Formel 1 sind demzufolge die hohen Kosten: Die Entwicklung eines eigenen Autos kann bis zu 500 Millionen Dollar pro Saison kosten. Der Teilnahme an der weltweit wichtigsten Rennserie gehen oft jahrelange Verhandlungen auch mit den anderen Teams voraus. Sie stehen Neueinsteigern kritisch gegenüber, da jedes weitere Team im Starterfeld das Preisgeld und möglicherweise auch die Bewertungen verwässert.
Dem Bericht zufolge hat BYD noch keine finale Entscheidung getroffen. Im Raum steht demnach auch die Möglichkeit, auf den Einstieg in den Motorsport zu verzichten.
BYD baut üblicherweise erschwingliche Elektro- und Hybridfahrzeuge und hat vergangenes Jahr Tesla als weltweit größter E-Autobauer abgelöst. Mit seiner Luxusmarke Yangwang hat der Autobauer allerdings bereits erste Erfahrungen im Motorsport gesammelt: 2025 brach BYD mit dem Yangwang U9 Xtreme auf einer Teststrecke im niedersächsischen Papenburg den Geschwindigkeitsrekord für ein E-Auto: Das Fahrzeug erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 472,41 Kilometer pro Stunde.
Die Formel 1 ist beliebt
Der Einstieg in die Formel 1 würde mutmaßlich speziell der Bekanntheit von BYD in den USA einen erheblichen Schub verleihen. Die Vereinigten Staaten richten mit den Großen Preisen von Austin, Las Vegas und Miami gleich drei Rennen pro Saison aus. Derzeit verkauft BYD allerdings wegen hoher Zölle und Marktbeschränkungen keine E-Autos in den USA.
Auch in China erfreut sich die Formel 1 großer Beliebtheit. 2022 wurde Zhou Guanyu der erste chinesische Formel-1-Fahrer. An diesem Wochenende gastiert die Rennserie in Shanghai (Rennen: 8 Uhr MEZ/Sky und im Liveticker auf ntv.de). Das erste Rennen der neuen Saison im australischen Melbourne gewann vergangenes Wochenende Mercedes-Pilot George Russel.