Formel1

Umstrittener Prozessausgang Ecclestone zahlt - und hat seine Ruhe

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Bernie Ecclestone geht straffrei aus dem Verfahren hervor.

(Foto: AP)

100 Millionen Dollar - für Bernie Ecclestone ein Griff in die Portokasse. Im Gegenzug ist er unbescholten und geht weiter seinem milliardenschweren Formel-1-Geschäft nach. Manch einem steigt da die Galle hoch - doch ist der Ärger berechtigt?

Nun ist es also ausgemachte Sache: Formel-1-Boss Bernie Ecclestone bekommt das Bestechungsverfahren am Landgericht München 1 vom Hals. Er ist ein in dieser Sache unbescholtener Mann und bleibt Chef der bekanntesten Rennserie der Welt. Im Gegenzug ist er um 100 Millionen Dollar ärmer. Für den Staatsanwalt ist das okay, Richter Peter Noll fragt noch: "Wären die Mittel in angemessener Zeit flüssig zu machen?" Und Ecclestone antwortet lapidar: "Yes". Damit ist die Sache vom Tisch. So einfach geht es in der Justiz manchmal - zumindest wenn die Finanzen stimmen. Aber ist das auch in Ordnung?

Für einen steinreichen Mann, der zu Lebzeiten sein ganzes Geld ohnehin nicht mehr wird ausgeben können, ist das eine ganz anständige Lösung. Was soll sich der 83-Jährige auf seine alten Tage noch mit langwierigen Gerichtsverhandlungen herumschlagen, wenn es auch mit einem solch einfachen Deal abzukürzen ist. Ein Deal? Davon will der Sportfunktionär allerdings nichts wissen. Sein Verteidiger verwehrte sich gegen den Eindruck, hier wolle sich ein gut Betuchter freikaufen, gar das Recht beugen. Aber ist das nicht so? Ein Urteil ist schließlich nicht gefallen, Ecclestone gilt als unschuldig und bleibt ohne Vorstrafe.

Die Entscheidung des Gerichts, den Fall auf sich beruhen zu lassen, bedeutet nicht, dass Ecclestone Bayern-LB-Vorstand Gerhard Gribkowsky nicht mit 44 Millionen Dollar bestochen hat. Es heißt lediglich, dass sich das Gericht nicht mehr die Mühe machen will, den Fall aufzuklären - zumal unklar ist, ob das überhaupt noch möglich ist. Umgekehrt heißt seine Bereitschaft zur Zahlung von 100 Millionen Dollar nicht, dass Ecclestone sich schuldig bekennt und zugibt, die Landesbank beim Verkauf der Formel-1-Anteile unlauter beeinflusst zu haben. Auch wenn sich das manche anders gewünscht hätten: Was sich zwischen dem Staatsdiener und dem Formel-1-Boss abgespielt hat, wird nie zweifelsfrei geklärt werden.

100 Millionen - und die Sache ist okay?

Doch auch wenn einem Bernie Ecclestone nicht sympathisch sein muss, bedient sich die Einigung von Staatsanwaltschaft und Verteidigung einer Regelung der Strafprozessordnung. Nach Paragraf 153a können Prozesse eingestellt werden, wenn die Vorwürfe nicht schwer wiegen oder absehbar nicht klar zu belegen sind. Letzteres greift im Fall Ecclestone: In seiner Aussage verstrickte sich Gribkowsky derart in Widersprüche, dass sich Ecclestone weiter darauf zurückziehen kann, von einer Erpressung zu reden. Der Vorwurf der Bestechung ist damit nicht mehr eindeutig zu beweisen. Auch ist nicht zweifelsfrei zu klären, ob Ecclestone wusste, dass er sich mit Gribkowsky mit einem Staatsdiener einließ und damit - wie es die Anklage angab - einen Amtsträger bestach. Das hätte ein höheres Strafmaß zur Folge gehabt. Hinzu kommen mehrere Zeugen, die Ecclestone entlasten.

Und so ist es alles andere als skandalös, worauf sich das Münchener Gericht nun eingelassen hat. Das Verfahren wird eingestellt. In über 125.000 anderen Fällen ist das alleine 2013 so gehandhabt worden - auch wenn es bei den meisten Angelegenheiten um Nichtigeres ging. Ecclestone bereichert dafür die Staatskasse, anstatt sie durch einen langwierigen Prozess zu belasten. Was ist dagegen einzuwenden, wenn Recht zu sprechen in einem Fall nun einmal nicht möglich ist? Die hohe Summe von 100 Millionen, die der Brite zahlen muss, ist im Übrigen kein Indiz dafür, dass er etwas zu verbergen hat. Sie bemisst sich am Vermögen des Angeklagten - und das geht bei Bernie Ecclestone in die Abermillionen.

Dennoch: 100 Millionen Dollar sind viel Geld. Ist es nicht denkbar, dass dem Münchener Gericht die Dollarzeichen in den Augen aufleuchteten und man angesichts der gigantischen Offerte nicht mehr so genau hinsah? Es ist unwahrscheinlich, dass sich Richter Peter Noll die Entscheidung leichtgemacht hat. Die Anklage Eccelstones basierte schließlich auf den Erkenntnissen, die bei der Verurteilung Gribkowskys abfielen. Und diesen Prozess führte ebenfalls Noll. Dass die Beweise im Fall Ecclestone nun nicht ausreichen, dürfte den Juristen schmerzen - das machen wohl auch 100 Millionen Dollar für die Staatskasse nicht wett.

Quelle: n-tv.de

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