Fußball-EM

Wilde Hollywood-Aruba-Story Huch, wer ist denn dieser Dumfries?

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Schon wieder Spieler des Spiels: Denzel Dumfries schießt Österreich ab.

(Foto: imago images/ANP)

Denzel Dumfries ist die Überraschung dieser EM. Der Niederländer schießt zwei entscheidende Tore und ist an allen fünf Oranje-Treffern beteiligt. Dafür, dass er seinen "Kindheitstraum" leben kann, musste der 25-Jährige lange kämpfen - und in Hollywood lernen.

Denzel Dumfries erkennt in der 66. Minute die Situation sofort. Schneller als alle Abwehrmänner Österreichs. Genau an der Mittellinie setzt der niederländische Rechtsverteidiger zum 50-Meter-Sprint an, als Donyell Malen nach einer cleveren Kopfballverlängerung allein aufs österreichische Tor stürmt. Dumfries zündet derweil seinen Turbo und lässt mal eben drei ÖFB-Männer hinter sich. Wieder erkennt der 25-Jährige die Situation schnell, zeigt mit seinem linken Arm genau an, wo Malen den Ball hinspielen soll. Der Stürmer legt rüber, der heranrauschende Dumfries schiebt ein.

2:0 für Holland. Das Spiel ist entschieden. Nach einem Ballverlust seines Teams gegen Österreich in der achten Spielminute hatte Dumfries bereits gedankenschnell nachgesetzt und ÖFB-Kapitän David Alaba den Ball an der Strafraumecke abgeluchst. Der Ex-Bayernstar trat Dumfries auf den Fuß, der daraufhin verwandelte Elfmeter war der Türöffner für Oranje im Spiel.

Die holländische Nationalelf ist nun bereits nach zwei Spielen Gruppensieger und steht im Achtelfinale. Der Garant dafür: Denzel Dumfries. An allen fünf niederländischen Toren im Turnier ist er beteiligt. Und das als rechter Verteidiger. Erst als zweiter Oranje-Spieler - nach Topstürmer Ruud van Nistelrooy - traf er in seinen beiden ersten EM-Spielen.

"Wie ein Kindheitstraum"

"Das sind wichtige drei Punkte, ein fantastischer Start", sagte Dumfries nach der Partie gegen Österreich. "Wir sind gut in diese EM gestartet - und jetzt auf der Suche nach mehr." Zum zweiten Mal erhielt er die Trophäe für den Spieler des Spiels. "Das sieht langsam aus wie ein Kindheitstraum", freute sich der Rechtsverteidiger. "2 Siege, 6 Punkte, 1 Dumfries = Qualifikation" fasste Abwehrkollege Patrick van Aanholt die erste Woche für Oranje auf Twitter zusammen.

Gegen die Ukraine hatte Dumfries zunächst noch sehr aussichtsreiche Torchancen liegen lassen. In der zweiten Hälfte hatte er aber die Nervosität in seinem ersten großen Turnier abschütteln können: Erst führte seine scharfe Hereingabe zum 1:0, dann konnten die Ukrainer sein Dribbling im Sechzehnmeterraum nur vor die Füße von Wolfsburg-Stürmer Wout Weghorst klären, der zum 2:0 traf. Kurz vor Schluss köpfte Dumfries selbst zum entscheidenden 3:2 ein. Der Beginn seiner Traumerfüllung. "Energieke" - Energie - titelte tags darauf das holländische Fußballmagazin "Voetbal International".

In 19 Länderspielen zuvor hatte der Rechtsverteidiger kein einziges Mal treffen können. Lediglich drei Torvorlagen standen zu Buche. Jetzt explodiert Dumfries förmlich bei der EM, bringt genau die "Energieke", die bei Oranje den Unterschied macht. Ein Unbekannter ist der Kapitän von PSV Eindhoven Experten des holländischen Fußballs oder Fans von Mario Götze (wechselte vergangenen Sommer nach Eindhoven) natürlich nicht. In der Eredivisie erzielte er in 30 Spielen zwei Treffer, in der Saison 2019/20 waren es sieben.

Abenteuer auf Aruba

Dass Dumfries für Oranje zum EM-Star werden und seinen Kindheitstraum leben kann, war lange nicht klar. Mit 17 Jahren spielte er noch für die Auswahl von Aruba. Eine kleine niederländische Karibikinsel vor der Küste Venezuelas. Fast 8000 Kilometer und zehn Flugstunden von Amsterdam entfernt. Dumfries Vater ist Arubaner, seine Mutter kommt aus Suriname. Der Fußballer selbst ist geboren und aufgewachsen in Rotterdam. Bei seinen beiden Spielen für Aruba im Jahr 2014 war Dumfries noch gar kein Profi, es war auch das Jahr des letzten Oranje-Spiels bei einem großen Turnier vor dieser EM.

Schon damals hatte der Youngster einen Kindheitstraum: Er wusste, dass er irgendwann für Holland auflaufen will und akzeptierte die Einladung zu den Länderspielen nur, weil es keine offiziellen waren. Dumfries traf direkt in seinem ersten Spiel. Auf seinen zweiten internationalen Treffer musste er sieben lange Jahre warten und kämpfen - bis zum EM-Auftakt gegen die Ukraine.

Aber kämpfen konnte Dumfries schon immer. Während heutzutage junge Talente schon früh den Weg zu Profivereinen finden, manchmal mit weniger als 18 Jahren für die ersten Mannschaften debütieren, dauerte es bei dem Niederländer. Dumfries spielte beim Amateurverein BVV Barendrecht, bis er volljährig war. Erst dann stieß er die Tür auf und bahnte sich beinahe kometenhaft innerhalb von vier Jahren seinen Weg über Sparta Rotterdam und SC Heerenveen zur PSV und in die Nationalelf.

Wie aus einem Hollywood-Skript

1,88 Meter groß. Gedankenschnell. Physisch. Stark im Dribbling. Agil. Torgefährlich. Der Holländer bringt alles mit, was ein moderner Außenverteidiger, eine der wichtigsten Positionen mittlerweile, draufhaben muss. Jederzeit scheint er in der Offensive seinen Turbo zünden und am langen Pfosten auftauchen zu können - was Dumfries (Vertrag bei der PSV läuft noch bis 2023) gerüchteweise nun in die Notizbücher von Bayern München und Inter Mailand getragen hat. Und seinen Kindheitstraum immer weiter wachsen lassen könnte.

Das Aruba-Abenteuer beendete Dumfries 2016, als er erstmals für die niederländische U20 auflief. Abenteuerlich ging das Leben von Dumfries aber schon zur Geburt los. Denn seinen Vornamen verdankt er Hollywoods Action-Star Denzel Washington. Das passt. Dumfries' Aufstieg mit Hürden und Happy End wirkt wie direkt aus einem Hollywood-Skript. Oder eben wie der große Traum eines kleinen Jungen.

Die EM 2016 und die WM 2018 hatte Oranje noch verpasst. Denzel Dumfries lebt nun nicht nur seinen persönlichen Hollywood-Kindheitstraum. Er lässt auch eine gesamte Nation von mehr fantasieren. Vielleicht vom ersten Titel seit 1988.

Quelle: ntv.de

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