Fußball

Mafia-Frage schreckt Fußballstar Als Mario Basler um sein Leben fürchtete

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In Sorge?

Vor zwanzig Jahren gab der ehemalige Nationalspieler Mario Basler ein Interview, das für Furore sorgte. So offenherzig und schonungslos hatte zuvor noch kein Fußballstar Einblicke in sein Leben gewährt. Einiges davon schockierte die Öffentlichkeit regelrecht!

Mario Basler hört sich gerne reden. Keine Frage. Und er hat in seinem Leben schon eine Menge Dinge gesagt, die für Schlagzeilen sorgten. Doch das Interview, das der damalige Spieler des 1. FC Kaiserslautern vor genau zwanzig Jahren den Reportern des Magazins "SportBild" gab, ist selbst für den "Dampfplauderer" Basler höchst ungewöhnlich. Es ist ohne Frage eines der offenherzigsten und schonungslosesten Gespräche, die je ein Bundesliga-Profi in Deutschland mit der Presse geführt hat - komplett ohne Visier und doppelten Boden. Heute wäre so ein Interview undenkbar.

Auf einem großen Foto zum dreiseitigen Artikel liegt Mario Basler barfuß und lächelnd in seinem Haus in Wattenheim auf einem Dalmatiner-Sofa. Auf einem anderen, kleineren Bild sitzt der ehemalige Nationalspieler lamentierend und gestikulierend mit drei Reportern des Magazins an einem Tisch zusammen. Neben dem Foto steht ein Zitat von Basler: "Ich sage, was ich denke". Und genau das tut er im Folgenden auf eindrucksvolle Art und Weise auch. Mit verbalen Seitenhieben gegen seine Kameraden und Fans, tiefen Einblicken in die FCK-Kabine - und irritierenden und verstörenden Statements rund um sein Privatleben.

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Damals spielte Mario Basler nun schon seit knapp einem Jahr für die Lauterer. Der Betzenberg nahe seines Geburtsorts Neustadt an der Weinstraße war sein Zufluchtsort geworden, als sich im November 1999 überraschend die Wege zwischen ihm und den Bayern trennten. Zuvor war Basler in Regensburg in eine Wirtshausrauferei verwickelt gewesen. Die Story ging als "Pizzeria-Affäre" in die Geschichte ein, weil Basler später erzählte, im Zuge dieser Rangelei habe ihn ein Polizist um Karten für ein Spiel gebeten. Die Sache landete vor Gericht.

"Ich war 127-mal auf der Toilette... "

In Regensburg ist der Bayern-Profi damals gewesen, weil er im nur wenige Kilometer entfernten Regenstauf eine Verletzung ausheilte. Dieses Verletzungspech folgte ihm später auch zu seinem neuen Verein, dem 1. FC Kaiserslautern. Als er dann dort doch einmal wieder spielte, buhte ihn das Publikum aus. Doch was die Fans nicht wussten und Basler nun den Reportern des Magazins freimütig und eindrucksvoll erzählte, war, dass er neben seiner erst frisch auskurierten Blessur auch noch krank gewesen sei: "Ich saß eine Woche zu Hause, habe nur Suppe gesessen und fünf Kilo abgenommen. Ich war 127-mal auf der Toilette, ich hatte nicht mal die Luft für 60 Minuten."

Dass sein Verhältnis zu den eigenen Mitspielern damals nicht ganz unproblematisch war, wusste die Fußball-Öffentlichkeit. Doch wie dramatisch schlecht es tatsächlich war, beschrieb Basler nun erstmals schonungslos in diesem denkwürdigen Interview: "50 Prozent sind pro Mario, 50 Prozent hassen mich. Das ist bei den Zuschauern genauso. Die Hälfte der Fans würde mich am liebsten auf den Mond schießen, ohne Rückfahrkarte."

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Auch die gegnerischen Anhänger wusste Basler damals überraschend gut und genau einzuschätzen: "Wenn ich den Stinkefinger zu den Fans mache, weiß ich, dass ich im nächsten Spiel ausgepfiffen werde. In Dortmund warte ich immer bis alle Spieler auf dem Platz sind und gehe dann auf den Mittelkreis. Dann werde ich ausgepfiffen, dass es nur so kracht. Das macht mich richtig geil aufs Spiel."

"Kann Ihnen alle Kontoauszüge zeigen"

Und dann redete Mario Basler mit den Reportern über sein Privatleben. Verstörend, wie offenherzig er seine Gedanken und Gefühle beschrieb: "Wissen Sie was? Ich habe Angst davor, mit Geld in der Tasche irgendwo hinzugehen. Heutzutage werden Taxifahrer für 200 Mark umgebracht. Ich bin eine Person der Öffentlichkeit - ich muss damit rechnen, dass mich einer wegen Geld umbringt."

Die nächste Überraschung des Interview war dann allerdings die anschließende Frage der Reporter: "Ist eigentlich die Mafia hinter Ihnen her?" Wie die Journalisten quasi aus dem Nichts auf diesen abwegigen Gedanken kamen? Vermutlich hatte Basler selbst zuvor die Fährte gelegt - in einem Teil des Gesprächs, das nicht veröffentlicht wurde. Denn die Antwort des FCK-Spielers ließ tief blicken - und irritierte zugleich aufgrund des sonderbaren Inhalts: "Habe ich auch gehört. Aber ich glaube, dass da sich mal wieder einer auf meine Kosten profilieren will. Ich kann Ihnen alle Kontoauszüge zeigen. Da sieht man, dass ich kein Geld verloren habe - an keine Mafia oder irgendjemanden."

Ben Redelings

Ben Redelings ist ein leidenschaftlicher "Chronist des Fußballwahnsinns" (Manni Breuckmann) und Anhänger des ruhmreichen VfL Bochum. Der Autor, Filmemacher und Komödiant lebt im Ruhrgebiet und pflegt sein Schatzkästchen mit Anekdoten. Für ntv.de schreibt er dienstags und samstags die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Weitere Informationen zu Ben Redelings, seinen aktuellen Terminen und Projekten gibt es auf seiner Seite www.scudetto.de.

Kontoauszüge? Geld verloren? Mafia? Alles äußerst delikate Angelegenheiten. Die Reporter entschieden sich deshalb lieber, schnell das Thema zu wechseln. Nun ging es um "Frauengeschichten"-Gerüchte. Doch da wusste sich Basler geschickt und ungewohnt inhaltsleer und sanft aus der Affäre zu ziehen. Anders als schließlich beim Schlusswort, das er Boris Becker widmete.

Der ehemalige Tennisstar musste sich damals mit Presseberichten über einen angeblichen, außerehelichen Quickie, den er in London gehabt haben sollte, beschäftigen. Die Story ging als "Besenkammer-Affäre" in die Geschichte ein. Basler ließ kein gutes Haar am mehrfachen Wimbledon-Sieger: "Mal ehrlich - wenn diese Russin damals genauso hässlich war wie heute auf den Fotos, dann hat es Boris nicht besser verdient. Ich weiß zwar nicht, was er alles getrunken hat - vielleicht hat er sie mit Babs verwechselt."

Im Nachhinein darf man dieses denkwürdige Interview als Startschuss für die heutige Showkarriere Baslers in den privaten Medien und auf den Bühnen dieser Republik betrachten. Seine verbalen Scharfschüsse hat er sich seitdem beibehalten. Die tiefen Einblicke in sein Privatleben jedoch gewährt Basler schon seit längerem niemandem mehr.

Quelle: ntv.de