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So läuft der 24. Bundesliga-Spieltag Bayern im Luxus, Schalker im Zickenkrieg

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Allein in Moskau: Wladimir Putin bekommt nun doch keinen Besuch der Schalker Fußballer.

(Foto: picture alliance / dpa)

Während der FC Bayern seine Dominanz in der Fußball-Bundesliga verteidigt, flüchten die Wolfsburger in Pseudo-Optimismus. Die Schalker kassieren Gazprom-Millionen, lassen aber Wladimir Putin allein zu Hause.

Wie hoch gewinnen die Bayern?

Klaus Allofs hat es versucht, immerhin. "Es gibt keinen Grund, mit schlotternden Knien in dieses Spiel zu gehen", sagte Wolfsburgs Manager kämpferisch. Dabei empfängt sein Team an diesem 24. Spieltag der Fußball-Bundesliga einen Gast, der ungefähr so gern gesehen ist wie Tim Wiese auf der Weihnachtsfeier der TSG Hoffenheim. Der FC Bayern reist an, und mit ihm das Selbstbewusstsein aus zehn Siegen in Folge seit der 2:3-Heimniederlage in der Champions League gegen Manchester City. Ja, die Münchner haben in dieser Saison tatsächlich schon verloren. Nur eben nicht in der Bundesliga. Gegen Wolfsburg stehen sogar die zuletzt angeschlagenen Franck Ribéry, Arjen Robben, Thomas Müller und Xerdan Shaqiri zur Verfügung. Wenn sich da mal nicht ein hochkarätiger Selfie von der Bayern-Bank ankündigt. Ex-Münchner Luiz Gustavo könnte sich dazugesellen, er fehlt Wolfsburg gelbgesperrt. Personal- gegen Luxussorgen also, da hält nicht einmal Allofs seinen Pseudo-Optimismus aufrecht: "Wenn die Bayern alles richtig machen, kann man auch hoch verlieren, sogar im eigenen Stadion."

Wie spanisch sind die Verhältnisse?

Da die deutschen Verhältnisse zumindest an der Spitze der Tabelle unsagbar langweilen, blicken wir an dieser Stelle gerne auf andere Ligen. Heute geht es nach England. Dort stehen die Queens Park Rangers in der Football League Championship, also der Zweiten Liga, auf Rang vier. Nicht weiter bemerkenswert, wenn da nicht diese eine Zahl wäre: 82 Millionen Euro haben die Londoner im vergangenen Jahr nur für Spielergehälter ausgegeben. Trotzdem sind sie aus der Premier League abgestiegen. Fußball-Experte Raphael Honigstein twitterte diese unglaubliche Zahl und setzte hinzu: Damit hat QPR mehr Geld ausgegeben als Borussia Dortmund. Die bekanntlich nicht abgestiegen, sondern ins Champions-League-Finale eingezogen sind. Ex-Profi Thomas Hitzlsperger fiel zu QPR noch eine Anekdote ein: Die Londoner wollten ihn verpflichten, Hitzlspergers Agent forderte fünf Millionen Pfund Gehalt. Gegenfrage der Rangers: "Und wieviel will dein Spieler?"

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"Der Arzt sagt, ich sollte Sonntag nicht spielen": Robert Lewandowski.

(Foto: imago/Horstmüller)

So gesehen machen die Dortmunder also ziemlich viel au s ihren Möglichkeiten. Mehr als Platz zwei ist in der Liga ja eh nicht drin. Der muss nur noch gesichert werden, da kommen die Freiburger ganz recht. Die letzten sieben Duelle gewann der BVB mit insgesamt 25:3 Toren. Robert Lewandowski steuerte zehn Treffer bei, aber der Pole verzichtete unter der Woche wegen Knieproblemen auf das Länderspiel gegen Schottland. "Der Arzt sagt, ich sollte Sonntag nicht spielen", meinte er nach seiner Ankunft. Vielleicht muss Trainer Jürgen Klopp also im Angriff umstellen. Innenverteidiger Sokratis hat sich dagegen gesund gemeldet. Die Freiburger durften unter der Woche endlich mal wieder jubeln - über den sechsten Nationalspieler in der Vereinsgeschichte. Matthias Ginter durfte gegen Chile in der 89. Minute aufs Feld und hofft nun auf die WM in Brasilien. "Aber im Endeffekt bringen auch die größten Träume nix. Ich muss beim SC meine Leistung bringen", sagte der 20-Jährige. Trainer Christian Streich wird es gefreut haben.

Was passiert sonst noch?

Der FC Schalke 04 bietet momentan so viel Gesprächsstoff, wir wissen gar nicht, wo wir anfangen sollen. Vielleicht beim unterhaltsamen Kleinkrieg zwischen Jens Lehmann und Horst Heldt? In Kurzform: Der ehemalige Schalker Torwart Lehmann sagte, er habe sich für die Leistungen der Schalker gegen Madrid und Bayern "geschämt". Sportdirektor Heldt konterte genüsslich: "Das letzte Mal geschämt habe ich mich, als Jens Lehmann als Spieler des VfB Stuttgart einem Mainzer Fan die Brille vom Kopf gezogen hat." Fortsetzung folgt hoffentlich. Aufsichtsratschef und Fleischfabrikant Clemens Tönnies sonnte sich unterdessen auf der Bühne der großen Weltpolitik. Er sei "im Gespräch" mit Russlands Präsident Wladimir Putin, der zurzeit in Deutschland ungefähr so beliebt ist wie Tim Wiese bei … Sie wissen schon. Jedenfalls wünsche sich Putin einen Besuch der Schalker Mannschaft in Moskau, posaunte es aus Tönnies heraus. Das klingt logisch, schließlich zahlt der russische Energieriese Gazprom auch einen Teil der Gehälter von Kevin-Prince Boateng und Kollegen, vermutlich keinen kleinen. Die Schalker Fans finden die Nähe zu Putin aber wenig witzig. Eine Initiative bat den Schalker Ehrenrat, den Besuch zu verhindern, "um Schaden für das Image des Vereins abzuwenden." Und schon beeilte sich Horst Heldt zu versichern, dass keine Reise nach Russland geplant sei.

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Schlechte Erinnerungen: Schalkes Trainer Jens Keller.

(Foto: AP)

Ach so, ein Bundesligaspiel bestreiten die Schalker a uch noch. Also folgen wir mal der Aufforderung von Matthias Sammer, den das Gerede um die schädliche Dominanz der Bayern nervt: "Wir sollten eher eine Diskussion führen, warum andere Vereine vielleicht nicht so gut sind im Moment." Vielleicht, weil Manuel Neuer eben in München im Tor steht und nicht mehr auf Schalke. Vielleicht, weil sich die Bayern sich Josep Guardiola leisten können. Aber bleiben wir beim Wochenende: Vielleicht, weil Schalke bei den beiden Klatschen gegen Madrid und München all das hat vermissen lassen, was Kapitän Benedikt Höwedes für das Heimspiel gegen Hoffenheim fordert: "Wir müssen Kampf und Aggressivität zeigen!" Die Schalker haben schlechte Erinnerungen an die TSG. Anfang Dezember unterlag S04 Hoffenheim in der Arena von Gelsenkirchen im DFB-Pokal mit 1:3, Trainer Jens Keller stand mal wieder kurz vor dem Aus. Nun geht es darum, mit einem Sieg Druck auf Leverkusen zu machen. Und eine neue Trainerdiskussion zu vermeiden.

Welche Mannschaft überrascht?

Bayer Leverkusen. Zumindest wäre es eine echte Überraschung, wenn der inzwischen Tabellendritte seine Partie am Samstag bei Hannover 96 gewinnen würde. Trainer Sami Hyypiä umschreibt es so: "Wir haben eine schwierige Situation. Das ist eine Herausforderung für uns alle, da rauszukommen." Nun ja: Zum bisher letzten Mal gewannen die Leverkusener vor genau einem Monat ein Spiel in der Bundesliga, am 7. Februar mit 1:0 bei Borussia Mönchengladbach. Es folgten ein 1:2 gegen den FC Schalke 04, ein 1:3 beim VfL Wolfsburg und ein 0:1 gegen den FSV Mainz. Zudem schied die Mannschaft im Viertelfinale des DFB-Pokals gegen den Zweitligisten 1. FC Kaiserlautern aus und kassierte im Achtelfinale der Champions League ein 0:4 gegen Paris St. Germain. Macht fünf Niederlagen in Folge. Und bei Lichte betrachtet ist Begegnung erst einmal die einzig echte Chance, mal wieder zu gewinnen. Denn am kommenden Mittwoch steht das Rückspiel in Paris, am Samstag drauf, am 15. März, spielt Leverkusen beim FC Bayern. Klingt tatsächlich nach Herausforderung. Oder wie Hyypiä sagt: "Das ist eine gute Challenge für uns, um zu zeigen, wir sind stark." Zumindest darf er sich seines Jobs sicher sein. "Er kann sich sicher sein, das Vertrauen der Verantwortlichen zu haben", sagte Leverkusens Geschäftsführer Michael Schade. Gegen eine Überraschung in Hannover hätte aber auch er mutmaßlich nichts einzuwenden.

Für welchen Trainer wird es eng?

Der VfB Stuttgart spielt auf Zeit. Nach acht Niederlagen in Folge haben sie sich in dieser Woche ernsthaft darüber nachgedacht, Trainer Thomas Schneider zu entlassen. Dass der nun am Samstag gegen den nur drei Punkte schlechteren Tabellenletzten aus Braunschweig noch auf der Bank sitzt, hängt auch damit zusammen, dass sie keinen besseren gefunden haben. Scheider ist, wie die "Stuttgarter Zeitung" schrieb, "der kleinste gemeinsame Nenner", auf den sich die Verantwortlichen um Manager Fredi Bobic und Präsident Bernd Wahler einigen konnten. Krassimir Balakov, den Bobic favorisiert hatte, sei dann doch nicht vermittelbar gewesen. So gibt es einen brüchigen Konsens, der bei einer Niederlage oder schon einem Unentschieden am Samstag gegen 17.20 Uhr hinfällig sein dürfte. Und dann? Braucht der VfB einen Plan B. Eine Rolle soll dabei der Niederländer Huub Stevens spielen, der seit Sonntag seinen Job beim griechischen Tabellenzweiten Paok Saloniki los ist. Und was sagt Thomas Schneider? "Ich bin froh, dass ich diese Chance bekomme."

Wo wird es brisant?

In einer Liga, in der der Meister feststeht, ballt sich die Spannung im Abstiegskampf. Und der findet nicht nur in Stuttgart statt, sondern auch in Hamburg und Nürnberg. Der ruhmreiche HSV und sein neuer Trainer Mirko Slomka haben die Eintracht aus Frankfurt mit dem bald alten Trainer Armin Veh zu Besuch, die Clubberer empfangen den SV Werder Bremen, der am vergangenen Wochenende gegen den HSV gewonnen hatte und sich nun mit einem Sieg in Nürnberg ein wenig vom Kreise der arg gefährdeten Teams verabschieden könnte. Überraschenderweise hat das auch Coach Robin Dutt erkannt: "Wir könnten unser Polster noch etwas komfortabler machen." Zugleich warnte er vor den Nürnbergern: "Sie sind in der unteren Hälfte die formstärkste Mannschaft." Die Hamburger wiederum müssen gegen Frankfurt ohne Nationalspieler Marcell Jansen und Fast- Nationalspieler Pierre-Michel Lasogga auskommen. Jansen sind beim schmeichelhaften Sieg der deutschen Mannschaft gegen Chile "mindestens eineinhalb Bänder" am linken Fuß gerissen, er fällt sechs Woche aus. Angreifer Lasogga erwischt es bereits im Abschlusstraining, bei lautet die Diagnose Muskelverhärtung. Trainer Slomka aber will nicht klagen: "Wir wollen uns nicht hinter den Verletzungen verstecken, wir bleiben optimistisch. Ich erwarte, dass wir Frankfurt schlagen."

Was sagt das Orakel?

"Ich denke, die Bayern können auch die nächsten zwei, drei, vier Jahre deutscher Meister werden." Dagegen hilft nur eins, Klaus Allofs: Grafite nach Wolfsburg zurückholen. Oder Grafitsch. Oder Graffitte.

Quelle: n-tv.de

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