Ost-Riese vor Zweitliga-RückkehrBei Energie Cottbus brechen alle Dämme - und fließen Tränen

Energie Cottbus fehlt noch ein Sieg, dann ist die lange ersehnte Rückkehr in die 2. Fußball-Bundesliga perfekt. Am vorletzten Spieltag macht Matchwinner Tolga Cigerci seinen Bruder fix und fertig.
Als Tolga Cigerci das erlösende Tor für Energie Cottbus erzielte, war auch Bruder Tolcay auf der Tribüne fix und fertig. "Mir sind die Tränen gekommen, ich kann nicht beschreiben, was da eben passiert ist. So nervös war ich noch nie", sagte der am Samstag gesperrte Angreifer, der in dieser Saison mit 30 Scorerpunkten überragende Cottbuser, nach dem 2:1 (1:1) gegen den SV Wehen Wiesbaden überglücklich. Weil der drei Jahre ältere Tolga in die Bresche sprang, ist die Rückkehr in die 2. Bundesliga nach zwölf Jahren zum Greifen nah.
"Ich muss das erstmal verarbeiten. Es war vogelwild", sagte Joker Tolga Cigerci nach seinem Siegtor in der 89. Minute bei MagentaSport. Zwei Wochen zuvor hatte noch Tolcay mit einem Dreierpack beim 5:3 gegen Rot-Weiss Essen geglänzt. Der Lohn: Cottbus geht als Tabellenzweiter in den letzten Spieltag, mit einem Sieg am Samstag bei Jahn Regensburg wäre der Aufstieg perfekt. Es wäre die Heilung aller Wunden der Vergangenheit des ehemaligen Erstligisten, der einen dramatischen Absturz hinter sich hat. Im Jahr 2014 stieg Energie Cottbus in die 3. Liga ab, 2016 sogar in die Regionalliga. Es war ein langer Weg zurück. Die Ziellinie ist in Sicht.
Eine Hymne auf "Pelé" Wollitz
Schon jetzt ist die Stadt im Fußball-Rausch. Das Stadion bebte vor Euphorie. "Unfassbar, wie wir hier getragen werden. Man denkt ja, das kann nicht mehr getoppt werden. Schon gegen Essen war es unfassbar, aber heute war es mindestens genauso. Das ist ein großer Beitrag für unsere Leistung", sagte Moritz Hannemann bei Magenta. Ein Schlüssel zum Erfolg ist auch Trainer "Pelé" Wollitz. Ihm widmete Matchwinner Cigerci den Siegtreffer: "Ich habe sehr viele Trainer in meiner Laufbahn gehabt, aber dieser Typ berührt mich richtig. Er ist menschlich top, und diese Emotionen, die er uns im Training vor dem Spiel gibt, das kriegen nicht viele hin. Ich bin dankbar, dass ich unter so einem Trainer in meiner Karriere noch spielen darf. Das Spiel haben wir auch für ihn gewonnen."
Der Siegtorschütze hat tatsächlich eine durchaus bewegte Karriere hinter sich. Er hat bei Hertha BSC gespielt, bei Galatasaray, Fenerbahce, Borussia Mönchengladbach und vielen anderen Vereinen. "Am Samstag gewinnen wir, und dann schenken wir der Stadt, dem Verein und uns den Aufstieg", sagte Tolga Cigerci im Rausch der wilden Emotionen. Die Chancen stehen gut: Mit 69 Punkten liegt Cottbus vor Aufsteiger MSV Duisburg und Essen (jeweils 67) und hat zudem die beste Tordifferenz des Trios. Auch ein Remis könnte also reichen.
RWE gewann am Samstag nach zuvor drei Niederlagen in Folge 1:0 (0:0) gegen den SC Verl, Gianluca Swajkowski traf in der 50. Minute. Im Saisonfinale muss Essen bei Absteiger SSV Ulm antreten. Nachbar Duisburg war am Freitag nicht über ein 0:0 bei Erzgebirge Aue hinausgekommen, hat gegenüber RWE vor dem finalen Heimspiel gegen Viktoria Köln auf Relegationsrang drei aber eine um sechs Treffer bessere Tordifferenz.