Fußball

Zagreb-Pleite unter Verdacht Betrug in der Champions League?

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(Foto: REUTERS)

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Der Ball war zwischen Zagreb und Lyon nur in der ersten Halbzeit hart umkämpft. Nach dem Wechsel kapitulierten die Kroaten.

(Foto: AP)

Bis zur Pause ist das Champions-League-Spiel zwischen Dinamo Zagreb und Olympique Lyon eine normale Partie, trotz eines frühen Platzverweises gegen die Gastgeber. Nach dem Wechsel schießt Lyon sechs Tore und erreicht die K.o.-Runde. Nun ermitteln die Wettkontrolleure. Zagreb feuert seinen Coach.

Wenn eine Mannschaft in der Champions League im eigenen Stadion mit 1:7 verliert, ist das für sich schon merkwürdig. Noch merkwürdiger wird es, wenn es zur Halbzeit des Spiels noch 1:1 stand. Und wenn jenes Team, das plötzlich in einen Torrausch verfällt und binnen 31 Minuten sieben Treffer erzielt, zuvor in fünf kompletten Spielen nur zweimal getroffen hat.

Der Zufall wollte es, dass im Zagreber Maksimir-Stadion am Mittwochabend alle drei für sich genommen schon unwahrscheinlichen Ereignisse gleichzeitig eintraten. Nach einem 1:1 zur Pause schoss Olympique Lyon gegen Dinamo Zagreb im zweiten Durchgang sechs Tore gegen die Kroaten, die seit der 28. Minute in Unterzahl und nach der Pause ohne ernsthafte Abwehr spielten und mit einem Torhüter, der nicht nur wenig tat, sondern vor allem nicht das Tor hütete (siehe Video unten). Nach 76 Minuten stand es 7:1 für die Gäste. Dabei blieb es.

Angenehmer Nebeneffekt ihres Kantersieges: Durch den ungewöhnlichen Erfolg schaffte Lyon noch das schier Unglaubliche und fing Ajax Amsterdam im Duell um Platz zwei in Gruppe D und den Achtelfinaleinzug noch ab. Vor dem letzten Gruppenspiel hatte Lyon drei Punkte und sieben Tore hinter Ajax Amsterdam gelegen. Die Niederländer verloren parallel mit 0:3 (0:2) gegen Real Madrid und bekamen dabei zwei reguläre Tore wegen vermeintlicher Abseitsstellungen weggepfiffen.

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Domagoj Vida im Zweikampf mit Lyons Vierfachtorschützen Bafetimbi Vida.

(Foto: REUTERS)

Alles Zufall? Die französische Wettkontrollbehörde Arjel hatte zumindest Untersuchungen eingeleitet. Wetten auf dieses Spiel wurden "überprüft", allerdings ohne Befund. Bei einer Analyse der Wettbewegungen seien "keinerlei Unregelmäßigkeiten" festgestellt worden, teilte die Behörde mit. Auch in den Niederlanden wurde über das unglaubliche Comeback von Lyon kräftig spekuliert. Die Zeitung "De Telegraaf" veröffentlichte ein Foto, auf dem Zagrebs Verteidiger Domagoj Vida dem französischen Stürmer Bafetimbi Gomis freundschaftlich zuzwinkert - nachdem Gomis soeben das 5:1 für Lyon erzielt hat.

Lyon ist pikiert

Ajax-Trainer Frank de Boer begrüßte eine Prüfung des Spiels: "Wenn dort etwas Ungewöhnliches passiert ist, sollte die UEFA das Spiel untersuchen. Meine Assistenten haben mir erzählt, die Tore seien schnell und einfach gefallen." De Boer schränkte jedoch ein: "Das Resultat ist auffallend. Aber wenn seltsame Dinge geschehen sind, muss man diese beweisen können." Olympique Lyon reagierte in einer offiziellen Mitteilung verärgert auf den Manipulationsverdacht. Der Verein begrüße die Prüfung durch Arjel zwar, da diese nach ungewöhnlichen Ergebnissen der Standard sei. "OL" bedauerte aber, dass "es keine Kommentare zum sportlichen Aspekt dieser unglaublichen Leistung für Olympique Lyon und den französischen Fußball" gebe. Zagreb verwies darauf, "gegen eine stärkere und zahlenmäßig überlegene Mannschaft" unterlegen zu sein. Jegliche Unterstellungen "verurteile" man.

Die Europäische Fußball-Union (UEFA) teilte inzwischen mit, das Wettbetrugs-Warnsystem habe bisher "keine irregulären Wettmuster bezüglich des Spiels gezeigt, die eine Untersuchung rechtfertigen würden". Man habe die Vorwürfe zur Kenntnis genommen und warte die Berichte des Referees, der Schiedsrichterbeobachter und der Match-Delegierten ab. Man wolle sehen, ob "nach deren Ansichten etwas Verdächtiges passiert sein könnte". Sollte es Anhaltspunkte für Unregelmäßigkeiten gebe, werde die UEFA Untersuchungen einleiten.

Zagrebs Coach muss gehen

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Dinamo-Coach Krunoslav Jurcic kostete das Heimdebakel den Job.

(Foto: AP)

Bei Dinamo führte eine der höchsten Pleiten in der Geschichte der Königsklasse zur Entlassung von Trainer Krunoslav Jurcic. Noch in der Nacht musste der Ex-Nationalspieler und WM-Dritte von 1998 seinen Hut nehmen, obwohl er in der kroatischen Liga mit Dinamo auf dem Weg zum siebten Meistertitel in Serie ist.

"Der Vereinsvorstand hat sich direkt nach dem Abpfiff zusammengesetzt und beschlossen, dass wir uns trennen. Das war ein beschämendes Ende unserer Ambitionen in Europa", sagte Dinamo-Geschäftsführer Zdravko Mamic: "Wir hatten langfristige Pläne mit Jurcic, aber diese Niederlage ist schwer zu verdauen."

Zagreb beendete die Gruppenphase ohne Punkt, mit nur drei Treffern und der Rekordzahl von 22 Gegentreffern in sechs Spielen als Letzter. Bis zur 45. Minute im Maksimir-Stadion hatte die Bilanz noch so ausgesehen: drei Punkte, 3:15 Tore, keine Verdachtsmomente.

Quelle: ntv.de, cwo/sid