Fußball

Hirschs Kritik am Fifa-Ethikkomitee Blatter wundert sich in Briefform

Weil Günter Hirsch gesagt hat, was die ganze Welt seit den umstrittenen WM-Vergaben an Russland und Katar denkt, meldet sich Fifa-Präsident Joseph Blatter zu Wort. Jurist Hirsch wirft dem Verband mangelnden ethischen Aufklärungswillen vor. Blatter vermisst Faktenkenntnis.

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Günter Hirsch, ehemaliges Mitglied des Fifa-Ethikkomitees.

(Foto: dpa)

Fifa-Präsident Joseph Blatter hat auf den Rückzug von Günter Hirsch aus der Ethikkommission des Weltverbandes und dessen Vorwürfe wie erwartet reagiert: mit Verwunderung und Befremden. Blatter wandte sich in einem Schreiben an den früheren Präsidenten des Bundesgerichtshofs (BGH). Dieser hatte kurz vor dem Jahreswechsel seinen Entschluss dem Vorsitzenden der Ethikkommission, Claudio Sulser, mitgeteilt.

In seinem Brief hatte Hirsch geschrieben, "dass die Ereignisse der letzten Wochen bei mir den Eindruck erweckt und gefestigt haben, dass die Verantwortlichen der Fifa kein wirkliches Interesse daran haben, eine aktive Rolle bei der Aufklärung, Verfolgung und Vorbeugung von Verstößen gegen das Ethikreglement der Fifa zu spielen".

Verwunderung in Zürich

Die Fifa wies die Vorwürfe in einer Stellungnahme zurück. "Der Präsident nimmt das Schreiben von Herrn Hirsch mit Verwunderung auf, weil er seit der Ernennung zum Mitglied der Fifa-Ethikkommission lediglich an einer Sitzung teilnahm, nämlich an der Sitzung im Oktober 2006, an welcher die Kommission zum ersten Mal zusammentraf."

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Verstimmt: Joseph Blatter, Chefethiker der Fifa.

(Foto: dpa)

Demnach seien alle darauffolgenden Einladungen ausgeschlagen worden. "Mit dem Fernbleiben an Sitzungen hat Herr Hirsch auch die Möglichkeit nicht wahrgenommen, an der letzten Revision des Ethikreglements mitzuwirken. Das Regelwerk nach über vierjährigem Fernbleiben an Sitzungen zu kritisieren, erscheint daher ein wenig befremdend", erklärte der Weltverband weiter. Zudem erstaune, "dass Herr Hirsch ohne Faktenkenntnisse die Entscheidungen der Kommission kritisiert".

Vorwurf der Faktenlosigkeit

Kritik solle "zumindest auf Fakten beruhen", hieß es in dem Communiqué des in Zürich ansässigen Verbandes. "Demzufolge zeigte sich der Fifa-Präsident weniger über die Tatsache der Amtsniederlegung als über die Art und Weise dieser enttäuscht." Damit bestätigte Blatter wieder einmal, dass er selbst Fakten wunderbar verdrängen kann. So durften über die WM-Endrunden drei Exekutivmitglieder abstimmen, die unter akutem Korruptionsverdacht stehen. Das Fifa-Ethikkomitee wurde aber nicht mit der Prüfung der "alten Kamellen" (Blatter) behelligt.

Hirsch selbst hat sich seit dem Öffentlichwerden seines Schrittes bislang nicht weiter zu dem Vorgang und der Reaktion der Fifa geäußert. Der 67 Jahre alte Top-Jurist hatte die Konsequenzen aus den Ereignissen um die WM-Vergabe für 2018 an Russland und 2022 an Katar gezogen und sein Amt niedergelegt. Dass die Fifa nun eine Verlegung der WM 2022 in den Winter erwägt, obwohl die Endrunde als Sommer-WM ausgeschrieben war und unter dieser Bedingung vergeben wurde, dürfte Hirsch in seinem Entschluss bestätigen.

Quelle: n-tv.de, cwo/dpa

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