Fußball

"Ein unschöner Verdacht" DFB und DFL wollen aufklären

2nnq5428.jpg1082438254914372885.jpg

Bei einer Pressekonferenz gaben die Staatsanwaltschaft Bochum und die UEFA Details zum neuen Wettskandal bekannt.

(Foto: dpa)

Die Politik ist irritiert, der deutsche Profifußball tappt noch im Dunkeln: Der Wettskandal im europäischen Fußball löst bei den Verbänden eine gewisse Ohnmacht aus, das Bundesinnenministerium spricht von einem "unschönen Verdacht".

Während der für den Sport in Deutschland zuständige Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) den Fußball selbst in die Verantwortung nimmt, hoffen Liga und Verband vor allem auf die Arbeit der Staatsanwaltschaft. "Wir sind froh, dass die staatlichen Behörden mit hoher Kompetenz und der gebotenen Ernsthaftigkeit allen Verdachtsmomenten nachgehen. Da es sich um strafrechtlich relevante Taten handeln könnte, ist die Staatsanwaltschaft Bochum Herr des Verfahrens", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger, nachdem die Staatsanwaltschaft alleine in Deutschland 32 Spiele von der 2. Bundesliga bis in den Juniorenbereich unter Manipulationsverdacht gestellt hatte.

Liga-Präsident Rauball will rechtliche Schritte gegen das Kartellamt prüfen.

Liga-Präsident Rauball möchte die Vorwürfe "vollumfänglich aufgeklärt" wissen.

Auch wenn der deutsche Profi-Fußball trotz der weiter laufenden Ermittlungen nach Angaben von Ligaverbands-Präsident Rauball nur partiell betroffen sei, wird die Aufklärungsarbeit vollumfänglich unterstützt. "Wir sind dem Fan schuldig, dass wir alles in unserer Macht stehende tun, um einen sauberen Wettbewerb zu gewährleisten. Zunächst gilt aber auch hier die Unschuldsvermutung. Aber klar ist: Wir können nicht dulden, dass auch nur ein einziges Spiel manipuliert ist", erklärte Rauball.

BMI sehr verwundert

Der Kontrollausschuss des DFB wird nach eigenen Angaben die weiteren Ermittlungen intensiv beobachten und auf Wunsch aktiv begleiten. Sollte sich der bestehende Anfangsverdacht bestätigen, will der Verband die nötigen sportgerichtlichen Schritte einleiten.

Mit Verwunderung nahm Bundesinnenminister de Maiziere den Wettskandal im europäischen Fußball zur Kenntnis. "Das ist ganz schlecht für den Sport", sagte der Minister: "Jetzt ist es Aufgabe des Sports und der ermittelnden Behörden, weitere Schritte einzuleiten." BMI-Sprecher Stefan Paris hatte zuvor erklärt, es sei "sehr unschön, was da als Verdacht in der Welt ist."

Derweil glaubt Wolfgang Holzhäuser, Sprecher der Geschäftsführung von Bayer Leverkusen, dass sich der Fußball "grundsätzlich gegen solche Praktiken nur schwer zur Wehr setzen" kann: "Ich bin aber überzeugt, dass wir als Verein nicht betroffen sind. Nach dem Hoyzer-Skandal haben wir in unsere Arbeitsverträge Klauseln eingebaut, nach denen die Spieler verpflichtet sind, etwaige betrügerische Angebote an mich oder Rudi Völler zu melden", sagte Holzhäuser.

Wollitz glaubt an das "Gute im Menschen"

Verstrickt sein in den Manipulationsskandal sollen in Deutschland unter anderem Spieler des Zweitliga-Absteiger VfL Osnabrück, dessen ehemalige Trainer Claus-Dieter Wollitz (Energie Cottbus) sagte: "Ich hoffe immer auf das Gute im Menschen. Das gilt auch für diesen Fall." VfL-Sportdirektor Lothar Gans sagte: "Ich halte die Situation für so traurig, dass man sie gar nicht in Worte fassen kann. Zu den Verdächtigungen rund um den VfL will ich mich nicht äußern. Wir werden das intern besprechen."

DEU_Fussball_Wetten_Ermittlungen_OSN106.jpg2520236071504768021.jpg

Zwei Auswärtsspiele des VfL Osnabrück sollen mit Hilfe von VfL-Profis manipuliert worden sein.

(Foto: AP)

Betroffen sind angeblich die beiden Auswärtsspiele der Niedersachsen beim FC Augsburg (0:3) am 17. April 2009 und beim 1. FC Nürnberg (0:2) am 13. Mai. Ein Verdächtiger hatte nach Informationen der "Neuen Osnabrücker Zeitung" hohe Summen auf die beiden Partien gesetzt und sich dabei auf eine Tordifferenz festgelegt, die dann tatsächlich eintrat. Aus abgehörten Telefonaten gehe hervor, dass der Verdächtige Kontakt zu mindestens einem VfL-Spieler aufgenommen habe.

Quelle: ntv.de, cwo/dpa/sid