Fußball

Immer Ärger in Hoffenheim Das Ende der Hopp'schen Vision

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Auf dem Boden der Tatsachen: Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp

(Foto: picture alliance / dpa)

Unnötige Spielerkäufe, der Rosenkrieg mit Torhüter Tim Wiese und jetzt auch noch die Entlassung von Trainer Marco Kurz und Manager Andreas Müller: Fußball-Bundesligist Hoffenheim liegt am Boden. Die Probleme in Dietmar Hopps Retortenklub sind hausgemacht - und Geld ist eben doch nicht alles.

Die Trainer in Hoffenheim

Juli 2008 bis Januar 2011: Ralf Rangnick
Januar bis Juni 2011: Marco Pezzaiuoli
Juli 2011 bis Februar 2012:
Holger Stanislawski
Februar bis Dezember 2012: Markus Babbel
Dezember 2012: Frank Kramer
Dezember 2012 bis April 2013: Marco Kurz
seit April 2013: Markus Gisdol

Als die frisch aufgestiegene TSG 1899 Hoffenheim sich im Dezember 2008 selbs t zum Bundesliga-Herbstmeister krönte, wähnten viele Fans die deutsche Fußballkultur bereits am Ende. Der Retortenverein, der quasi aus dem Nichts gekommen war, hatte sich dank der Unterstützung von Mäzen Dietmar Hopp in Windeseile zum meistgehassten Klub der Republik gemausert.

Mussten die jahrzehntelang gewachsenen Traditionsvereine in Zukunft etwa den Franchise-Klubs gelangweilter reicher Männer weichen? Mitnichten. Vier Jahre später hat sich die Hopp'sche Vision von der Kraichg auer Fußball-Vorherrschaft in einen Alptraum für alle Beteiligten verwandelt, die Entlassung von Trainer Marco Kurz und Manager Andreas Müller ist dabei nur der bislang letzte Akt in einem langen Trauerspiel. In der Liga taumelt der Verein seit Beginn der Saison stetig Richtung Liga zwei, die internen Querelen erinnern mehr an eine Seifenoper als an einen Bundesligisten.

"Eine Geschichte falschen Managements"

Dass Geld allein nicht glücklich macht, erfährt die TSG im Moment auf die harte Tour. Zwar durfte Ex-Manager Müller zum Rückrundenstart mit Hopps Segen zwölf Millionen Euro für sechs neue Spieler ausgeben, nur Innenverteidiger David Abraham und Torhüter Heurelho Gomes schafften indes den Sprung in die Stammelf.

Noch stärker hat sich der Klub wohl aber mit dem Heckmeck um Tim Wiese diskreditiert. Erst warben die Hoffenheimer den ehemaligen Nationaltorwart teuer aus Bremen ab, nur um ihn später  aus zweifelhaften Gründen  aus dem Kader zu nehmen. Dass die Resozialisierung durch Kurz am Montag zugleich die letzte Amtshandlung des scheidenden Trainers werden sollte, entbehrt dabei nicht einer gewissen Ironie.

Die Entlassung von Kurz ist durchaus nachzuvollziehen. Warum der defensiv orientierte Fußballlehrer, der zuvor bei Absteiger Kaiserslautern gescheitert war, überhaupt erst eingestellt wurde, dagegen nur schwer - immerhin drohte auch in der Hinrunde schon der Abstieg. Die "Zeit" brachte das eigentliche Problem schon im Februar auf den Punkt: "Die Geschichte Hoffenheims ist eine Geschichte falschen Managements." Auch wenn es der Verein bestreitet und die 50+1-Regelung der Bundesliga es verbietet - von Unabhängigkeit kann bei Hoffenheim keine Rede sein. Die Fans der übrigen Vereine werden nach dem vorübergehenden Aus des Hopp'schen Traumes dagegen erleichtert aufatmen - Geld ist eben doch nicht alles.

Quelle: ntv.de

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