Fußball

Andorra feiert in San Marino "Das schlechteste Fußballspiel aller Zeiten"

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So feiern Sieger: die Andorraner in San Marino.

Es ist wahlweise das Derby des Stolzes oder das der Aschenputtels: Im Duell der schlechtesten Fußballmannschaften Europas landet Andorra einen Auswärtssieg. Die Verlierer aus San Marino sprechen hinterher vom "Trash of the Titans".

Die britische Zeitung "The Mirror" hatte es vorher genau ausgerechnet: Seit 4683 Tagen hatte die Nationalmannschaft San Marinos kein Fußballspiel mehr gewonnen. Die aus Andorra seit 4515 Tagen nicht. Das sind mehr als zwölf Jahre. Nun, seit Mittwochabend, dürfen sie in Andorra mit dem Zählen von vorne beginnen. Denn sie haben gesiegt - mit 2:0 in San Marino, dem mit seinen 33.000 Einwohnern unweit der italienischen Adriaküste gelegenen Staat. Ob es letztlich, wie Spötter vor der Partie prophezeit hatten, tatsächlich das schlechteste Fußballspiel der Geschichte war, ist ebenso schwer zu verifizieren, wie es unmöglich ist, diese These zu widerlegen. Und das nicht nur, weil dieses Länderspiel im Nebel von Serravalle versank. Oder wie es "La Gazetta dello Sport" formulierte: "Willkommen in der Hölle".

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Unbestritten aber ist, dass San Marino in der Rangliste der Verbände in der Europäischen Fußball-Union Uefa auf Platz 54 steht. Schlechter geht's nicht. Andorra belegt Platz 53 - hinter Gibraltar und den Färöer-Inseln. Beim Weltverband Fifa sieht's da für die beiden Zwergstaaten auf den Plätzen 202 und 203 schon wesentlich besser aus. Die British Virgin Islands, Anguilla, Bahamas, Djibouti, Eritrea, Gibraltar, Somalia und Tonga stehen hinter ihnen.

Seit dem bis Mittwoch letzten Sieg, einem 1:0 gegen Mazedonien vor 13 Jahren, hatte Andorra 86 Spiele absolviert und 80 davon verloren. Nun haben die Andorraner aus dem Fürstentum zwischen Frankreich und Spanien mit 80.000 Einwohnern das "Derby des Stolzes" gewonnen, wie die italienische Tageszeitung "La Repubblica" titelte. Es war der erste Auswärtssieg in der 21 Jahre währenden Geschichte des Verbandes und der vierte Erfolg überhaupt.

"Derby der Aschenputtels"

Kapitän Ildefons Lima, vor 37 Jahren in Barcelona geboren, hatte vorher im Interview mit der spanischen Sporttageszeitung "Marca" von einem "Derby der Aschenputtels" gesprochen. "Dieses Spiel zu gewinnen wäre so, als würden wir ein Turnier gewinnen." Er war es, der im Stadio Olimpico nach 28. Minuten per Nachschuss traf, nachdem er zuvor mit einem Elfmeter an San Marinos Torhüter Simone Benedettini gescheitert war. Es war sein elfter Treffer für Andorra, damit ist er der erfolgreichste Torschütze seines Landes.

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Hinterher twitterte er: "Wenn du gegen Andorra Fußball spielst, gibt es einige Momente, den Fußball zu genießen. Gestern haben wir das getan." Sein Kollege Cristian Martínez, geboren in der Hauptstadt Andorra la Vella und ebenfalls Abwehrspieler, erhöhte nach 67 Minuten mit seinem zweiten Tor in einem Länderspiel auf 2:0 im ersten Treffen beider Teams. Und der Sieg im "wichtigsten Freundschaftsspiel der Geschichte" des Fürstentums ("Marca") war perfekt.

Und San Marino? Hatte ebenfalls zuletzt 2004 eine Partie gewonnen. Sie aber müssen nun weiter zählen. Mittlerweile sind es 4684 Tage ohne Sieg. Aber sie reagierten durchaus humorvoll und twitterten: "The Clash of the Titans, more like Trash of the Titans." Das Treffen der Titanen sei eher Müll als Schlagabtausch gewesen. Alles eine Frage der Perspektive. Im November war auch die deutsche Nationalmannschaft zu Gast in Serravalle. Auf dem Weg zur WM 2018 in Russland gewann sie mit 8:0. Thomas Müller hatte sich hinterher nicht ganz zu Unrecht darüber beschwert, dass Ganze habe mit professionellem Fußball herzlich wenig zu tun.

Darüber hatten sie sich in San Marino sehr geärgert. Ein Funktionär schrieb Müller via Facebook einen leidlich witzigen Brief und zählte zehn Gründe auf, warum es eine gute Idee war, dass die DFB-Elf in Europas kleinster Republik gespielt hatte. Der Schluss war dann richtig lustig: "Auch wenn ihr die schönsten Trikots tragt: Am Ende bleibt ihr doch diejenigen, die weiße Socken unter Sandalen anziehen." Das Rückspiel findet am 10. Juni in Nürnberg statt. Und wer weiß: Vielleicht gewinnt dann San Marino. Kleiner Scherz.

Quelle: n-tv.de