Fußball

Werner Lorant prägt eine Ära "Dem Jogi beim Laufen Schuhe besohlen"

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Europapokal: Werner Lorant am 23. August 2000.

Werner Lorant gilt bei Traditionsverein TSV 1860 München immer noch als Legende. Auch mit seiner Art und seinen Sprüchen. Die bringt er auch heute noch. Von Joachim Löw hält er offenbar nicht allzu viel. Nun wird der ehemalige Fußballtrainer 70 Jahre alt.

Mit einigen Gerüchten räumt Werner Lorant auf seinem Campingplatz am idyllischen Waginger See gleich einmal auf. "Erst einmal muss ich klarstellen, dass ich hier in einer Penthouse-Wohnung lebe, auf 70 Quadratmetern. Ich bekomme regelmäßig meine Rente, mir geht es gut", sagt der ehemalige Kulttrainer des TSV 1860 München im Interview mit der "Sportbild". Dass er "abgestürzt" sei, wie immer wieder einmal behauptet wird, weist Lorant deshalb energisch zurück: "Ach, Unsinn. Aber lass die Leute doch quatschen, wenn sie das glauben. Über mich wurde schon so viel geredet und geschrieben."

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"Er war damals schon nie aggressiv, er hat sich alles gefallen lassen."

(Foto: dpa)

In der Tat. Mit seinen markigen Sprüchen und seiner schroffen Art prägte Lorant bei den Löwen an der Seite von Präsident Karl-Heinz Wildmoser von 1992 bis 2001 eine Ära. An diesem Mittwoch feiert Lorant seinen 70. Geburtstag bei seiner Mutter Gertrud in seiner Heimatstadt Welver im Kreis Soest. Auch wenn sein Alltag inzwischen von seiner Freundin Brigitte und seinem Hund Jackson bestimmt werde, wie er erzählt - der Fußball hat Lorant nie losgelassen. Im Sommer betreibt er mit Ex-Nationalspieler Dieter Eckstein eine Fußballschule für Kinder zwischen fünf und 15 Jahren. Zudem verfolgt er das aktuelle Geschehen weiter aufmerksam - und gewohnt kritisch.

Joachim Löw etwa hätte er nach dem WM-Desaster sofort entlassen. Mit dem Bundestrainer spielte Lorant einst bei Eintracht Frankfurt zusammen. Aber, so sein vernichtendes Urteil, "dem Jogi konntest du beim Laufen die Schuhe besohlen. Er war damals schon nie aggressiv, er hat sich alles gefallen lassen". Bei der heutigen Spielergeneration verabscheue er die vielen Tattoos. "Spielen die Jungs dann besser Fußball?", fragte Lorant in "Sportbild". Überhaupt seien die Profis "zu sehr verhätschelt. Die jungen Kerle von heute hätten mit mir Probleme."

"Wenn einer beschissen trainiert, spielt er nicht"

Aber offensichtlich auch die Kollegen. "Und dann das Gequatsche der Trainer! Das ist heute überall das Gleiche, keiner sagt mehr ein böses Wort", nörgelt Lorant, der Rotation als "Quatsch" bezeichnet. "Die machen das nur, damit sie Ruhe haben und keiner aufmuckt. Wenn einer beschissen trainiert, spielt er nicht, ganz einfach." Einen Typen wie sich selbst sehe er "keinen. Du musst als Trainer doch auch mal dazwischenhauen. Wenn sich bei mir einer aufgeregt hat, bekam er eine Ansage und musste laufen".

So war das damals unter dem früheren Profi Lorant, der für Essen, Frankfurt, Schalke, und Hannover spielte. Wer nicht mitgezogen hat, flog raus. Doch der Erfolg gab ihm weitgehend Recht. In der Saison 1999/2000 gewannen seine Sechziger gleich zweimal gegen den großen FC Bayern, 2000 scheiterten die Löwen nur denkbar knapp an Leeds United in der Qualifikation zur Champions League.

Doch nach seiner Entlassung bei den Münchnern im Herbst 2001 fasste Lorant bei zahlreichen Stationen in der Türkei, Südkorea, China, der Slowakei, auf Zypern, im Iran oder auch in Deutschland in Ahlen und Unterhaching nie mehr so richtig Fuß. Zuletzt trainierte er in Österreich die viertklassige Union Hallein - und rettete den Klub mit seinen eigenartigen Methoden immerhin vor dem Abstieg.

Quelle: ntv.de, Thomas Niklaus, sid