Fußball

Mit Gefälligkeiten zum Deal? Der DFB steht vor dem nächsten Skandal

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Niersbach und Netzer hatten bei dem Deal miteinander zu tun.

(Foto: imago/Eibner)

Droht dem DFB der nächste Eklat? Eine Beratungsfirma deckt ein fragwürdiges Geschäft zwischen dem DFB und einem Sportvermarkter auf. Unter anderem der frühere Präsident Wolfgang Niersbach und der Ex-Nationalspieler Günter Netzer haben dabei offenbar gemeinsame Sache gemacht.

Ein Ermittlungsbericht der Berliner Beratungsfirma Esecon wirft ein schlechtes Licht auf den Deutschen Fußball-Bund (DFB). Demnach soll der DFB den Sportvermarkter Infront im Jahr 2013 mit der Beschaffung von Bandenwerbepartnern beauftragt haben, obwohl eine andere Firma für das lukrative Geschäft eine höhere Summe geboten habe. Für den Deal soll die damalige Führung des DFB Gegenleistungen erhalten haben, berichtet "Der Spiegel" in seiner aktuellen Ausgabe. Aus dem Bericht soll hervorgehen, dass ein Infront-Wettbewerber bis zu 18 Millionen Euro mehr geboten habe. Insgesamt summiere sich der Schaden für den DFB aus Geschäften mit Infront auf bis zu 40 Millionen Euro, wie die Ermittler laut des "Spiegel" errechneten.

So soll im Monat des Zuschlags der Sohn des damaligen DFB-Generalsekretärs Helmut Sandrock eine Stelle bei Infront bekommen haben. Der damalige DFB-Präsident Wolfgang Niersbach sei von Günter Netzer, zu dieser Zeit Executive Director bei Infront, auf eine Luxusjacht im Mittelmeer eingeladen worden. Und einige DFB-Mitarbeiter hätten zudem Luxusuhren erhalten.

Infront wies auf Anfrage ebenso wie Netzer, Niersbach und Sandrock jegliches Fehlverhalten in diesem Zusammenhang zurück. "Alle Vorwürfe von Esecon sind entweder nachweislich falsch oder nicht belegbar, und damit letztlich unhaltbar. Die von Infront in diesem Zusammenhang bei externen Anwälten in Auftrag gegebene umfangreiche Untersuchung kommt zu völlig anderen Ergebnissen", teilte die Firma mit: "Das haben wir auch dem DFB mitgeteilt, und wir sind weiterhin daran, die Angelegenheit bilateral mit dem DFB zu klären."Der DFB äußerte sich wegen der laufenden Ermittlungen nicht. Niersbach wollte sich zunächst auf Anfrage des Sportinformationsdienstes nicht äußern.

"Betrügerische Aktivitäten"

Im Rahmen des Deals hatte es bereits einmal Ärger im Hause DFB gegeben: Offenbar war es bei der Vermarktung der Bandenwerbung bei Spielen der deutschen Nationalmannschaft zu erheblichen Betrugsfällen gekommen. Bis 2018 hatte der DFB dieses Vermarktungsrecht an Infront verkauft. Infront hatte bereits bestätigt, "betrügerische Aktivitäten entdeckt" zu haben, die "mutmaßlich von einem ehemaligen leitenden Mitarbeiter begangen wurden."

Infront nannte auch Details zu den Fällen. "Den Kunden wurde weniger Werbezeit als vertraglich vereinbart zur Verfügung gestellt. Dadurch entstand ein Überschuss an verfügbarer Werbezeit, für die zusätzlichen Einnahmen generiert wurden". Infront wurde nach eigenen Angaben durch einen Hinweis der Staatsanwaltschaft in Thurgau/Schweiz auf Aspekte dieser Aktivitäten aufmerksam. Gegen den ehemaligen Mitarbeiter sei ein Strafverfahren wegen des Verdachts auf ungetreue Geschäftsbesorgung zum Nachteil von Infront eröffnet worden.

Der Vorstandschef von Infront, Philippe Blatter, Neffe des ehemaligen Fußball-Weltverbandspräsidenten Joseph Blatter, hatte sich bestürzt gezeigt: "Wir sind zutiefst schockiert, dass einer unserer ehemaligen Mitarbeiter unser Vertrauen zum Nachteil unserer Kunden und unseres Unternehmens verletzt hat."

Im Rahmen der Affäre soll sich der DFB von einem leitenden Angestellten aus der Abteilung "Media Rights & Broadcasting" der DFB GmbH getrennt haben, der in exponierter Stellung an Verhandlungen um lukrative Werbe- und Übertragungsrechte beteiligt gewesen sei. Der Mitarbeiter habe zwar kein Bargeld angenommen, sich aber über andere Zuwendungen vonseiten Dritter gefreut, ohne dies dem DFB angezeigt zu haben, berichtete die "Bild"-Zeitung im Juli 2019. Die Beweise für solcherlei Verstöße gegen die DFB-Compliance-Vorschriften, die alle DFB-Angestellten zur Einhaltung interner Regeln zur Transparenz verpflichten, seien erdrückend gewesen.

Quelle: ntv.de, ara/ter/sid