Mega-Andrang vor Profi-DebütDie Welt schaut auf Marie-Louise Eta - sie nur auf den Fußball
Seit ihrer Ernennung zur ersten Cheftrainerin eines Männer-Profiteams in den Top-5-Ligen des Fußballs reden alle über Marie-Louise Eta. Jetzt spricht erstmals die 34-Jährige selbst.
15 Kamerateams, der Raum mehr als gut gefüllt mit mehr als 40 Medienvertretern, sogar Journalisten aus Frankreich und Österreich dabei. Tatsächlich schaut die Welt gerade auf den 1. FC Union Berlin. Bei der ersten Pressekonferenz von Marie-Louise Eta wird das einmal mehr deutlich. Die erste Trainerin in den Top-5-Ligen im Männerfußball tritt ihren Job an - auch für die Presse.
Und das bewerkstelligt sie vor ihrem ersten Spiel als Cheftrainerin des Profiteams gegen den VfL Wolfsburg (Samstag, 15.30 Uhr/Sky und im ntv.de-Liveticker) mit ungeheurer Souveränität. Dabei dürfte die 34-Jährige mit so großen Massen an Medienvertretern noch nicht zu tun gehabt haben. Es wäre kein Wunder, wenn sie - trotz dessen, dass sie selbst ihre Alleinstellung herunterspielt - nervös gewesen wäre auf dem Podium. Eta aber spricht mit klarer, deutlicher Stimme, freundlich und bestimmt, steht aufrecht, nimmt jeden im Raum wahr, räumt Zeit ein, die Fragen zu stellen.
Eta lacht, als sie von einem langjährigen Reporter gefragt wird, ob er sie denn auch weiterhin mit ihrem Spitznamen "Loui" anreden dürfe. Ist sich ihrer "gesellschaftlichen Wirkung und Bedeutung" bewusst: "Es ist auch schön, wenn sich dadurch vielleicht Wege und Türen öffnen, Inspiration dadurch geschaffen wird, dass auch junge Mädchen vielleicht sehen, was alles möglich ist."
"Auch vor mir gab es schon Trainerinnen"
Eta ist aber auch hinterher, sich selbst nicht als Nabel der Welt zu sehen. Als ein französischer Journalist sie um eine Einschätzung zur Rolle als Frau im Fußball bittet, verweist sie darauf, dass sie ja mitnichten die Erste ist. Mit Corinne Diacre trainierte bereits eine Frau ein Zweitligateam im Land des Fragestellers, konstatiert sie. Eta nennt auch Sabrina Wittmann, die den Drittligisten FC Ingolstadt coacht. "Ich bin nicht die erste Frau, die im Fußball unterwegs ist. Auch vor mir gab es schon Trainerinnen", so Eta, die aber auch erklärt: "Ich verstehe das Interesse dahinter. Es wäre schön, wenn es diese Fragen irgendwann nicht mehr gibt. Wenn es nur noch um den Sport geht, wenn es nur noch um Leistung geht. Jeder will das Bestmögliche herausholen, ganz unabhängig vom Geschlecht."
Gleich verhalte es sich auch mit dem Alter - antwortet sie auf die Frage, ob sich ihre Ansprache jetzt ändern würde, wo sie nicht mehr die U19, sondern die Profis betreut. Die müsse sie nicht an das Alter oder ans Geschlecht, sondern viel mehr an jeden einzelnen Charakter anpassen. Das kennt sie nicht erst seit 2023, als sie bei den Unionern schon einmal interimsweise das Amt als Co-Trainerin übernommen hatte. "Mir geht es schon immer um Fußball, mir geht es um die Zusammenarbeit mit Menschen. Und das, was mir am meisten Spaß macht, dann auch in dem Zusammensein, in dem Miteinander maximal erfolgreich zu sein."
Wende gegen abstiegsbedrohten VfL?
Ihrer Beförderung kurz vor Mitternacht am Samstag nach der 1:3-Pleite von Union beim 1. FC Heidenheim hat Eta sofort zugestimmt. "Da gab es nichts zu überlegen. Ich war zu Hause und war in der Spielvorbereitung für das U19-Spiel. Ich war erst überrascht, habe ich mich natürlich über das Vertrauen gefreut", erinnert sie sich an den Start der vermeintlich turbulentesten Woche ihrer bisherigen Karriere.
Fünf Spieltage hat die Frau, die als Spielerin die Champions League und drei deutsche Meisterschaften mit Turbine Potsdam gewann, nun bis zum Saisonende vor sich. Nur zwei Siege aus 14 Spielen hatte es zuletzt gegeben, was letztlich zur Trennung von Steffen Baumgart führte. Ihr Vorgänger hat der Debütantin, die er durch die Zusammenarbeit zwischen U19 und Profis bereits kannte, eine Sprachnachricht geschickt, über die sich Eta laut eigener Aussage sehr freute.
"Klar, das Selbstvertrauen ist jetzt auch nicht riesig", beschreibt sie die Stimmung in ihrem neuen Team, sie spüre aber eine gute Energie. Union hat trotz allem noch einen komfortablen Vorsprung auf die Abstiegsränge, spielt nun aber gegen den akut abstiegsbedrohten VfL Wolfsburg - eine richtungsweisende Partie. In mehreren Belangen, ob Eta will oder nicht.
