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Bundesliga-Check: Frankfurt Drei Hochzeiten und kein Todesfall

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Adolf "Adi" Hütter übernimmt die Eintracht als DFB-Pokalsieger.

(Foto: picture alliance / Arne Dedert/d)

Kovac? Hradecky? Boateng? Meier? Alle weg! Die Eintracht muss Schlüsselpositionen neu besetzen. Das braucht Zeit. Zeit, die das Team mit der Dreifachbelastung Bundesliga, Pokal, Euro League nicht hat. Bloß nicht der neue 1. FC Köln werden.

Für alle Phrasendrescher: Der Fußball ist ein äußerst schnelllebiges Geschäft. Vor ein paar Wochen wird noch der sensationelle Sieg von Eintracht Frankfurt im DFB-Pokal über den übermächtigen deutschen Rekordmeister FC Bayern hemmungslos gefeiert. Am  vergangenen Sonntag werden die Adler vor heimischer Kulisse von den Bayern im Supercup vorgeführt, mit 5:0 abgewatscht, ja regelrecht gerupft. Der Traum vom zweiten Pokal in Folge für die Titel-ausgehungerte Frankfurter Eintracht wird zum Albtraum. Was war passiert?

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Eigentlich gar nicht viel. Wie immer bei einem Verein, der über seine Möglichkeiten spielt und überrascht, werden andere, potentere Klubs hellhörig und kaufen die besten Spieler weg. Davon können kleinere Vereine wie Mainz 05 oder der SC Freiburg ein alljährliches Lied singen, in das nun auch der DFB-Pokalsieger 2018 aus der Mainmetropole wehklagend einstimmt. Achtung, nächste Phrase: So ist Fußball. Aber es gibt einen Trostspender für den Verein aus dem Herzen von Europa: "Hurra, hurra, die Frankfurter sind da!" - so wird es in dieser Europa-League-Saison hoffentlich in sehr vielen europäischen Auswärtsstadien von den Rängen schallen.

Was gibt's Neues?

Die Eintracht tauscht einen Pokalsieger-Trainer gegen einen Meistercoach. Upgrade nennt man das. Adi Hütter, Österreicher, Schweizer Meister. Er überraschte bei den Eidgenossen alle, indem er mit den Young Boys aus Bern Seriensieger FC Basel die Meisterschaft in einem souveränen Stil wegschnappt. Gut, das Double hat er danach verpasst. Aber hey: Bern holt nach 32 Jahren erstmals wieder die Meisterschaft! Die letzte Meisterschale der SGE stammt noch aus der Vor-Bundesliga-Zeit. 1959. Man darf ja noch träumen, oder?

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Adi Hütters Spielphilosophie: Nach vorn, offensiv, frühes Pressing, schnelles Umschaltspiel.

(Foto: picture alliance/dpa)

Hütter war laut SGE-Sportvorstand Fredi Bobic der "Wunschkandidat" des Vereins. Ausschlaggebend dafür könnte seine Angriffslust gewesen sein: "Grundsätzlich soll die Ausrichtung schon offensiv sein", so Hütter, der gleichzeitig einschränkt: "Aber mit einer guten Rückversicherung." Hütter spricht von "Pressing-Monstern". Im Supercup gegen die Bayern konnte man in den ersten 20 Minuten durchaus sehen, wohin die Reise für die Eintracht mit Hütter gehen soll. Er fordert aber auch Zeit für seine Mannschaft ein. Die dürfte er bei Bobic und Co. wohl auch bekommen.

Neu ist aber nicht nur der Trainer, neu ist auch der Däne Frederic Rönnow im Tor, der 18-jährige Evan N'Dicka für die Abwehr, der Spanier Lucas Torró als Mascarell-Ersatz für die Sechser-Position, Goncalo Paciencia aus Portugal für den Sturm, sein Landsmann Chico Geraldes, ebenso für die Offensive wie Ex-HSV-Müller. Dazu kommt noch der 21 Jahre alte Brasilianer Allan, ausgeliehen vom FC Liverpool fürs Mittelfeld, Felix Wiedwald als Ersatztorwart sowie Patrice Kabuya, Tobias Stirl und Sahvedi Cetin aus der eigenen U19. Zudem wurden die Leihen von Carlos Salcedo und Ante Rebic in Käufe umgewandelt. Vor allem bei Rebic ein absoluter Glücksfall.

Der Vize-Weltmeister war beim FC Sevilla im Gespräch für eine Ablöse jenseits der 20 Millionen Euro. Er entschied sich für die Eintracht, verlängerte seinen Vertrag bis 2022. Die festgeschriebene Ablöse dürfte damit deutlich höher liegen. Dass der Kroate seinen Vertrag erfüllt, darf aber bezweifelt werden.

Was fehlt?

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Ohne ihren "Fußballgott" Alex Meier: Geht das überhaupt?

(Foto: picture alliance / Thomas Frey/d)

Die Einnahmen aus einem Rebic-Verkauf. Denn der Aderlass der SGE ist groß: Niko Kovac! Macht nach zwei erfolgreichen Jahren als Pokalsieger den Schritt Richtung Süden und mit den Bayern in die Champions League. Lukas Hradecky! Hütet jetzt das Tor in Leverkusen. Allrounder Kevin-Prince Boateng! Spielt für Sassuolo Calcio - aus familiären Gründen. Omar Mascarell! Tauscht die Mainmetropole mit Herne-West. Marius Wolf! Schnürt die Töppen für Lüdenscheid-Nord. Alex Meier! Der "Fußballgott" bekam bei seinem Herzensverein keinen neuen Vertrag mehr. Diese atheistische Vereinsführung! Also: Einen Trainer, vier Schlüsselspieler und ein Fußballgott muss die Eintracht ersetzen. Mindestens gleichwertig, möglichst besser.

Eine "Mission Impossible", denn für die abermalige Erneuerung des Teams fehlt das große Geld: Hradecky und Boateng wechseln ablösefrei. Mascarell bringt vier, Wolf fünf Millionen Euro - Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass beispielsweise ein zweitklassiger Stürmer wie Jhon Cordoba schon mal kolportierte 17 Millionen Euro kostet. Maßlos überteuert, dann doch lieber Nicolai Müller vom Absteiger HSV für lau. Am Ende steht ein Transferminus von mehr als zehn Millionen Euro, der sicheren Teilnahme in der Europa League geschuldet. Die Vereinsführung geht damit ein vergleichsweise geringes Risiko ein, das warnende Beispiel 1. FC Köln immer vor Augen. Die investierten vor der vergangenen Saison zwischen 35 und 40 Millionen Euro - auch wegen der Euro-League-Quali - und spielen jetzt zweitklassig.

Wie lautet das Saisonziel?

Die Fans glücklich machen! Also: Meisterschaft, Pokalsieg, Euro-League-Triumph! Nein, die Frankfurter Fans wissen sehr wohl, dass es nach diesem Umbruch und der Dreifachbelastung wieder einmal nur heißen kann: Schnell auf 40 Punkte kommen, um mit dem Abstieg nichts zu tun zu haben. Etwas Geduld ist dazu sicher nötig, wie die Supercup-Pleite gezeigt hat. Im Pokal ist alles drin - Achtung, Phrase -, denn der Pokal hat seine eigenen Gesetze. So weit wie möglich kommen und dann wird geschaut. Für die Europa League gilt das Gleiche. Hier lautet das Ziel des Vereins: überwintern - egal, was die Gruppenauslosung ergibt.

Die Prognose von n-tv.de

Drei Hochzeiten und kein Todesfall: Der Saisonstart ist wichtig. Wie im Vorjahr geht es zunächst gegen den SC Freiburg. Es folgt ein Heimspiel gegen Bremen. Sechs Punkte sind drin, ebenso wie null. Richtungsweisend könnte im Anschluss die Auswärtsaufgabe bei Borussia Dortmund sein. Bei einem normalen Saisonverlauf hat Eintracht Frankfurt mit dem Abstieg nichts zu tun. Mainz, Freiburg, Nürnberg, Düsseldorf, Hannover sind schlechter aufgestellt. Wolfsburg und Hertha könnten ebenfalls unten reinrutschen.

Entscheidend wird sein, wie schnell Hütters Spielstil greifen wird. Gibt es zu Saisonbeginn Erfolgserlebnisse, wäre das hilfreich. Fehlen diese, ist auch ein Negativsog à la Köln möglich. Spätestens aber in der Rückrunde sollte die Eintracht zeigen, welches Potenzial in der Mannschaft steckt. Ein gesicherter Mittelfeldplatz ist drin, dazu das Erreichen der K.-o.-Runden in der Europa League und als i-Tüpfelchen erneut das Pokalfinale. Man weiß in Frankfurt ja jetzt, wie es geht.

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Quelle: n-tv.de

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