Fußball

Debakel gegen Systemrivalen RB "Droge" BVB schickt Fans auf ganz miesen Trip

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Die Droge BVB.

(Foto: IMAGO/Laci Perenyi)

In Dortmund gibt es unter der Woche nur ein Thema: Das Westfalenstadion darf wieder bis zum letzten Platz gefüllt werden. Alle kommen und sehen ein Debakel gegen RB Leipzig. Weit vor Abpfiff flüchten die Zuschauer aus dem Stadion, nur der harte Kern bleibt und spendet Trost für einen Youngster.

Die Rückkehr der Fans gerät bei Borussia Dortmund zu einem Debakel. An einem Tag, an dem über 5000 laut singend und Fahnen schwenkend durch die Stadt gezogen waren, um gemeinsam das Stadion zu erreichen, um der Mannschaft das wahre, laute Gesicht des Vereins, die Gelbe Wand, zu zeigen, wurden sie von den Spielern auf dem Platz wieder einmal mächtig enttäuscht.

Das 1:4 (0:2) gegen RB Leipzig war ein hoffnungsloses Grauen, in dem die Gäste gelassen auf Fehler im Dortmunder Spielaufbau warteten und diese dann eiskalt nutzten. Die Heimmannschaft, von einer Chaos-Choreo und einem gigantischen "Willkommen zurück im Westfalenstadion"-Banner von den Fans empfangen, hatte dem wenig entgegenzusetzen und kam nur in der Anfangsphase zu einigen, wenigen Chancen, dann verschwand sie und mit ihr die Spieler, die nicht einmal mehr für die Galerie spielen wollten, sich vielmehr um die Spielverschleppung verdient machten.

Es reicht nicht einmal für YouTube

Es fehlte ihnen an allem, auch wenn Mats Hummels nachher ein anderes Spiel gesehen haben wollte. "Leipzig ist mit Nichts mit 2:0 in die Halbzeit gegangen. Ich weiß, dass die Leute auf Twitter draufhauen, aber das ist eine realistische Einschätzung", sagte er auf Sky, nachdem er kurz vorher nicht gewusst hatte, ob er das Wort "Hühnerhaufen" in den Mund nehmen sollte oder nicht. Er hätte es getrost tun können, denn sogar das war mit Blick auf den als Rechtsverteidiger auflaufenden Emre Can noch mehr als geschmeichelt. Der Nationalspieler leitete mit einem Ballverlust gegen den Doppeltorschützen Konrad Laimer den Untergang ein und riss das komplette Team in den Abgrund. Wehrlos ergaben sie sich und enttäuschten die Zuschauer, die sich alle Mühe gaben, aber ebenso zu kämpfen hatten.

Ein Blick auf die letzten Minuten des Spiels genügt. Die Partie ist längst entschieden, als der junge US-Nationalspieler Gio Reyna den Platz betritt. Der war noch beim Spiel der USA gegen Mexiko mit einem wilden Solo einmal quer übers Feld gelaufen. Eins für die Galerie. Der letzte Pass kam nicht an. Doch als er jetzt spät beim hoffnungslosen 1:4 aufs Feld kam, stand er still und war gelähmt wie der Rest der blutleeren Mannschaft, die von einem Häufchen der Niederlage unentwegt Trotzenden angepeitscht wurden. Borussia Dortmund, Du bist meine Droge, riefen sie, und man möchte nicht wissen, auf welch schlechten Trip sie nach dieser Demütigung gegen den Systemrivalen gerieten.

Lücken breiter als der Suezkanal

Fluchtartig verließen die keineswegs 81.365 Zuschauer, wobei große Lücken auf den Tribünen zu sehen waren, rund um die 80. Minute das Stadion. Schon lange plätscherte das Spiel nur noch vor sich hin. Kein Aufbäumen war zu erkennen, kein Bestreben, den Fans zumindest ein Tor zu schenken. Unter die ewigen Gesänge des harten Kerns hatten sich bei den Spielverschleppungen längst Pfiffe gemischt. Wenn der BVB doch zu Chancen kam, wie Donyell Malen in der 84. Minute, war die Sache dem Zufall geschuldet. So fiel dann tatsächlich sogar noch ein Tor. Es resultierte aus einer dieser Zufälligkeiten.

Malen war nach einer Ecke an den Ball gekommen und traf aus kürzester Distanz am langen Pfosten. Einige Zuschauer jubelten, machte der Treffer das Spiel doch auf dem Papier erträglicher. Für wenige Sekunden. Denn dann taten sich in der Dortmunder Abwehr Lücken auf, die sogar der Ever Given die Durchfahrt ermöglicht hätten. Der Spanier Dani Olmo ist noch wendiger und setzt den Ball herrlich unter die Latte. 1:4. Mit abfälligen Gesten verschwanden nun auch die letzten verbliebenen Fans. Sie stauten sich lieber an den Ausgängen und fluchten und schimpften über diese Mannschaft, die schon lange nicht mehr viel verspricht und von der sie überhaupt nichts mehr erwarten.

Nur die Süd blieb bis zum Ende. Mit einem Meer aus Schals und Fahnen und wehmütigen Erinnerungschören an die gute alte Zeit und dem gesammelten Repertoire der Durchhalteparolen. Sie, vergewisserten sie sich, werden immer Borussen sein. Von denen da unten auf dem Rasen erwartet das niemand mehr. Inmitten der Schmach jedoch zeigte die Tribüne Größe und Gespür. Jude Bellingham war nicht mehr als ein Gerücht, als am 29. Februar 2020 das letzte Mal über 80.000 durch die Tore des alten Stadions an der B1 spaziert waren. Doch 763 Tage später hatte er sich in die Herzen der Anhänger gespielt. Als letzter der geschlagenen Spieler trottete er in Richtung Gelbe Wand. Die, wie auch er, nicht wusste, wie sie mit dieser Demütigung umgehen sollte. Zu lange hatten sie auf die Rückkehr gewartet. Pfiffe mischten sich unter die Gesänge, als sich die Mannschaft in sicherem Abstand vor der Tribüne aufbaute. Dann kam Bellingham, der für die meisten bislang nur ein Spieler im Fernsehen gewesen war.

Jetzt, da er sich präsentieren konnte, war es nicht sein Tag gewesen. Einmal hatte er an der Außenlinie alle vernatzt, den Ball gegen einen seiner Vorgänger, Kevin Kampl, nicht nur behaupten, nein, vielmehr entscheidend vortragen können. Doch Erling Haaland hatte den Ball am anderen Ende der Attacke nur neben den Kasten setzen können. So war es die Dankbarkeit für die Leidenschaft, die der Engländer dem Verein eingehaucht hatte, die zu erst zaghaften, bald zärtlichen Jude-Rufen führte. Ohne Wucht, wie alles an diesem Tag, aber mit einem gegenseitigen Verständnis, das dem hinter Bellingham stehenden Haaland komplett abging. Der Norweger, der Publikumsliebling in Pandemiezeiten, stand hinter dem Engländer und schlich sich. Seine Zeit in Dortmund ist abgelaufen. Zutiefst enttäuschend in einem Verein, der immer noch den Worten Jürgen Klopps nachhängt.

Haaland Symbol verfehlter Politik

Der hatte bei seinem Abschied 2015 vom letzten Eindruck gesprochen. Dass es nicht darum gehe, wie man bei seiner Ankunft, sondern ausschließlich darum, wie man bei seinem Abschied gesehen werde. Dem seit dem 22. Januar 2022 torlosen Norweger ist es auf beeindruckende Art und Weise gelungen, seine Geschichte in den Herzen der Dortmunder Fans komplett auszulöschen. Sie wollen ihn, der sich dem Klub längst entzogen hat, nicht mehr sehen.

Er ist der Feind im eigenem Stadion - ein Repräsentant des ultramodernen Fußballs. An diesem nimmt Borussia Dortmund seit langen Jahren als Zulieferverein teil, und deswegen war der Norweger überhaupt erst nach Westfalen gekommen. Er wollte sich im alten Stadion emotional aufladen, um dann den großen Sprung zu wagen. Längst hat er diesen Sprung gemacht, existiert nur noch als schwarzgelbe Hülle. Am Samstag hätte er den BVB trotzdem in Führung bringen können. Doch sein Schuss nach einem Patzer von Mohamed Simakan ging in der 13. Minute am langen Pfosten vorbei. Mehr war von dem Norweger nicht zu sehen. Er ist Sinnbild für die vollkommen verfehlte Politik der Borussia.

Der mit Geschichte aufgeladene, von den Fans abgöttisch geliebte Verein wird von Spielern des Kalibers Haaland seit Jahren für genau diese Vorhaben ausgenutzt. Jedes Mal bleibt ein ausgezehrter Klub mit einem Haufen überteuerter Ergänzungsspieler zurück, die - wie an diesem Samstag - dem Gegner in Spitzenspielen selten etwas entgegenzusetzen haben. Pleiten pflastern in dieser Saison den Weg der Mannschaft. Gegen Leverkusen, gegen Bayern München, gegen Ajax Amsterdam - und nun gegen RB Leipzig.

"Das ist doch typisch", schimpfte einer unter der Tribüne: "Immer, wenn ich von dem Verein emotional etwas erwarte, lässt er mich hängen. Aber es ist wie eine Ehe. Du lässt deine Frau auch nicht einfach fallen, weil es ihr schlecht geht." Doch irgendwann endet alles. In der aktuellen Verfassung ist Borussia Dortmund nicht mehr als ein Traditionsdarsteller, an dem sich die Jungstars des Weltfußballs aufladen, um dann zu verschwinden. Dabei schicken sie die Zuschauer regelmäßig auf miese Trips. Der BVB ist schon lange keine gute Droge mehr.

Quelle: ntv.de

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