Fußball

Peter Lohmeyer über Schalke 04 Emotionale Abrechnung eines leidenden Fans

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Peter Lohmeyer ahnte es schon 2004: Mit dem FC Schalke läuft nie alles ganz glatt.

(Foto: imago images / Weckelmann)

Noch ehe die erste Frage überhaupt gestellt ist, meint Peter Lohmeyer: "Wat soll ich sagen? Der Baum ist gefällt!" Der Schalker und Schauspieler kommt gerade von Dreharbeiten mit Martina Gedeck und Joachim Król. In der Schlussszene hat ihm Król, der bekennende BVB-Fan, einen Malerpinsel auf die Nase werfen müssen. Eine schmerzhafte Erfahrung. Die Nase ist jetzt dick und blutig, doch der Königsblaue kommentiert Króls Aktion gewohnt pointiert: "Typisch, Zecke!"

Ansonsten gehe es ihm gut, meint Lohmeyer, in Hamburg scheine gerade die Sonne. Doch als dann die erste Frage kommt, braucht er einen Moment, um sich zu sammeln. Es geht um Schalke. Da regieren die Gefühle.

ntv.de: Was empfinden Sie gerade als Schalker?

Peter Lohmeyer: Allgemein empfinde ich, wenn ich an Schalke denke, Sehnsucht, Treue und große Emotionen. Wenn ich jetzt aktuell an Schalke denke, dann ziehe ich mich eher davon zurück. Dann will ich da eigentlich nichts mit zu tun haben. Das hat gar nicht so sehr einmal mit den Niederlagen zu tun, sondern damit, wie sich der Verein aktuell präsentiert. Wie glaubhaft der Verein ist – mir und allen anderen gegenüber. Es ist alles sehr schade. So wie ein Freund, der völlig aus der Reihe tanzt.

Worunter leiden Sie aktuell am meisten auf Schalke?

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An den handelnden Personen. Das verstehe ich überhaupt nicht mehr, was da läuft. Was da in letzter Zeit passiert ist, ist nicht mehr zu verantworten. Vor dem Rausschmiss von Herrn Baum hatte ich eigentlich den Rücktritt von Herrn Schneider erwartet. Wie sich der Verein in der Krise bisher dargestellt hat, ist ganz schlimm. Von der Entlassung der Fahrer der jugendlichen Spieler bis hin zu dieser Ticketgeschichte mit dem geforderten Verzicht auf die Kohle. Das ist extrem. Und da muss sich was ändern.

Und sportlich?

Da haben wir jetzt unseren alten Recken am Start, der hoffentlich die Reihen mal schließen wird und vor dem die jungen Spieler Respekt haben. Aber ganz ehrlich: Das andere ist viel wichtiger. Von mir aus können wir auch zweite Liga spielen, aber ich kann mich nicht mit einem Verein identifizieren, der so geführt wird.

Aber wie kommt man aus der Situation wieder raus?

Das Gute ist, dass Kräfte daran wirken, das zu ändern. Es gibt da ein paar Menschen, die sich kümmern. Im Januar wird es einen runden Tisch in Gelsenkirchen geben, zu dem ein Bundestagsabgeordneter eingeladen hat. Und das ist in der derzeitigen Situation auch dringend notwendig. Es gibt auf Schalke Leute, die sich leider nicht benehmen können und damit meine ich die in der obersten Etage. Da funktioniert es einfach nicht mehr. Und man muss dringend darüber reden, was man aus diesem Verein macht. Ob es ein e.V. bleiben soll oder, eine andere Möglichkeit wäre, über eine Genossenschaft nachzudenken. Aber es muss jetzt schnell erst einmal was passieren.

Das hört sich alles nicht gut an.

Nein. Leider. Man könnte sagen: Normalerweise habe ich Spaß an Schalke - und jetzt habe ich den Spaß verloren. Und den Spaß möchte ich wiederhaben. Und das geht nur, nachdem dieser unmögliche Aufsichtsratsvorsitzende endlich weg ist, wenn auch seine langjährigen Gefolgsleute ihre Plätze räumen und der Verein endlich wieder neu aufgestellt werden kann. Dann kann wieder unsere alte, gewohnte Verbundenheit entstehen, an der wir uns festhalten können. Momentan kann man sich da an nichts festhalten – es bröselt alles weg.

Gibt es denn aktuell niemanden auf Schalke, der einem Hoffnung macht?

Dem Einzigen, dem ich vertraue, und das schon seit Jahren, ist der älteste Trainer auf Schalke: Norbert Elgert. Das ist der Coach unserer A-Jugend. Den hätten sie eigentlich vom Vorstand jede Woche einladen müssen, damit er einen Vortrag hält. Man sieht bei ihm die Erfolge und der labert nicht nur. Der lebt den Verein. Das ist für mich ein Leitbild als Mensch. Das ist für mich Schalke. Aber egal, wer jetzt auch nachfolgt: Das sollten Menschen sein, die der Region verbunden sind und im Optimalfall auch Leute, die schon einmal auf dem Rasen in Gelsenkirchen gestanden haben. Wer sich am Ende auch immer durchsetzen wird, ich hoffe einfach nur, dass diese Leute kapieren, dass sich grundsätzlich etwas ändern muss.

Und kurzfristig? Noch einmal die Frage nach dem Sportlichen: Was müsste sich da tun?

Ich hätte mir schon vor Baum einen Trainer wie Dieter Hecking gewünscht, weil ich ahnte, dass die Jungs einen brauchen, vor dem sie Respekt haben und der Tacheles redet. Aber der wird beim Club sicherlich nicht seine Zelte abbrechen, auch wenn wir mit den Nürnbergern befreundet sind. Ich denke nur, dass die Mannschaft nicht so schlecht ist, wie sie sich im Moment präsentiert. Jetzt muss man genau überlegen, wer zu den Jungs passt. Und da wird man wohl eine Autorität benötigen. Mein heimliches Wunschdenken wäre aber immer noch der Elgert, auch wenn der das nie machen wird.

Die Frage muss noch kommen: Ist das die schwerste Zeit, die Sie je auf Schalke erlebt haben?

Ben Redelings

Ben Redelings ist ein leidenschaftlicher "Chronist des Fußballwahnsinns" (Manni Breuckmann) und Anhänger des ruhmreichen VfL Bochum. Der Autor, Filmemacher und Komödiant lebt im Ruhrgebiet und pflegt sein Schatzkästchen mit Anekdoten. Für ntv.de schreibt er dienstags und samstags die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Weitere Informationen zu Ben Redelings, seinen aktuellen Terminen und Projekten gibt es auf seiner Seite www.scudetto.de.

Nein, es war immer schon mal schlimmer. Auch wenn ich da noch ein Köttel war, ich weiß noch, wie Libuda nach Straßburg gehen musste. Wie schrecklich war das denn? Der Bundesligaskandal damals. Zweite Liga war auch nicht wirklich lustig. Bei Regen im Parkstadion stehen, ist noch schlimmer. Und natürlich die vier Minuten.

Und jetzt?

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ich habe ausgerechnet, dass wir von den Punkten her immer noch deutscher Meister werden können. Man muss es mal so sehen: Jedes Spiel in der Hinrunde gewinnst du nicht und dann hast du noch eine ganze Rückrunde. Da freue ich mich richtig drauf. Alle Schalker können sich noch auf die zweite Hälfte freuen. Schlechter geht es ja auch nicht.

Und vorher noch den Rekord von Tasmania holen?

Mich juckt das nicht so sehr. Tasmania ist eine herrliche Geschichte und es ist doch schön, dass die jetzt noch einmal aufgeblättert wurde. Dafür haben wir ja schon einmal gesorgt. Danke Schalke dafür. Aber jetzt ist auch mal gut mit dem Verlieren – und sehen wir uns nicht in dieser Welt, dann sehen wir uns in Bielefeld.

Peter Lohmeyer, herzlichen Dank für das Gespräch!

Mit Peter Lohmeyer sprach Ben Redelings.

Quelle: ntv.de