Fußball

"Nacht, als der Fußball starb" Erdogan wittert Verschwörung bei Krawallen

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Neulich in Istanbul: Fenerbahçes Torhüter Volkan Demirel versucht, die Fans zu beruhigen.

(Foto: imago/VI Images)

Wer trägt die Schuld am Abbruch des Fußballderbys von Istanbul? Die Polizei nimmt einen Mann fest, der Beşiktaş' Trainer Şenol Güneş im Stadion von Fenerbahçe beworfen und verletzt haben soll. Beide Klub-Präsidenten teilen aus, die Empörung in der Türkei ist groß.

Nach den Krawallen beim Derby der türkischen Fußballklubs Fenerbahçe und Beşiktaş in Istanbul hat die Polizei den mutmaßlichen Haupttäter festgenommen. Das berichtet der Sender CNN Türk. Der Mann soll am Donnerstagabend im Şükrü-Saracoğlu-Stadion Gästecoach Şenol Güneş verletzt haben. Er war im Pokalhalbfinal-Rückspiel in der zweiten Halbzeit von einem Gegenstand am Kopf getroffen worden. Medienberichten zufolge musste eine Wunde genäht werden. Inzwischen hat er das Krankenhaus verlassen.

Wie die Zeitung "Takvim" berichtet, gab der festgenommene Mann zu, ein Messer geworfen zu haben. Er habe aber nicht bewusst auf Günes gezielt. Die Polizei nahm zwischenzeitlich 32 weitere Fans fest, 15 von Beşiktaş und 17 von Fenerbahçe. Sie kamen aber wieder frei. Der Vorfall löste in der Türkei große Empörung aus. Die Tageszeitung "Hürriyet" titelte: "Die Nacht, in der der Fußball starb". Ministerpräsident Binali Yildirim sagte nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu: "Der Angriff gegen Beşiktaş-Trainer Senol Günes ist nicht akzeptabel. Ich verurteile ihn scharf."

Beşiktaş' Klubpräsident Fikret Orman hatte nach dem Spiel, das beim Stand von 0:0 abgebrochen wurde, berichtete, Günes sei "sehr niedergeschlagen". Es sei ein "sehr trauriger Tag. Das sollte nicht das Bild unseres Landes in der Welt sein". Orman sprach zudem von einer "Sicherheits-Schwäche" im Stadion. Spieler seien von Sicherheitskräften noch im Tunnel auf dem Weg zu den Umkleiden angegriffen worden.

"Schmutzigen Verschwörung gegen Fenerbahçe?

Aber auch Fenerbahçes Präsident Aziz Yildirim sah seinen Klub als Opfer: Er schäme sich im Namen des Klubs, dass jeder kleinste Vorfall auf dem Rasen genutzt werde, um das Spiel zu unterbrechen. Er kritisierte zudem, dass schon vor dem Abbruch des Spiels Gegenstände auf das Spielfeld geflogen seien und der Schiedsrichter nicht eingegriffen habe. Er sprach von einer "schmutzigen Verschwörung" gegen Fenerbahçe.

Eine Theorie, der offenbar auch der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan anhängt. "Das ist mehr als Fußball-Terror. Da gibt es, ich muss offen sprechen, auch eine Verschwörung", sagte er auf die Frage von Journalisten in Istanbul. "Hier hat natürlich jemand den Terror auf der Tribüne organisiert. Das ist nichts, was aus sich selbst heraus geschehen ist." Details nannte Erdogan aber nicht und führte nur aus, der Angriff auf Güneş sei "nicht zu akzeptieren" und es sei "nicht möglich, das zu verzeihen".

Die Europäische Fußball-Union Uefa kommentierte den Vorfall auf Anfrage nicht - dies sei Sache des türkischen Verbandes TFF. Der nahm zunächst nicht Stellung. Bereits im Hinspiel des Halbfinales, das 2:2 endete, hatte es wegen der unfairen Spielweise beider Mannschaften drei Platzverweise gegeben. Im Rückspiel zeigte der Schiedsrichter nach 30 Minuten wegen einer rüden Attacke die Rote Karte gegen Beşiktaş' Verteidiger Pepe. Sein Teamkollege Ricardo Quaresma wurde bei der Ausführung eines Eckballs von einem Schlüsselbund getroffen, den mutmaßlich Anhänger von Fenerbahçe geworfen hatten.

Ob die Partie wiederholt wird oder für Beşiktaş gewertet wird, das dann ins Endspiel gegen Akhisar Belediyespor einziehen würde, ist noch unklar. Der TTF will das erst am nächsten Mittwoch entscheiden. In der türkischen Liga geht es flugs weiter. Mit Tabellenführer Galatasaray, Beşiktaş, Başakşehir FK und Fenerbahçe kämpfen alle vier Klubs aus Istanbul noch um den Titel. Fünf Spieltage vor Saisonende trennen die Teams nur drei Punkte. Beşiktaş spielt am Sonntag ab 18 Uhr gegen den Tabellenzehnten Yeni Malatyaspor, Fener tritt am Montag ab 19 Uhr gegen den Tabellenelften Antalyaspor an.

Quelle: ntv.de, sgi/dpa/sid

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