Fußball

WM-Countdown (53) Es fährt ein Gratiszug nach Kasan! Nur wie?

AP_17332509441658.jpg

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Mehr als 400.000 kostenlose Bahnfahrkarten warten auf Fußballfans bei der WM. Das ist schön. Weniger schön: Mehr als die Hälfte der Tickets sind schon vergeben. Was tun also, wenn man eine der restlichen Karten haben will?

Kasan, Kasan, wir fahren nach Kasan! Oder nach Sotschi, Jekaterinburg, Rostow am Don, das sprengt nur alles das Versmaß, und das kann ja keiner wollen. Also muss für diesen Text Kasan herhalten, um ein paar Fakten zu erzählen rund um die kostenlosen Bahntickets für WM-Reisende.

Katrin Scheib I

Katrin Scheib.

(Foto: Pascal Dumont)

Mehr als 700 zusätzliche Züge setzt die russische Bahn diesen Sommer ein, um Fußballfans dahin zu bringen, wo ihre Mannschaften spielen. Klar, Fliegen mag schöner sein, aber eben auch teurer, und die Zugtickets gibt es komplett umsonst. Da können nicht mal Billigflieger gegen anstinken, und so eine kostenlose Inlandsreise stopft vielleicht auch das ein oder andere Loch, das die Kosten für Anreise und Unterkunft gerissen haben.

Unsere Kolumnistin

Katrin Scheib ist Journalistin, Schalke-Fan und kommt aus dem Rheinland. Als die deutsche Mannschaft 2014 in Brasilien Fußball-Weltmeister wurde, war sie gerade nach Moskau gezogen. Seitdem bloggt sie unter kscheib.de über ihren Alltag und informiert mit ihrem "Russball"-Newsletter jede Woche über den Fußball und die WM-Vorbereitungen in Russland. Und nun schreibt sie für n-tv.de den Countdown, bis das Turnier am 14. Juni beginnt.

Außerdem ist so eine Zugfahrt ja auch eine gute Gelegenheit, sich mit anderen Fans zu verbrüdern, sich schon mal warmzusingen fürs Stadion und nebenbei ein bisschen was über den Alltag im Gastgeberland zu erfahren. Das Wort "Lastotschka" zum Beispiel, Schwalbe. So heißen die russischen Züge, die für einige dieser kostenlosen Fahrten eingesetzt werden. Man fühlt sich darin wie in einem deutschen Regionalexpress - kein Wunder, denn die Schwalbe wird von Siemens gebaut. Außerdem wird auch der Zugtyp "Strisch" eingesetzt, der Mauersegler. Das ist dann eher das Gegenstück zum ICE, der "Strisch" fährt auch zwischen Moskau und Berlin.

Ob mit der Schwalbe, dem Mauersegler oder einem der älteren eingesetzten Züge - am Ende muss jeder Fußballfan selber entscheiden, wo zwischen "preiswert" und "bequem" die persönliche Schmerzgrenze verläuft: von Moskau in 3 Stunden und 47 Minuten nach Nischni Nowgorod, das sitzt man ja auf einer Backe ab. 26 Stunden und 22 Minuten bis nach Jekaterinburg hingegen, da muss das Geld schon arg knapp sein, das Sitzfleisch sehr ausgeprägt oder die Lust auf ein gemeinsam erlebtes Abenteuer besonders groß.

Kasan liegt irgendwo dazwischen, so zwischen zehn und zwölf Stunden sollte man einplanen, gerne über Nacht. Wer ein Ticket für diese Fahrt will, braucht zunächst einmal eine Eintrittskarte und Fan-ID, dann folgt die Registrierung auf der extra eingerichteten Webseite. Für weitere Fragen (Gibt es Essen? Kann ich mein Kind mitnehmen? Mein Haustier? Meine zwei großen Koffer?) gibt es eine lange FAQ-Liste. Kleiner Tipp: Die russische Version ist um einiges detaillierter (und mit Google Translate ja auch leicht zu verstehen).

Wenn von Kind bis Koffer alles geklärt ist und die Registrierung erfolgreich war, kann man endlich auswählen, zu welchem Spielort man an welchem Tag gerne reisen möchte - und muss jetzt nur noch hoffen, dass es noch Fahrkarten gibt. Denn von den rund 440.000 kostenlosen Tickets sind bereits rund 60 Prozent vergeben, manche Züge sind schon komplett belegt. Gorbis "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben" gilt eben auch für Fahrten nach Kasan.

Alle Folgen des WM-Countdowns finden Sie hier

Quelle: n-tv.de