Trump gegen den IranFIFA-Boss Infantino droht Kontrolle über Fußball-WM zu verlieren

Donald Trump schreibt mal Warnungen, dann wieder warme Worte. Der US-Präsident treibt die Fußball-WM auch durch seinen Angriff auf WM-Teilnehmer Iran vor sich her. Die FIFA steht offenbar devot daneben - ohne Plan B.
Erst war es Donald Trump "völlig egal". Dann versicherte der US-Präsident seinem Kumpel Gianni Infantino, dass Irans Fußballer "natürlich willkommen" seien, ehe er ihnen doch einen WM-Verzicht nahelegte, "wegen ihres eigenen Lebens und ihrer Sicherheit". Nur wenige Stunden später behauptete er schon wieder, alle Teilnehmer würden beim "sichersten Sportereignis" der US-Geschichte wie "Stars" behandelt werden.
Was denn nun? In der Debatte um Irans Teilnahme an der Fußball-WM ringen Washington und Teheran inzwischen erbittert um die Deutungshoheit. Das Turnier, das laut Infantino "ein Symbol der Einheit und des Friedens" werden soll, verkommt inmitten des Nahost-Krieges zu einem politischen Spielball, über den der FIFA-Boss zunehmend die Kontrolle zu verlieren scheint. Nicht umsonst schrieb der britische Independent von der "möglicherweise größten Krise in der Geschichte der Weltmeisterschaft".
Irans Verband bellt direkt zurück
Trump wiederholte zwar, dass Irans Team "willkommen" sei, "aber ich glaube wirklich nicht, dass es angemessen ist - wegen ihres eigenen Lebens und ihrer Sicherheit". Worauf er sich bezog, konkretisierte Trump nicht. Der iranische Verband schoss dennoch umgehend zurück und erklärte, dass - wenn überhaupt - ja ein Gastgeber, der nicht in der Lage sei, die Sicherheit aller Teams zu gewährleisten, ausgeschlossen werden sollte.
Infantino, der sich unterwürfig und beinahe bedingungslos an Trump gebunden hat, wurde in dem iranischen Instagram-Beitrag markiert. Es mag beispiellos sein, dass ein Gastgeber einen Teilnehmer bombardiert und die Vorbereitungen auf eine WM derart massiv belastet. Doch der FIFA-Friedenspreisträger Trump muss keine Konsequenzen befürchten - und das nicht nur, weil sich die FIFA Rekordeinnahmen in Höhe von fast zehn Milliarden US-Dollar verspricht.
Der Guardian sieht Infantinos FIFA, die laut Statuten eine politisch neutrale Organisation sein soll, inzwischen "als aktiven Teilnehmer der PR-Maschinerie" von Trumps autokratischer Machtausübung. Fürsprecher Infantinos betonen stets, der FIFA-Chef könne die Gunst des US-Präsidenten nutzen, um den Erfolg der WM zu garantieren. Weniger als 100 Tage vor dem Anpfiff in den USA, Mexiko und Kanada bleibt dennoch ungewiss, ob und wie Irans Fußballer in Gruppe G überhaupt spielen können.
Infantinos gute Miene zum bösen Spiel
Derzeit deutet wenig auf ein Ende des verbalen Schlagabtausches hin - nicht zuletzt, weil auch die Ziele Irans unklar sind. Offen ist, ob die Boykottdrohung des iranischen Sportministers einzig der Propaganda dient. Bei einer Teilnahme bestünde jedoch die Gefahr, dass die große Diaspora in den USA die WM als Bühne für Proteste gegen die Machthaber der Islamischen Republik nutzen könnte. Das Regime, das Menschenrechtlern zufolge jüngst Tausende Demonstranten getötet hatte, erlitt erst kürzlich eine Niederlage, als das Schicksal der iranischen Fußballerinnen weltweit Schlagzeilen machte.
Viele Fragen bleiben unbeantwortet, ein Plan B der FIFA ist bislang nicht an die Öffentlichkeit gedrungen. Sollte Iran - aus einem der vielen möglichen Gründe - nicht antreten, geben die Regularien dem Weltverband fast freie Hand. Der Irak gilt als wahrscheinlichster Nachrücker, die Vereinigten Arabischen Emirate könnten dessen Platz in den Playoffs übernehmen. Da der Krieg aber auch Flugrouten im Nahen Osten beeinflusst, steht hinter der Austragung des Playoff-Turniers Ende März in Mexiko ein Fragezeichen.
Infantino macht ungeachtet dessen weiter gute Miene zum bösen Spiel. "Wir alle", behauptete der FIFA-Chef, "brauchen eine Veranstaltung wie die Weltmeisterschaft, um die Menschen jetzt mehr denn je zusammenzubringen."