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Geisterstimmung auf Betzenberg Fans schweigen 90 Minuten

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Sie wollen schweigen: Fans des 1. FC Kaiserslautern.

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Das DFL-Sicherheitskonzept ist beschlossene Sache, doch die Fußballfans protestieren weiter. Auch am Wochenende werden sie schweigen. Die Anhänger des 1. FC Kaiserslautern sind so sauer, dass sie die vollen 90 Minuten stillhalten wollen.

Der deutsche Fußball hat ein neues Sicherheitskonzept verabschiedet, getragen von der überwiegenden Mehrheit der Profiklubs in den ersten beiden Ligen. Alles prima also? Keineswegs! Die organisierten Fans fühlen sich übergangen. "Es wird die 12:12-Proteste weiter geben", kündigte Philipp Markhardt, Sprecher der gleichnamigen Kampagne und der Organisation "ProFans" im Gespräch mit n-tv.de vor dem letzten Spieltag dieses Jahres an.

Das heißt: Wie an den vergangenen drei Spieltagen wird es in den Stadien die ersten zwölf Minuten und zwölf Sekunden gespenstisch still sein. "Ich vermute, dass es auch das eine oder andere Spruchband geben wird, das diese Entscheidung kommentiert. Und das werden sicherlich nicht nur nette sein", sagte Markhardt. Die Fanvertretung des 1. FC Kaiserslautern geht sogar noch einen Schritt weiter. Sie plant für den heutigen Abend beim Zweitligaspiel gegen den VfR Aalen, den Stimmungsboykott auf 90 Minuten auszudehnen und so für eine Geisteratmosphäre auf dem sonst so stimmungsvollen Betzenberg sorgen. "Ein klatschendes Operettenpublikum scheint den Funktionären näher als eine lebendige, aber auch kritische Fankultur."

"Dagegen müssen wir uns wehren"

Lauterns Anhänger sind vor allem von Stefan Kuntz enttäuscht, dem Präsidenten des FCK. Der stimmte den Anträgen zu, obwohl die Fans sich explizit dagegen ausgesprochen hatten. "Damit sind wir nicht einverstanden" sagte Sebastian Scheffler von der Fanvertretung gegenüber n-tv.de. "Es wird sich zeigen, ob das durchsetzbar ist und hängt auch vom Spielverlauf ab. Aber zumindest die zwölf Minuten und zwölf Sekunden zuletzt waren kein Problem." Auch wenn sie zahlenmäßig nicht arg ins Gewicht fallen dürften - die Anhänger des Gegners aus Aalen haben laut Scheffler angekündigt, sich dem Boykott anschließen zu wollen.

Die Fans stören vor allem zwei Punkte in dem 16 Anträge umfassenden Papier der Deutschen Fußball-Liga (DFL): Ab der kommenden Saison sind offiziell Ganzkörperkontrollen möglich, bei denen Stadionbesucher sich ausziehen müssen. Und die Vereine können verfügen, dass die Fans der Gastmannschaft weniger als die üblichen zehn Prozent der Eintrittskarten bekommen. "Dagegen müssen wir uns wehren", sagte Markhardt. "Ein eingeschränktes Gästekontingenten zum Beispiel ist ja genau wieder diese Kollektivbestrafung, die die DFL eigentlich ausschließen möchte."

Grundsätzlich geht es den Fans darum, "noch einmal das Zeichen zu setzen, dass wir mit der Entscheidung nicht zufrieden sind. Und wir mahnen, dass in Zukunft bei derartigen Entscheidungen Fanvertreter einbezogen werden". Nun gelte es, die Umsetzung des Sicherheitskonzepts mit den Vereinen zu diskutieren. Ein Ende der Hysterie um die Sicherheit in den Fußballstadien ist für Markhardt nicht in Sicht. "Sobald das nächste Mal etwas passiert, werden die Innenminister der Länder sofort aus der Deckung kommen. Denn die haben Blut geleckt."

Quelle: n-tv.de

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