Fußball

Fiasko mit Fan-Artikeln Fifa erleidet Millionenschaden

Der Fußball-Weltverband Fifa muss wegen seiner gescheiterten Marketingstrategie einen mutmaßlich zweistelligen Millionenverlust hinnehmen. Grund ist die Pleite des Hauptlizenznehmers für Fifa-Fanartikel, dem außerdem Veruntreuung und Urkundenfälschung vorgeworfen werden. Das erste Marketingdesaster des Fußball-Weltverbandes ist es nicht.

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Fifa-Boss Joseph Blatter hatte seinem Verband durch das gescheiterte Marketing-Konzept einst "großartige Möglichkeiten" bescheinigt.

(Foto: REUTERS)

Ein Imageproblem hat Fifa-Präsident Joseph Blatter kürzlich eingeräumt, was eine putzige Beschreibung für den totalen Glaubwürdigkeitsverlust des Fußball-Weltverbandes nach den skandalösen WM-Vergaben ist. Nun plagt Blatter noch ein Problem, das er im Gegensatz zu den massiven Korruptionsvorwürfen gegen seinen Verband nicht einfach aussitzen kann: Der Hauptlizenznehmer der Fifa, die Global Brands Group (GBG), ist pleite. Der Verband verliert dadurch Millioneneinnahmen und muss sein Marketingkonzept komplett überdenken.

Die Fifa bestätigte einen entsprechenden Bericht der Schweizer "Handelszeitung", wollte sich aber nicht zur Höhe der Verluste äußern. Damit steht unwidersprochen die Meldung im Raum, dass sich das Minus auf einen zweistelligen Millionenbetrag belaufen wird. Laut "Handelszeitung" hat die Firma aus Singapur seit Monaten kein Geld mehr überwiesen.

Die Fußball-Weltverband, der inzwischen Kontakt zum Insolvenzverwalter der GBG aufgenommen hat, formuliert das weniger konkret: "Ein beträchtlicher Teil der Lizenzeinnahmen für die Weltmeisterschaft 2010 ist der Fifa nicht bezahlt worden. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass die Fifa noch Geld erhält." Bei der WM 2006 in Deutschland hatte die Fifa 33 Millionen Euro an den Lizenzen verdient.

Nie in den schwarzen Zahlen

Die Fifa hatte die Global Brands Group im Jahr 2005 zum Hauptlizenznehmer für Fanartikel gemacht. Jedes Unternehmen, das Produkte wie T-Shirts oder Maskottchen mit dem Fifa-Logo verkaufen wollte, musste bei der GBG eine Lizenz dafür erwerben. Auch für die WM 2014 in Brasilien sollte die GBG das Fanartikel-Geschäft organisieren.

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Dank der Global Brands Group sollte die Fifa weltweit als Modemarke erstrahlen.

(Foto: dpa)

Die Idee hinter der Zentralisierung war simpel: Parallel zur Expansionsstrategie auf dem Rasen, die mit den WM-Vergaben an Russland und Katar aggressiv vorangetrieben wird, sollte die GBG weltweit eine eigene Mode-Marke der Fifa etablieren. Ziel des grandios gescheiterten Marketingkonzepts war es, die Merchandising-Einnahmen in den Jahren ohne Weltmeisterschaften zu steigern. Aus diesem Grund eröffnete die GBG weltweit Läden, arbeitete mit Supermarktketten zusammen und entwarf eigene Kleiderkollektionen.

Fifa-Boss Blatter sah "großartige Möglichkeiten", tragfähig war das Geschäftsmodell nicht. Laut "Handelszeitung" schrieb die Global Brands Group nie schwarze Zahlen, bis Ende 2008 beliefen sich die Gesamtverluste bereits auf 100 Millionen Dollar. Die leitenden Manager sollen sich dennoch üppige Gehaltszahlungen in Millionenhöhe genehmigt haben. Nach der WM in Südafrika ging der GBG dann endgültig das Geld aus. Bei der Staatsanwaltschaft Zug wurde der "Handelszeitung" zufolge inzwischen eine private Strafanzeige gegen die leitenden GBG-Manager eingereicht. Dabei gehe es um die Vorwürfe der Veruntreuung und Urkundenfälschung.

Die Fifa erklärte nun, "erst kürzlich Kenntnis von der finanziellen Situation von GBG" erhalten zu haben. Den Ruf der Marke Fifa sieht der Weltverband schwer beschädigt, über die Situation sei man besorgt. Völlig unklar ist, wie der Fußball-Weltverband seine ambitionierten Modepläne fortführen will und welches Lizenzmodell für die WM 2014 gewählt wird.

Nächstes Marketing-Fiasko

Das erste Marketing-Fiasko der Fifa ist der Konkurs der Global Brands Group nicht. Im Dezember 2006 urteilte ein New Yorker Gericht, dass der Fußball-Weltverband seinen langjährigen Sponsor Mastercard vertragswidrig ausgebootet hatte und verhängte eine Strafe von 100 Millionen Dollar gegen die Fifa. Denn obwohl Mastercard ein Vorkaufsrecht auf die Weltmeisterschaften 2010 und 2014 hatte, schloss die Fifa einen Vertrag mit Konkurrent Visa ab.

Das Gericht nannte den Vertragsbruch unredlich und stellte fest, dass der damalige Marketingchef Jerome Valcke während der Verhandlungen wiederholt gelogen hatte. Geschadet hat es Valcke nicht. Wenige Monate nach dem selbstverschuldeten Finanzdesaster wurde der zwischenzeitlich gefeuerte Franzose von Fifa-Boss Blatter nicht nur begnadigt, sondern sogar befördert: zum Fifa-Generalsekretär.

Quelle: n-tv.de, mit sid

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