Fußball

Brutale Fanattacke mitten im Spiel Fußballer sieht Rot für Selbstverteidigung

Im Tel Aviver Fußball-Derby wird ein Spieler auf dem Platz von einem Fan angegriffen. Als er sich wehrt und dafür Rot sieht, gerät die Situation komplett außer Kontrolle. Das Spiel muss abgebrochen werden. War der Platzverweis korrekt?

Die Entscheidung des israelischen Schiedsrichters, Maccabi-Profi Eran Zahavi im Tel Aviver Fußball-Derby nach seiner Selbstverteidigung gegen einen Fan die Rote Karte zu zeigen, war regelkonform und alternativlos. Zu dieser Einschätzung kommt n-tv.de Schiedsrichter-Experte Alex Feuerherdt. "Selbstverteidigung" sei auf dem Fußballplatz und im Regelwerk schlicht nicht vorgesehen.

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Eran Zahavi wurde wiederholt attackiert, Als er zurücktrat, flog er vom Platz - regelnkonform.

(Foto: AP)

"Die Regeln unterscheiden auch nicht zwischen einer Tätlichkeit im Angriff und einer Tätlichkeit in der Verteidigung, das muss man leider so sagen", sagte Feuerherdt: "So legitim das gewesen ist, was er getan hat, so illegal ist es laut den Spielregeln."

Für Feuerherdt, Autor unserer Kolumne "Collinas Erben", ist Rot bei tätlichen Attacken von Spielern - auch bei Notwehr - die einzig mögliche Entscheidung. "Will man wirklich vom Schiedsrichter verlangen zu entscheiden, wie weit darf das jetzt gehen und ab wann ist es sozusagen verboten?" Das sei "ein Ding der Unmöglichkeit".

Erst Platzverweis, dann Platzsturm

Das Derby zwischen Hapoel und Maccabi Tel Aviv am Montagabend war nach dem Platzverweis für Zahavi eskaliert. Zahavi war in der 34. Minute von einem auf den Platz gestürmten Fan tätlich angegriffen worden. Zuvor hatte der Stürmer, früher für Hapoel aktiv, den Ausgleich zum 1:1 erzielt. Weil sich der Spieler gegen die wiederholten Attacken schließlich mit einem Fußtritt wehrte, wurde er vom Schiedsrichter des Feldes verwiesen.

Danach eskalierte die Situation auf und neben dem Platz. Nachdem auch Fans von Maccabi auf den Platz stürmten, wurde das Spiel abgebrochen. Insgesamt 12 Personen wurden verhaftet.

Zahavi und seine Familie wurden aus Sicherheitsgründen unter Polizeischutz gestellt. Wie die Nachrichtenseite "ynet" meldete, soll auch Hapoel-Kapitän Shay Abutbul von Maccabi-Fans bedroht worden sein. Hapoels Manager Eyal Berkovic verurteilte die Attacke auf den Spieler scharf: "Ich sage schon seit Jahren, dass Derbys hier fast wie Kriege sind. Das ist ein schwarzer Tag."

Schlägereien vorm Gericht

Bei der Verhandlung gegen die festgenommenen Fußballfans kam es am Tag nach dem Eklat vor dem Amtsgericht in Tel Aviv zu weiteren Ausschreitungen. Wie "ynet" berichtete, lieferten sich Fans von Maccabi und Hapoel eine Schlägerei. Sie sollen auch Gürtel und Holzstöcke benutzt haben. Es gab weitere Festnahmen.

Die Untersuchungshaft des 35-jährigen Fußballfans, der Zahavi angegriffen haben soll, verlängerte das Amtsgericht Tel Aviv um drei weitere Tage. Der Richter sagte "ynet" zufolge, der Angriff auf den Fußballer sei "gekennzeichnet von roher, ungezügelter Gewalt". Der Verdächtige stelle eine Gefahr dar.

Der israelische Fußballverband Ifa will im Laufe der Woche über Sanktionen gegen beide Klubs entscheiden. Israels Justizministerin Tzipi Livni kündigte an, dass die Vorfälle strafrechtlich untersucht werden. Nach Möglichkeit sollen "abschreckende" Urteile verhängt werden, da Gewalt im Sport sich zur "nationalen Plage" entwickele.

Quelle: ntv.de, cwo/sid/dpa

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