Fußball

Ganze Generation erlöstAuf quälende Leidenszeit folgt türkische Ekstase

01.04.2026, 11:19 Uhr
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Türkische Fans feiern in Köln. (Foto: IMAGO/Jan Huebner)

Die türkische Fußball-Nationalmannschaft schreibt Geschichte und löst erstmals seit 2002 wieder ein Ticket für die Weltmeisterschaft. Auch in Deutschland wird dieses Kunststück tüchtig gefeiert. Präsident Recep Tayyip Erdogan träumt schon vom Finale.

24 Jahre mussten die türkischen Fans auf diesen Moment warten. Am späten Dienstagabend war es dann so weit: Die Fußball-Nationalmannschaft der Türkei hat sich wieder für eine Weltmeisterschaft qualifiziert. Nach einem hart erkämpften 1:0 (0:0) im Kosovo zog das Team von Trainer Vincenzo Montella das ersehnte Ticket nach Amerika.

Damit wird eine ganze Generation türkischer Fans erlöst, was auch in Deutschland ausgiebig gefeiert wurde. In Berlin und weiteren großen Städten feierte die türkische Community den Erfolg der Fußballer. In Autokorsos bejubelten die Anhänger ihr Team, legten teilweise den Verkehr lahm. In der Hauptstadt wurden vor allem der Kurfürstendamm und der Breitscheidplatz zur Party-Zone - samt Autokorsos, Fahnen und Gesängen. Nach Polizeiangaben wurde vereinzelt Pyrotechnik und Feuerwerk gezündet, die Lage soll aber weitgehend friedlich geblieben sein.

Auch in vielen Städten NRWs zogen Fußballbegeisterte in die Straßen. Die Polizei in Dortmund teilte dem "WDR" mit: "Jedes Mal, wenn die Türkei fußballerisch irgendwas reißt, wird Dortmund stillgelegt." Köln meldete Anrufe wegen Ruhestörung. In der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart feierten Hunderte türkischer Fans in der Nacht auf Mittwoch mit Fahnen, Hupkonzerten und Autokorsos die WM-Qualifikation.

Erinnerungen an 2002

Die Türken sind erstmals seit 2002 für eine WM-Endrunde qualifiziert, sie treffen in der Gruppe D auf Gastgeber USA, Paraguay und Australien. Auch die Spieler feierten nach dem 1:0 gegen Kosovo das Ende ihrer quälenden Leidenszeit stürmisch. Torschütze Kerem Aktürkoglu (57.) von Fenerbahce Istanbul stieg mit dem Siegtor zum Volkshelden auf.

Der WM-Teilnehmer von 1954 und 2002 hoffte in dem Playoff-Showdown lange auf einen erneuten Geniestreich von Arda Güler. Der Star von Real Madrid hatte das Halbfinale gegen Rumänien (1:0) mit einem Traumpass entschieden. Letztlich war es dann aber Aktürkoglu, der den Ball als Abstauber mit etwas Glück über die Linie schob.

Auf die bisher letzte WM vor 24 Jahren blickt die Türkei mit viel Stolz zurück. Das Team um den damaligen Superstar Hakan Şükür wurde sensationell WM-Dritter. Erst im Halbfinale scheiterte die Mannschaft am späteren Weltmeister Brasilien. Im Spiel um Platz drei feierte die Türkei einen 3:2-Sieg gegen Südkorea. Im Sommer hoffen die Fans auf ein neues Türkei-Märchen.

Erdogan schielt schon aufs WM-Finale

Staatschef Recep Tayyip Erdogan träumt sogar schon vom großen Coup. Der türkische Präsident hofft beim Turnier in den USA, Mexiko und Kanada auf den Einzug ins Endspiel. "Ich wünsche unserer Nationalmannschaft, die nach 24 Jahren auf dieser größten Fußballbühne unsere Sternen- und Halbmondflagge hissen wird, viel Erfolg in den Gruppenspielen gegen Australien, Paraguay und die USA und anschließend in den Spielen, in denen wir hoffentlich bis ins Finale vordringen werden", teilte Erdogan in einem Statement mit. "Wir sind fest davon überzeugt, dass unsere Jungs wie immer das Trikot mit Halbmond und Stern von Sieg zu Sieg tragen und unsere Nation stolz machen werden", sagte Erdogan: "Ich küsse alle unsere Athleten auf die Stirn."

Der türkische Verbandspräsident Ibrahim Haciosmanoglu würdigte den Zusammenhalt der Mannschaft um Jungstar Güler - und ging mit seiner Zielsetzung sogar noch einen Schritt weiter als Erdogan. "Wenn man sich die Nationalmannschaft ansieht, sie lieben sich alle. Alle sind Freunde. Sie wissen, dass es ihr einziges Ziel ist, dieser geliebten Nation Freude zu bereiten", betonte Haciosmanoglu und ergänzte: "Wir fahren in die USA und werden den Pokal mit zurück in die Türkei bringen."

Quelle: ntv.de, msc/dpa/sid

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