Fußball

Trotzig gegen scheinheilig Götze folgt Ruf Guardiolas

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(Foto: dpa)

Dass einer der besten Fußballspieler zum besten Verein wechselt, ist spektakulär, aber im Grunde wenig überraschend. Demnächst spielt Mario Götze also für den FC Bayern. Dortmunds Trainer Jürgen Klopp scheint es vorher geahnt zu haben.

Als die Fußball-Bundesliga in der vergangenen Woche erhitzt die drohenden spanischen Verhältnisse diskutierte, auf freundliche Anregung von Uli Hoeneß, dem Präsidenten des FC Bayern, da brachte Jürgen Klopp ein anderes Land ins Spiel. "Spätestens am Anfang der nächsten Saison, wenn der Kader von Bayern München bekanntgegeben wird, wird man feststellen, dass der Vergleich nicht passt", sagte der Trainer vo n Borussia Dortmund: "Ich glaube eher an schottische Verhältnisse." Also an die absolute Dominanz der Münchner.

Was in der vergangenen Woche noch wie das von Klopp perfektionierte BVB-Understatement klang, hört sich plötzlich ganz anders an. Um es vorsichtig zu formulieren: Als ob er es geahnt hätte. Jetzt ist der spektakulärste Transfer des Jahres perfekt. Der FC Bayern München hat Borussia Dortmunds Fußball-Nationalspieler Mario Götze zur nächsten Saison verpflichtet und beschert dem neuen Startrainer Josep Guardiola den Spieler, den er sich gewünscht hat. Und die Münchner haben das getan, was sie seit jeher tun, wenn sie sich in ihrer Vormachtstellung bedroht sehen: Sie kaufen der Konkurrenz die besten Spieler weg.

Dass einer der besten Spieler des Landes zum besten Verein des Landes geht, ist zwar in diesem Fall spektakulär, aber im Grunde wenig überraschend. Früher oder später landen sie alle beim FC Bayern, so läuft das Geschäft. Auch wenn die Dortmunder zuletzt im Fall Marco Reus wenigstens einmal die Nase vorne hatten. Aber welcher Profi auf diesem Planeten würde lange nachdenken, wenn ein Mann wie Josep Guardiola, der mit dem FC Barcelona eine Erfolgsära geprägt hat, ihn in seiner Mannschaft haben will? Selbst wenn der aktuelle Trainer Jürgen Klopp heißt. Und: Mario Götze, das begründet seinen Ausnahmestatus, ist mit seinen 20 Jahren schlicht und ergreifend bereits so gut, dass er mit einem Wechsel auf allerhöchstes Niveau nicht warten muss.

"Wir kalkulieren Angriffe aus München ein"

Noch hat sich der FC Bayern, dessen Fußballer - das nur nebenbei - heute im Halbfinale der Champions League (ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) gegen den FC Barcelona spielen, zu seinem Coup nur kurz geäußert. Der Verein "ist bereit, die zwischen Borussia Dortmund und Mario Götze vereinbarte Ausstiegsklausel zu erfüllen". Dafür sah sich der BVB zu einer ausführlichen Stellungnahme gezwungen, nachdem die "Bild"-Zeitung exklusiv über den Wechsel berichtet hatte. "Wir sind natürlich über alle Maßen enttäuscht, betonen aber, dass sich sowohl Mario als auch sein Berater absolut vertragskonform verhalten haben", sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Vom FC Bayern hingegen habe sich bis heute niemand in dieser Angelegenheit bei Borussia Dortmund gemeldet.

Götze besitzt beim Champions-League-Halbfinalisten aus Dortmund zwar noch bis 2016 einen Vertrag, kann den BVB dem Vernehmen nach aber für eine fixe Ablösesumme von 37 Millionen Euro in diesem Sommer verlassen. Sollten diese Zahlen stimmen, wäre Götze der teuerste Spieler, der je von einem Bundesligaklub zu einem anderen gewechselt ist. In ihrer Not versuchen die Dortmunder nun, ein für sie positives Signal in die Welt zu senden. Zumindest Torjäger Robert Lewandowski soll bleiben. "Es ist mein absoluter Wunsch, dass er nächste Saison beim BVB spielt", sagte Watzke der "Sport Bild".

Ansonsten aber herrscht Ernüchterung beim Revierklub. "Bayern wird weiter an die Top-Talente herangehen." Die Strategie der Münchner bleibe gleich. "Wir kalkulieren Angriffe aus München ein. Allen Solidaritätsaussagen zum Trotz", sagte Watzke. "Wir versuchen uns aber mit unseren Mitteln zu wehren. Unsere Spieler müssen dann entscheiden, welcher Verein das bessere Paket darstellt." Da schwingt schon ein wenig Trotz mit, wenn der Klub in einem Statement verlauten lässt: Der BVB lässt sich jetzt erst recht nicht vom großen Traum ablenken, mit einer außergewöhnlichen, seit Jahren entwickelten und an ihren Aufgaben stets gewachsenen Mannschaft im morgigen Halbfinale der UEFA Champions League den Grundstein für eine Überraschung zu legen und ins Endspiel im Londoner Wembley-Stadion einzuziehen."

Die Bayern aber haben nun demnächst nicht nur einen sehr guten Spieler mehr. Ihnen ist auch ein grandioses Ablenkungsmanöver gelungen. Während Präsident Uli Hoeneß die Schlagzeilen beherrscht, weil er Steuern hinterzogen haben soll, steht nun auf einmal die Causa Götze ganz oben auf der Tagesordnung. Ob es wohl ein Zufall ist, dass ausgerechnet ein Reporter, der bei der "Bild"-Zeitung für die Bayern zuständig ist, als erster über den anstehenden Transfer berichtete? Da klingt es fast schon scheinheilig, wie die Münchner es begründen, dass sie im Moment nichts sagen. Und eigentlich auch gar nichts sagen wollten. Nämlich aus Rücksicht auf das Halbfinalspiel in der Königsklasse zwischen Dortmund und Real Madrid an diesem Mittwoch.

Quelle: ntv.de, mit dpa und sid