Forsche Töne nach dem 0:8HSV will "Gladbach aus dem Stadion hauen"

Die Demütigung in München beim FC Bayern schmerzt. Aber vielleicht lässt sich der HSV ja im DFB-Pokal gegen Gladbach etwas einfallen. Trainer Markus Gisdol hat da eine Idee. Bleibt das Problem, dass der Gegner gut und erfolgreich Fußball spielt.
Am erschütternden 0:8 beim FC Bayern in der Bundesliga kann der HSV nichts mehr ändern, die Demütigung bleibt eine Demütigung. Aber wenn es heute (ab 18.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) im Viertelfinale des DFB-Pokals gegen Borussia Mönchengladbach geht, könnten sich die Hamburger ja bemühen, es ein wenig besser zu machen. Das ist eine Idee, die auch ihrem Trainer Markus Gisdol gefällt: "Es ist eine Chance, außerhalb von Alltagsstress und ohne Tabellendruck im Pokal zu spielen." Er hat erkannt: "Es ist eine große Sache, du kannst ins Halbfinale einziehen."
Da passt es prima, dass Bobby Wood nach seiner Verletzung am Oberschenkel und Kyriakos Papadopoulos nach seiner Schulterverletzung wieder mitmachen können. Kein Spieler werde im Pokal geschont, sagt Gisdol: "Von der ganzen Mentalität her ist Papa enorm wichtig für uns." Innenverteidiger Johan Djourou, in München völlig überfordert, sitzt wieder auf der Ersatzbank. "Der eine oder andere braucht nun deutliche Worte, wieder andere müssen aufgebaut werden." Vor mehr als 50.000 Zuschauern soll Gisdols Mannschaft zu Hause am besten wieder so ordentlich bis gut spielen wie im Pokal-Achtelfinale gegen den 1. FC Köln (2:0) und in der Liga gegen den TSV Bayer 04 Leverkusen (1:0) anknüpfen. Wenn das nur so einfach wäre.
"Nichts gewinnen, nur etwas verhindern"
Vor zwei Jahren gab es eine ähnliche Konstellation, was zu einem guten Teil daran liegt, dass der HSV mit gewisser Regelmäßigkeit hoch bis sehr hoch verliert. Eine Woche nach dem 0:8 gegen die Münchner jedenfalls zeigten die Hamburger seinerzeit in der Liga gegen Gladbach eine gute Reaktion und kassierten erst in der Nachspielzeit das 1:1. Dennoch blieb das Team acht Spiele ohne Sieg und rettete sich am letzten Spieltag in die Relegation. "In unserer Situation können wir nichts gewinnen, nur etwas verhindern. Wir haben jedenfalls harte Monate vor uns", sagte Sportchef Jens Todt der "Bild"-Zeitung. Verteidiger Mergim Mavraj will ein anderes Gesicht seiner Mannschaft sehen: "Wir müssen bereit sein, Gladbach aus unserem Stadion zu hauen".
Finanziell käme es den hoch verschuldeten Norddeutschen gerade recht. Zu den bisher zwei Millionen Euro Einnahmen für das Viertelfinale kämen vom DFB 2,55 Millionen Euro für die Runde der letzten Vier hinzu. Doch Gisdol hat großen Respekt vorm Gegner: "Gladbach ist vom Niveau her Champions League". Die vergangenen drei Pokal-Duelle gegen die Fohlen gewann der HSV jedoch, zudem kassierten sie im Pokal in dieser Spielzeit - wie die Gladbacher - noch kein Gegentor. Allerdings kommt die Elf vom Niederrhein mit der Empfehlung von fünf Auswärtssiegen in Serie nach Hamburg. "Wir brauchen einen perfekten Abend, um das Halbfinale zu erreichen. Aber wir sind selbstbewusst genug, um zu sagen, dass wir die Chance haben, die nächste Runde zu erreichen", sagte Trainer Dieter Hecking, der vor seinem zehnten Pflichtspiel mit seinem neuen Klub steht.
Dabei muss er allerdings weiter auf Thorgan Hazard verzichten. Der Belgier hatte sich im Europaliga-Spiel beim AC Florenz eine schmerzhafte Knie- und Schienbeinverletzung zugezogen und steht frühestens am Samstag gegen Schalke wieder zur Verfügung. Die 0:8-Niederlage der Hamburger in München spiele keine große Rolle, sagt Borussias Trainer. "Das ist ein anderer Wettbewerb und ein neues Spiel. Wir brauchen einen perfekten Abend und stellen uns auch auf 120 Minuten ein." Sportdirektor Max Eberl warnt aber davor, den Gegner zu unterschätzen. "Der Weg nach Europa wird kürzer, aber die Hürden werden höher."