"Mehr geredet als gespielt"Hoeneß verteilt Seitenhieb gegen Thomas Müller

Thomas Müller steigt über ein Vierteljahrhundert beim FC Bayern zur Klubikone auf, später wird er vom Hof geschickt. Der ewige Klubpatron Uli Hoeneß passt es nicht, wie das Finale einer Ära abläuft.
Lange war Thomas Müller aus der Startformation des FC Bayern nicht wegzudenken, in seiner letzten Saison im Trikot des deutschen Rekordmeisters war der Weltmeister unter Vincent Kompany aber oftmals außen vor. 2024/25 stand der Angreifer zwar noch in 44 Pflichtspielen für die Münchner auf dem Platz, durfte allerdings nur 17-mal von Beginn an ran.
Seine sportliche Bedeutung auf dem Feld hielt längst nicht mehr Schritt mit dem fürstlichen Salär, das Müller bei seinem Klub einstrich. Schließlich verkündete der FC Bayern, dass die Gespräche über eine Verlängerung nicht zu einem Ergebnis geführt hätten - obwohl Müller anschließend versicherte, gerne noch ein 26. Jahr in München gespielt zu haben.
Dass Müller in seinem letzten Bayern-Jahr nicht mehr über eine Jokerrolle hinaus kam und trotzdem in den letzten Monaten seiner Ära beim Rekordmeister das bestimmende Thema war, veranlasst Ehrenpräsident Uli Hoeneß rund neun Monate nach dem Müller-Wechsel nach Kanada zu einer kleinen Stichelei. "Thomas hat ja am Schluss mehr geredet als Fußball gespielt. Am Schluss war er nur noch der Pressesprecher", verpasste der Klub-Patron dem Ex-Nationalspieler im "DAZN"-Interview einen Seitenhieb.
Hoeneß habe zwar "gar kein Problem" mit der Art der Bayern-Ikone, aber "er hat es schon geschickt verstanden, sich persönlich super zu verkaufen, auch zu einem Zeitpunkt, wo er bei uns schon auf der Bank saß", legte der 74-Jährige nach.
Trotz gegenteiliger Beteuerungen wenige Monate zuvor hatte Sportvorstand Max Eberl im März 2025 das Aus für den "Raumdeuter" verkündet - und damit den Zorn der Fans auf sich gezogen. Es habe nichts mit dem Finanziellen zu tun gehabt, und auch das Sportliche sei nicht "das alles Entscheidende", hatte Eberl im Sport1-"Doppelpass" erklärt.
"Hatte ich mir anders vorgestellt"
Inzwischen spielt Müller seine zweite Saison für die Vancouver Whitecaps in der MLS. Eine Rückkehr an die Säbener Straße in neuer Funktion steht weiter auf der Agenda - auch wenn der einst allmächtige und auch nach seinem Abschied aus dem operativen Geschäft einflussreiche Ehrenpräsident Hoeneß andere Pläne für Müllers Lebensweg nach dem FC Bayern hatte: "Er hatte von mir ein Angebot, nachdem er aufgehört hat, irgendwann eine Funktion im Verein zu übernehmen. Ich hatte mir das allerdings etwas anders vorgestellt. Nicht direkt die Vancouver Whitecaps, sondern zunächst einmal ein halbes Jahr Pause – so etwas wie ein Sabbatical", sagte Hoeneß.
Wäre es nach dem Bayern-Patron gegangen, hätte Müller erstmal auf Wanderschaft gehen sollen: "Ich hatte mir gedacht, er geht zum Beispiel sechs Wochen zur NBA, sechs Wochen in die MLS, sechs Wochen in die NFL oder auch zu Vereinen wie Manchester United, die marketingseitig hervorragend aufgestellt sind. Wenn er all diese Eindrücke gesammelt hätte, hätten wir gemeinsam die passende Position für ihn im Verein gesucht." Müllers Vertrag in der MLS läuft noch bis Ende des Jahres. Ob er darüber hinaus seine Karriere fortsetzen wird, hat der 36-Jährige noch nicht durchblicken lassen.