Fußball

Comebackpleite für Koloss-Keeper Hördegen wird zu Wieses "Alptraum"

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Ein Keeper-Koloss in Action. Tim Wiese spielt wieder Fußball.

(Foto: imago/DeFodi)

So hat sich Tim Wiese sein Comeback im Kasten ganz sicher nicht vorgestellt. Im bayrischen Kreisliga-Derby unterliegt der ehemalige Fußball-Nationalspieler mit dem SSV Dillingen gegen Haunsheim. Auch weil Wiese seinen "Alptraum" persönlich kennenlernt.

Mehrere Übertragungswagen, Kamerateams aus Deutschland und England, ein Dutzend Fotografen, jede Menge Reporter und weit über 1000 Zuschauer im Donaustadion: Das Comeback von "The Machine" Tim Wiese hat Dillingen an der Donau ungewohnte Aufmerksamkeit geschenkt. Bei seiner Rückkehr zwischen die Pfosten nach dreieinhalbjähriger Abstinenz musste der 35 Jahre alte Ex-Nationaltorwart nach seinem Wrestling-Abenteuer mit dem Achtligisten SSV Dillingen allerdings eine 1:2 (0:1)-Derbypleite in der Kreisliga Bayern gegen den TSV Haunsheim hinnehmen.

Dabei wurde der sechsmalige Nationalspieler in den ersten 20 Minuten wenig geprüft. Nachdem Wiese, der mit der Rückennummer 99 und komplett im rosa Dress auflief, sein Team dann aber in der 22. Minute mit einer tollen Parade vor einem Rückstand bewahrt hatte, war der frühere Bremer und Hoffenheimer zwei Minuten später beim 0:1 von Robin Hördegen machtlos. Der TSV-Torjäger, der zwischenzeitlich schon ausgewechselt war, entschied die Partie dann in der 78. Minute mit seinem 13. Saisontreffer. Hördegen, hatte vor dem Spiel in der "Bild"-Zeitung vollmundig angekündigt: "Wiese wird die nächsten drei Wochen Alpträume von mir haben." Der 23-Jährige wurde dann in der Tat zum Schreckgespenst für Wiese.

"Bundesliga könnte ich locker noch spielen"

"Es war, als wenn ich nie weg gewesen wäre", sagte Wiese nach dem Schlusspfiff. "Ich habe mich sicher gefühlt und schon im ersten Training gedacht: Wieso hab ich so früh aufgehört? Bundesliga könnte ich ja locker noch spielen", sagte Wiese scherzhaft. Daran, dass das Spiel für die Dillinger verloren ging, sei die Mannschaft "ein wenig selbst Schuld" gewesen. "Das Feuer brennt, aber leider haben wir es heute hier verpennt."

Der 120-Kilo-Koloss Wiese, der nach seinem Gastspiel für die Schwaben beide Mannschaften zu einer Aftershow-Party in einen Augsburger Klub eingeladen hatte, konnte sich vor den Augen von DFB-Vizepräsident Rainer Koch nur noch wenig auszeichnen. Der Verzweiflung nahe verfolgte er, wie seine Vorderleute ein ums andere Mal aus aussichtsreicher Position an seinem starken Gegenüber Matthias Mönle im Kasten des Aufsteigers scheiterten, der nur durch einen Foulelfmeter bezwungen werden konnte. Wiese schaltete sich in der Schlussphase in die Angriffe seiner Mannschaft ein, am Ende konnte er die Niederlage der Hausherren nach zuvor zwei Siegen aber nicht verhindern.

Die Abstiegsgefahr hat sich für Dillingen dadurch wieder vergrößert. "Das habe ich mir natürlich anders vorgestellt", sagte Wiese nach dem Schlusspfiff. Wieses letzter Einsatz als Profi datiert vom 26. Januar 2013. Für 1899 Hoffenheim gegen Eintracht Frankfurt (1:2). Die folgende Abschiebung in die unrühmliche "Trainingsgruppe 2" der Kraichgauer war so etwas wie der Startschuss für Wieses Karriere nach der Karriere.

Quelle: ntv.de, tno/dpa/sid