Fußball

Rauswurf von Klubidol Ehrmann Jetzt geht es beim FCK wirklich rund

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Gerry Ehrmann war die Integrationsfigur beim FCK - und formte eine Reihe hervorragender Torhüter.

(Foto: imago images/Jan Huebner)

Der 1. FC Kaiserslautern ist der Klub von Fußball-Legende Fritz Walter, als einziger Verein wird er als Aufsteiger Deutscher Meister. Die jüngere Vergangenheit ist aber trostlos, geprägt von permanentem Aufruhr. Eine Personalie hebt den Ärger nun aber auf eine neue Ebene.

Wenn die treuen Fans des 1. FC Kaiserslautern ihrem Unmut über sportliche Misserfolge in den vergangenen Jahren Luft machen wollten, skandierten sie "Außer Gerry könnt ihr alle gehen". In der Westkurve werden sich die Anhänger wohl einen neuen Ruf überlegen müssen, denn ihr "Gerry" musste jetzt selbst gehen. Die Vereinslegende Gerald "Gerry" Ehrmann wurde am Sonntag von seinen Aufgaben beim Traditionsverein aus der Pfalz entbunden. Der Torwarttrainer musste nach einem Disput mit Chefcoach Boris Schommers gehen – und deshalb hat der Klub jetzt ein großes Problem mit dem eigenen Anhang.

Am vergangenen Wochenende sahen sich auf dem Betzenberg knapp über 15.000 Menschen das 0:0 des FCK in der Dritten Liga gegen den FSV Zwickau an. Die Lauterer sind dem Abstieg in die Regionalliga tabellarisch näher als dem Aufstieg in die 2. Bundesliga. Weniger Zuschauer hatten die Pfälzer in einem Ligaheimspiel schon über 30 Jahre nicht mehr gehabt – und doch ist die Anhängerschaft ein wichtiges Faustpfand angesichts des stetigen sportlichen Niedergangs in den vergangenen Jahren. Über dem Klub schwebt dauerhaft die Angst vor dem finanziellen Kollaps, so dass die Unterstützung durch die Menschen in Kaiserslautern und der gesamten Region eine Konstante darstellt. Durch die Trennung von Ehrmann ist die fragil geworden.

"Ohne Gerry kein FCK! Schommers raus"

Es dauerte am Sonntag nur wenige Stunden, ehe am Fritz-Walter-Stadion vor der Geschäftsstelle des Klubs ein Plakat hing. "Ohne Gerry kein FCK! Schommers raus", stand dort zu lesen. Direkt darunter hing ein weiteres Plakat mit den Worten: "Schämt euch!"

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Die Menschen in Kaiserslautern lieben Ehrmann, denn er steht für zwei Dinge. Als Torwart stand er zwischen 1984 und 1996 für den FCK auf dem Platz, gewann den DFB-Pokal und feierte eine Meisterschaft. "Gerry" gehörte einer Mannschaft an, die nationale Spitze war – davon ist der 1. FC Kaiserslautern inzwischen weit entfernt. Seit 1996 ist Ehrmann Torwarttrainer bei den Roten Teufeln – und hielt seinem Klub trotz des Absturzes in die Dritte Liga immer die Treue. Niemand im Klub steht nach außen so für den Verein wie der ehemalige Torhüter.

Boris Schommers trainiert den FCK seit September 2019 – und hat durchgesetzt, dass Ehrmann von seiner Aufgabe entbunden wurde. Der impulsive Ehrmann und der analytische Schommers hatten charakterlich wenig gemein. In den vergangenen drei Tagen sei es "mehrfach durch Gerry Ehrmann zu massiven, substanziellen Beleidigungen, Arbeitsverweigerungen und Drohungen gegenüber dem Trainerteam gekommen", teilte der Fußball-Drittligist mit. "Diese Vorkommnisse sind dabei unter Zeugen aus dem Trainer- und Betreuerteam passiert sowie dokumentiert und haben in ihren Auswirkungen auch die Mannschaft erreicht", heißt es weiter. "Zum Schutz der betroffenen Personen und für die Gewährung eines zielgerichteten Trainings- und Spielbetriebs sah sich die Vereinsführung zum Handeln gezwungen." Der Cheftrainer und die Vereinsikone waren immer wieder mal verbal aneinandergeraten. Zunächst war das Verhältnis abgekühlt, vor dem Match am Samstag gegen Zwickau eskalierte es, auch wenn Ehrmann gegenüber der "Rheinpfalz" erklärte, niemanden beleidigt zu haben: "Das ist weit davon entfernt."

Dilemma für den Klub

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Gerry Ehrmann formte neben Tim Wiese zahlreiche weitere Bundesligatorhüter.

(Foto: imago sportfotodienst)

Die Vereinsführung stand angesichts der Probleme zwischen Schommers und Ehrmann vor einem Dilemma, denn sie wusste um die Wirkung bei den Fans, wenn sie den geliebten Torwarttrainer rauswerfen würde. Andererseits konnte sie Ehrmann in dem Streit mit seinem Vorgesetzten nicht als Sieger hervorgehen lassen. Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt, erst seit Dezember 2019 beim FCK, musste sich von Ehrmann trennen, nachdem eine Zusammenarbeit zwischen dem Torwarttrainer und dem Chefcoach nicht mehr möglich war.

Dagegen regt sich Widerstand, mehr noch: Die Fans des FCK machen mobil gegen die Entlassung. Bis Montagmittag hatten mehr als 2200 Menschen eine Online-Petition mit dem Titel "Gerry Ehrmann bleibt beim FCK!" unterschrieben. Am kommenden Samstag beim Südwest-Derby beim SV Waldhof Mannheim werden großangelegte Proteste erwartet. Der Klub, in dem seit Jahren eine latente Unruhe herrscht, ist in Aufruhr geraten.

Roman Weidenfeller reagierte geschockt auf die Entlassung seines Förderers. "Ich kann mir den 1. FC Kaiserslautern ohne Gerry Ehrmann nicht wirklich vorstellen", kommentierte der frühere Nationaltorhüter auf Instagram. Weidenfeller ist einer von vielen Torhütern, die seit 1996 von Ehrmann ausgebildet wurden und eine glanzvolle Karriere hatten oder haben. Mit Weidenfeller, Tim Wiese und Kevin Trapp wurden drei Ehrmann-Schützlinge Nationalspieler. Florian Fromlowitz, Tobias Sippel, Julian Pollersbeck und Marius Müller schafften es in die Bundesliga. Lennart Grill, der aktuelle FCK-Keeper, gilt ebenfalls als großes Talent und ist aktueller Junioren-Nationalspieler. "Mit Gerry verliert der FCK eine Identifikationsfigur", sagte Weidenfeller über Ehrmann, der die Torwart-Ausbildung auf ein höheres Level hievte. Beim FCK, seinem Herzensklub, darf Ehrmann diese Arbeit nicht mehr fortführen.

Quelle: ntv.de