Fußball

1,4 Millionen Euro für die WM 2022? Katar soll Fifa-Funktionär gekauft haben

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Jack Warner geriet in seiner Zeit als Vize-Präsident der Concacaf mehrfach in den Verdacht, sein Amt zum persönlichen Vorteil zu missbrauchen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Jack Warner tritt 2011 wegen Bestechungsvorwürfen von seinen Fifa-Ämtern zurück - ohne Prozess. Jetzt bringt ein Zeitungsbericht den Mann aus der Karibik in Bedrängnis: Hat Warner für seine Stimme Millionen aus Katar angenommen?

Eine Firma aus Katar soll der Familie des ehemaligen Fifa-Vizepräsidenten Jack Warner im Zusammenhang mit der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 umgerechnet 1,4 Millionen Euro gezahlt haben. Wie die britischen Zeitung "The Telegraph" berichtet, bekam Katar erst den Zuschlag für die WM, dann erhielt der 71-jährige Warner persönlich 1,2 Millionen Dollar (860.000 Euro) von einer Firma des katarischen Fußballfunktionärs Mohamed Bin Hammam. Sollten die Recherchen der Zeitung zutreffen, wäre dies ein Beweis für Bestechung bei der umstrittenen Turniervergabe.

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Der katarische Funktionär Mohamed Bin Hammam trat 2011 an, Sepp Blatter als Fifa-Präsident zu beerben.

(Foto: picture alliance / dpa)

Weitere 750.000 Dollar (539.000 Euro) sollen zudem an Warners Söhne geflossen seien, wie aus Dokumenten hervorgeht, die dem "Telegraph" vorliegen. Einem Mitarbeiter des Fußballfunktionärs aus Trinidad und Tobago sollen überdies 400.000 Dollar (287.000 Euro) gezahlt worden sein. Der US-Geheimdienst FBI soll wegen der vermeintlichen Zahlungen aus Katar mittlerweile gegen Warner ermitteln. Dessen ältester Sohn, der in Miami lebt, soll den Ermittlern dabei als Zeuge behilflich gewesen sein.

Warner könnte für Bin Hammam vor allem deswegen interessant gewesen sein, weil er nicht nur stimmberechtigt war, sondern auch Präsident des Concacaf-Verbandes, dem die nord- und zentralamerikanischen sowie die karibischen Mitgliedsverbände der Fifa angehören. Letzlich könnte es Katar also um all diese Stimmen gegangen sein.

Katar hat wiederholt die Zahlung von Bestechungsgeld oder anderen unlauteren Methoden bei der Vergabe der WM bestritten, konnte jedoch Zweifel am rechtmäßigen Verlauf seiner Bewerbung nie ausräumen. Gegen mehrere Mitglieder des Fifa-Komitees wurden bereits Vorwürfe erhoben. Die Vergabe nach Katar gilt generell als eine der kontroversesten Entscheidungen der Sportgeschichte. Wegen der enormen Sommerhitze in dem Golfstaat wurden bereits mehrfach Überlegungen laut, das Turnier erstmalig im Winter auszutragen.

Rechnung für "professionelle Dienstleistungen"

Bin Hammam, der dem katarischen Exekutivausschuss angehörte und sich bereits als Nachfolger von Fifa-Präsident Blatter beworben hatte, soll Warner im Jahr 2011 die Zahlung von 1,2 Millionen Dollar angeboten haben. In einer Mitteilung stellt Warners Firma Jamad dem von Bin Hammam geleiteten Unternehmen Kemco für zwischen 2005 und 2010 geleistete Dienste diese Summe in Rechnung. Das Dokument datiert auf den 15. Dezember 2010, zwei Wochen nachdem Katar als Austragungsort für die WM 2022 gekürt worden war. Als Zahlungsempfänger ist Jack Warner angegeben.

Aus einem weiteren Dokument geht hervor, dass durch die Zahlung "Prozesskosten und andere Ausgaben" gedeckt würden, während in einem zusätzlichen Brief von "professionellen Dienstleistungen im Zeitraum 2005-2010" die Rede ist, welche mit einer Million Dollar vergütet würden. Eine Bank auf den Cayman Island verweigerte wegen Bedenken hinsichtlich der Legalität der Zahlung die Transaktion. Daraufhin wurde das Geld von einer Bank in New York überwiesen, wodurch offenbar das FBI auf den Vorgang aufmerksam wurde.

Geld für ein Bildungszentrum

Warner, der bereits wegen des angeblichen Verkaufs von Schwarzmarkttickets für die WM 2006 in Deutschland Schlagzeilen machte, galt als eines der erfahrensten Mitglieder des Fifa-Exekutivausschusses. 2011 trat er nach 14 Jahren als Vizepräsident des nord- und zentralamerikanischen Fußballverbandes Concacaf von seinem Amt zurück - doch nicht aus ganz freien Stücken.

Bereits kurz nach der Vergabe waren Vorwürfe gegen den Funktionär aus der Karibik laut geworden, wonach Warner für seine Unterstützung bestimmter Wettbewerber explizit um Geld für den Bau eines Bildungszentrums in Trinidad gebeten haben, welches auf eines seiner Konten gezahlt werden sollte. Zudem verlangte er angeblich eine weitere Zahlung von knapp 600.000 Euro für den Erwerb der haitianischen TV-Rechte für die WM. Damit soll er bei Bin Hammam auf offene Ohren gestoßen sein.

Das Ethik-Komitee der Fifa sprach danach von "zwingenden Beweisen", dass Warner ein "Mithelfer korrupter Handlungen" gewesen sei. Auf einem Telefonmitschnitt ist zu hören, wie Warner andere Fifa-Offizielle davon zu überzeugen versucht, Geldgeschenke von Bin Hammam anzunehmen. Warner schoss seinerzeit zurück und warf Präsident Blatter vor, gegen die Vergabe günstiger TV-Rechte Stimmen für seine Wiederwahl eingeworben zu haben.

Nach dem Bekanntwerden der jüngsten Vorwürfe waren weder Warner selbst noch seine Familie für eine Stellungnahme zu erreichen. Ein Sprecher des katarischen Organisationskomitees sagte jedoch, dass "die Bewerbung für 2022 voll und ganz den Regeln des Fifa-Bieterprozesses" entspreche und deren Ethik-Kodex Folge leiste.

Quelle: ntv.de