Fußball

Die Absteiger der Bundesliga Mats Hummels und der tragische Knie-Fall

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Läuft derzeit nicht mehr bei ihm: Mats Hummels.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Fußball-Bundesliga kann knallhart sein. In der Hinrunde fielen gleich mehrere Akteure und Teams merklich ab. Die bisherigen Absteiger reichen vom formschwachen Mats Hummels über die Bayern-Zerleger aus Gladbach bis hin zu einem verhöhnten Manager.

Absteiger

Mats Hummels

Als ob das zweite Halbjahr 2021 für den Ex-Weltmeister nicht schon fürchterlich genug gewesen war, bekam Mats Hummels von Bundestrainer Hansi Flick via RTL/ntv noch eine amtliche Jahresausklangswatsch verpasst. Aktuell, so sagte der Nachfolger von Joachim Löw, habe der Dortmunder nicht das Niveau, um wieder für Deutschland nominiert zu werden. Ein Jahr vor der Winter-WM in Katar ist die Länderspiel-Zukunft von Hummels offener denn je. Wenn man es nett mit ihm meint, könnte man sagen: Ach komm, zu Hause ist eh viel schöner, als sich ständig rechtfertigen zu müssen, warum man das Weltturnier in dem Unrechtsstaat nicht boykottiert. Trösten lassen wird sich der Abwehrchef des BVB damit nicht. Er ist Sportler mit den höchsten Ambitionen. Und möchte das gerne bleiben. Bei der Borussia, für Deutschland. Aber leider ist die Sache nicht so einfach und die Worte von Flick schon irgendwie wahr.

Hummels ist weit weg von jenen Zeiten, als er gemeinsam mit Jérôme Boateng zum kaisernden (wegen der beckenbauer'schen Diagonalbälle) Heldengrätscher wurde. In dieser Saison füllt er vielmehr die Rolle des tragischen (vorwiegend) Helden (eher selten) aus. Im Topspiel gegen den FC Bayern leitete er den Ausgleich zum 1:1 mit einem wilden Fehlpass ein und ermöglichte den Münchnern den Sieg per Elfmeter nach einem höchst umstrittenen Handspiel. Und auch dass der BVB aus der Champions League flog und in die Europa League abstieg, ist eng mit dem Innenverteidiger verwoben. Im Rückspiel sah er Rot. Kaum jemand konnte die Entscheidung des Schiedsrichters nachvollziehen, dem Spiel und Ajax war's egal - 3:1 stand es nach 90 Minuten und das Schicksal des BVB bog sich in die europäische Zweitklassigkeit.

So bitter diese Momente klingen, so wenig differenziert sind sie. Beim Handspiel sah Hummels den Ball gar nicht. Und die Grätsche gegen Amsterdam, bei der er seinen Gegenspieler gar nicht traf, war nötig, weil ihn seine Mitspieler mit einer Schlampigkeit heftig unter Stress gesetzt hatten. Hinzukommen massive Schmerzen am Knie. Hummels hat das nie zum Thema gemacht, aber offenbar wäre eine längere Pause dringend nötig. Ob ihn diese wieder für Deutschland attraktiv macht? Nun, niemand weiß das. Was man aber weiß: Die Rolle des tragischen Helden hat der 33-Jährige nicht verdient. (tno)

Jörg Schmadtke

Man weiß eigentlich gar nicht, wen man zum größten Absteiger beim VfL Wolfsburg nominieren soll. Die Auswahl an Kandidaten ist zum Ende der Halbserie gigantisch! Klar, Ex-Trainer Mark van Bommel muss man mit seinem Mix aus Peinlichkeiten, Premium-Start und Pleiten-Leiden ganz weit oben auf Liste schreiben. Dort steht auch Nachfolger Florian Kohfeldt - sieben Niederlagen in Serie, das muss man mit diesem Kader erstmal hinbekommen. Ein, zwei verletzte Leistungsträger sind da keine gute Ausrede. Schon eher die katastrophale Form, mit der sich manch ein Topspieler durch die Saison schleppt: Abwehrchef John-Anthony Brooks, Kapitän Maximilian Arnold, Stürmer Wout Weghorst, sie sind ganz weit weg von der Verfassung, mit der sie den VfL in der vergangenen Saison in die Champions League geführt haben. Unter Coach Oliver Glasner. Der ging freiwillig. Oder auch nicht. Ein vergiftetes Verhältnis zu Manager Jörg Schmadtke gilt als Grund für den Abgang zu Eintracht Frankfurt, wo es nach einem verbockten Saisonstart mittlerweile ziemlich prima läuft.

Ja, Schmadtke, immer wieder Schmadtke. Das ist schon irgendwie eigenartig. So gut sein Riecher für einen Top-Kader zu Beginn seiner Arbeit ist, so sehr verlässt ihn das Gefühl für den Verein, wenn Probleme aufkommen. Prominente Neuzugänge wie Sebastiaan Bornauw, Dodi Lukebakio oder Luca Waldschmidt sind bislang eher große Enttäuschungen. Dieses Muster des Abstiegs vom Erfolgsthron zieht sich konsequent durch, war bei Hannover 96 so und auch beim 1. FC Köln. Dort krachte es ja unter anderem mit Anthony Modeste, den Schmadtke offenbar gegen den Willen des Angreifers nach China transferierte. Mittlerweile ist Modeste zurück beim Effzeh und spielt dort überragend. Gegen Wolfsburg traf er doppelt und verhöhnte danach den Manager. Läuft nicht für ihn. (tno)

Die Bundesliga

"Die schlechteste Bundesliga-Saison seit Jahren", titelte die Deutsche Welle nach dem letzten Spieltag einer ernüchternden Hinrunde für den deutschen Fußball. Einbrechende Zuschauerzahlen im TV, kaum Zuschauer in den Stadien, ein Meisterschaftsrennen, das es spannungsmäßig locker mit der Lektüre eines vier Jahre alten Anzeigeblättchens aufnehmen kann, und ein massiver sportlicher Qualitätsabfall unzähliger Teams. Die aktuelle Spielzeit berauscht vielleicht die Fans jener Vereine, die plötzlich nach oben gespült worden sind, zementiert jedoch dabei weiter die deutschen Verhältnisse, die keinen anderen Meister als Bayern München zulassen und die sogar die strauchelnden Dortmunder in der nationalen Spitze belassen. Ein Christian Streich macht leider keinen Sommer. (sue)

Borussia Mönchengladbach

Tore, Tore, Tore. Was war das für ein Fußball-Fest (für alle Fans in Deutschland bis auf die Bayern-Sympathisanten), als Borussia Mönchengladbach den Rekordmeister mit 5:0 auseinandernahm! Wie eine gut geölte Dampfmaschine walzten die Fohlen die Münchner platt. Blöd nur, dass der Kantersieg im DFB-Pokal eingefahren wurde - und nach dem anschließenden knappen Erfolg gegen den VfL Bochum der totale Abstieg in der Liga erfolgte. Drei mickrige Pünktchen lag die Borussia am 10. Spieltag hinter den Champions-League-Rängen. Mit mangelhaftem Defensivverhalten der gesamten Mannschaft ging es seitdem nur noch bergab. Ein Sieg in sieben Spielen, darunter vier heftige Niederlagen mit einem Torverhältnis von 4:17. "Sicherlich müssen wir den Kader mal durchforsten und schauen, was wir im Winter machen", sagte Trainer Adi Hütter. Als Heilsbringer von Eintracht Frankfurt geholt, macht der Coach in Gladbach bisher keine gute Figur und liegt mit seinem Team nur zwei Punkte vor dem Relegationsplatz. Nach der Winterpause warten Bayern München und Bayer Leverkusen. (dbe)

RB Leipzig

Man kann dem FC Bayern gratulieren. Eine Rückbesinnung auf die alte Transferidee ist in diesem Sommer perfekt aufgegangen: Einfach mal den größten Konkurrenten schwächen. Und das nicht nur mitten im Herzen, sondern großflächig drum herum. Dem Markenprodukt RB Leipzig nahm man Trainerkoryphäe Julian Nagelsmann weg. Und Abwehrchef Dayot Upamecano. Und als der Druck auf die Münchner wegen des dünnen Kaders kurz vor Ende der Transferfrist zu groß geworden war, da nahm man noch Kapitän Marcel Sabitzer gegen eine kleine Gebühr in Obhut. Während der Plan mit Nagelsmann voll aufgeht (bis auf den unerklärlichen Pokal-Knockout), der mit Upamecano noch reift (immerhin vielversprechend), geht der mit Sabitzer noch nicht auf. Die Bayern können das ertragen, die Leipziger dagegen nicht auffangen.

Der gewaltige Umbau im Kader - man verlor auch noch den zweiten Stammverteidiger Ibrahima Konate - funktionierte nicht. Trainer Jesse Marsch, dessen Idee nie klar erkennbar war, ist schon wieder Geschichte. Und die zarte Hoffnung, dass sein Nachfolger Domenico Tedesco nun alles besser und alles richtig macht, riss Abstiegskandidat Arminia Bielefeld unmittelbar vor der Winterpause in Fetzen. Für das Fußball-Premiumprodukt von Red Bull ist es der erste richtige Absturz im sechsten Bundesliga-Jahr. Und er könnte sich reichlich dramatischer darstellen, wenn es Christopher Nkunku nicht gebe, dessen Qualität sich in dieser Saison so konstant wie nie zuvor auf dem Rasen zeigt. Damit ist er aber beinahe ein Leipziger Unikat. Noch bleibt reichlich Zeit, die Risse im Erfolgs-Fundament zu kitten, das Erreichen der Champions League ist gerade einmal sechs Punkte entfernt. Dass der Relegationsplatz indes noch um einen Zähler näher ist, das rechtfertigt dann wohl mehr als deutlich die Nominierung zum Absteiger der Hinrunde! (tno)

Quelle: ntv.de

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