Fußball

Kommentator flippt komplett ausMexikanischer Torwart erzielt Sensationstor

26.11.2019, 16:21 Uhr
imageVon Till Erdenberger

In Südamerikas Fußball haben Torwarttore Tradition, meistens jedoch erzielen die Keeper ihre Treffer per Freistoß oder Elfmeter. José Antonio Rodríguez Romero entscheidet sich für eine attraktivere Art - und bringt nicht nur den Kommentator zum Ausflippen.

José Antonio "Toño" Rodríguez Romero ist Torwart beim mexikanischen Fußballklub Chivas Guadalajara. In Europa nahm man von dem 27-Jährigen bisher noch nicht sonderlich Notiz. Das änderte sich am vergangenen Wochenende allerdings schlagartig – und das liegt an einem sensationellen Tor des Torwarts. In der vierten Minute der Nachspielzeit sicherte Rodríguez Romero nach einem letzten Angriff von Gegner Veracruz den Ball. Doch anstatt die letzten Sekunden einfach runterlaufen zu lassen, sorgte der Mexikaner lieber selbst für die endgültige Entscheidung: Vom eigenen Strafraum aus schickte Toño den Ball 90 Meter quer über das komplette Feld zum 3:1 gegen das Tabellenschlusslicht ins Tor.

Mit außergewöhnlichen Torwarttoren kennen sie sich bei Chivas übrigens ganz gut aus, wenn auch eher unfreiwillig: Im Juli 2006 erzielte ein gewisser Rogerio Ceni im Halbfinal-Rückspiel der Copa Libertadores per Elfmeter den Siegtreffer seines FC Sao Paulo gegen Chivas Guadalajara - und machte sich so zum torgefährlichsten Torwart der Welt. Am Ende seiner Karriere hatte Ceni 129 Tore erzielt, so viele davon per Freistoß, dass ihn Experten zwischenzeitlich zum "besten Freistoßschützen Brasiliens" geadelt hatten.

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Jens Lehmann durfte sich 1997 für eine historische Leistung bejubeln lassen. (Foto: imago images/Sven Simon)

Der schillernde José Luis Chilavert, viele Jahre Nationaltorwart Paraguays, traf in seiner Laufbahn immerhin 67 Mal und hatte 1998 die Revolution des Torwartspiels angekündigt: "Nun sind wir nicht mehr die Deppen des Spiels, nur in unserem Tor wartend und bei jedem Fehler hart kritisiert. Wir können das Spiel selbst entscheiden." Auch wenn in Südamerika die zwei torgefährlichsten Keeper der Fußballgeschichte parallel spielten, es bleibt doch in der Regel dabei: Torhüter müssen auch mehr als 20 Jahre später vor allem Tore verhindern.

Lehmanns historischer Treffer

Deutschlands torgefährlichster Keeper wird wohl noch viele Jahre Hans Jörg Butt bleiben. Der viermalige Nationalspieler verwandelte für Bayer Leverkusen und den Hamburger SV in der Bundesliga 26 Elfmeter. Der letzte Torwart, der in der Bundesliga aus dem Spiel getroffen hat, ist Marvin Hitz. Der Augsburger traf im Februar 2015 zum 2:2 für den FC Augsburg gegen Bayer Leverkusen.

Der erste Treffer eines Bundesliga-Torwarts aus dem Spiel heraus wird jedoch wohl auf ewig emotional unübertroffen bleiben: Kurz vor Weihnachten 1997 läuft im Revierderby zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04 die Nachspielzeit, der Champions-League-Sieger Dortmund führt gegen den Uefa-Cup-Sieger Schalke mit 2:1 - als Jens Lehmann, der schon ab der 80. Minute jede Ecke für einen Sprint in den gegnerischen Strafraum nutzt, ein letztes Mal nach vorne läuft. Eckball. Den verlängert der Schalker Verteidiger Thomas Linke - und Jens Lehmann krönt seinen letzten Angriffsversuch mit einem Kopfball aus dem Lehrbuch. Tor. Ausgleich. Schluss. 2:2. Mehr Eskalation war auch im torwarttorverwöhnten Chivas nicht.

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