Ungeschlagen-Saison bei BenficaMourinho verliert nie - und wird trotzdem nicht Meister
Von Anja Rau
Kein einziges Spiel verloren - und doch keine Chance auf den Meistertitel. So geht es Star-Trainer José Mourinho mit Benfica Lissabon. Die Mannschaft habe den FC Porto "beschenkt", heißt es gar. Denn viele Siege gab Benfica noch aus der Hand.
Null Niederlagen - und trotzdem nicht Meister: Für José Mourino und sein Benfica Lissabon könnte die Saison in der portugiesischen Liga mit dieser Absurdität enden. Zwei Spieltage vor Schluss ist bereits klar, dass es nichts mit der 39. Meisterschaft für den Klub wird. Konkurrent FC Porto steht bereits uneinholbar als Meister fest.
Auf dem Weg zum Meistertitel konnte sich Porto sogar eine Niederlage erlauben - im Februar gegen Casa Pia (1:2), das als derzeit 16. noch gegen den Abstieg kämpft. Aber das Team von Trainer André Villas-Boas hat eben nur viermal Unentschieden gespielt - und 27 Partien gewonnen. Mourinhos Mannschaft dagegen musste sich zehnmal mit Remis zufriedengeben und holte 22 Siege. Macht neun Punkte weniger in der Gesamtrechnung nach 32 Spieltagen.
Für Benfica stehen nun noch die Spiele gegen Freiburgs Halbfinal-Gegner in der Europa League, Sporting Braga, an und am letzten Spieltag geht es gegen Estoril Praia. Sollte Benfica auch bei diesen beiden Duellen unbesiegt bleiben, wäre die kuriose Saison perfekt. Am Ende könnte es sogar nicht einmal für die Qualifikation für die Champions League reichen. Weil nämlich Stadtrivale Sporting punktgleich, aber mit dem besseren Torverhältnis, vor Benfica auf dem zweiten Platz liegt. Benfica würde mit Platz drei nur die Europa-League-Qualifikation bleiben.
Unrühmliche "Vorbilder" für Benfica
So kurios die Saison von Benfica ist: Es wäre nicht einmal das erste Mal, dass ein Klub ungeschlagen durch die Saison marschiert, aber am Ende nicht die Meisterschaft gewinnt. Sogar Benfica selbst passierte das schon einmal: In der Saison 1977/78 spielte Porto zweimal weniger Unentschieden und holte sich am Ende den Titel dank der besseren Tordifferenz. Und auch international hat es das Phänomen schon gegeben: FC Sheriff Tiraspol musste sich in der Saison 2024/25 mit einem Punkt Milsami Orhei in der moldauischen Liga geschlagen geben. In der Spielzeit 2007/08 ging es in der serbischen Liga so eng zu - Roter Stern unterlag Stadtrivale Partizan Belgrad letztlich mit fünf Punkten.
In Portugal wird der Abstand zur Meisterschaft vermutlich größer sein. Durchaus selbst verschuldet. Denn in sechs der zehn Remis-Partien führte Benfica zunächst. Die portugiesische Zeitung "A Bola" urteilte deswegen bereits: Benfica hat Porto die Meisterschaft "geschenkt". So etwa auch beim ultimativen Meisterschaftsentscheid am Samstag. Gegen FC Famalicao setzte es ein 2:2, obwohl Benfica bereits nach 19 Minuten mit 2:0 führte. Andreas Schjelderup hatte sein Team per Elfmeter in Führung gebracht (12.), nur sieben Minuten später legte der Torschütze seinem Teamkollegen Richard Rios das 2:0 auf. So ging es dann in die Pause.
In der 55. Minute allerdings kassierte Benficas Kapitän, Argentiniens Weltmeister Nicolas Otamendi, nach grobem Foulspiel die Rote Karte und zu zehnt setzte es noch zwei Gegentreffer durch Mathias de Amorim (67.) und Umar Abubakar (78.). Am Ende hatte Benfica sogar noch Glück, das Spiel nicht zu verlieren - und doch eine Niederlage in dieser Saison zu erleiden.
Wütende Vorwürfe gegen Schiedsrichter
Das Spiel machte Benfica-Präsident Rui Costa wütend. Aber nicht auf sein eigenes Team, sondern auf den Schiedsrichter. "Dieser Mann ist hierhergekommen, um Benfica zu schaden, er wollte uns den zweiten Platz wegnehmen", sagte er über den Unparteiischen Gustavo Correia. Nach dem Abpfiff waren Mourinho und Famalicao-Verteidiger Pedro Bondo im Spielertunnel aneinandergeraten, was einen Tumult auslöste. Sogar die Polizei musste eingreifen und die beiden Gruppen trennen. Auch dabei hatte Costa seinen Ärger zum Ausdruck gebracht. Der Schiedsrichterverband hat eine Beschwerde gegen Costa beim Disziplinarausschuss des portugiesischen Fußballverbands eingereicht.
Auch Mourinho hielt mit seinem Frust nicht hinterm Berg: "Dieses Spiel spiegelt gut wider, was in dieser Meisterschaft passiert ist." Der 63-Jährige ist seit dieser Saison wieder Trainer von Benfica, er war es im Jahr 2000 schon einmal für drei Monate. Sein Vertrag läuft noch für die kommende Saison, es ist allerdings unklar, ob "the Special One" auch wirklich bleibt. "O Jogo" zufolge will der Klub Mourinho einen neuen Vertrag anbieten, denn Gerüchten nach ist er bei einem weiteren seiner Ex-Klubs im Gespräch. Bei Real Madrid.
Dort war erst Xabi Alonso entlassen worden, aber auch sein Nachfolger Alvaro Arbeloa holte nicht mehr heraus und wird dem FC Barcelona die Meisterschaft überlassen müssen. Zudem ereilte Real gegen den FC Bayern bekanntlich im Viertelfinale das Aus in der Champions League. Mourinho wiegelte allerdings bereits ab: "Niemand von Real Madrid hat mit mir gesprochen, das kann ich garantieren."
Mourinho könnte danach streben, in der kommenden Saison wieder keine Niederlage zu kassieren - dann aber auch eine Trophäe in den Händen zu halten. Dieses Jahr wird er ohne Pokal dastehen. Im Pokal - wo es das Aus ebenfalls gegen den FC Porto im Viertelfinale gab -, in der Champions League - wo Benfica in den Playoffs gegen eben jenes Real Madrid unterlag -, und eben in der Liga. Trotz null Niederlagen.