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Norwich City in Premier League Mutige Kanarienvögel mit Prinzipien

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Sagen wir es so: In Norwich freuen sie sich auf die Premier League.

(Foto: imago images / Focus Images)

Mit dem Deutschen Daniel Farke auf der Bank und deutschen Spielern stürmt Norwich City in die Premier League. Die Gemeinsamkeiten mit Huddersfield Town sind kein Zufall. Der Trainer will nun beim Champions-League-Sieger in Liverpool zeigen, dass Naivität kein Nachteil sein muss.

Vielleicht ist es gut, das alles noch nie erlebt zu haben. Vielleicht ist es gut, nicht so richtig zu wissen, was kommt. Viele Fachleute sind ja der Auffassung, dass die fehlende Erfahrung in der Premier League ein Nachteil ist für Aufsteiger Norwich City, der an diesem Freitag (ab 21 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) die Saison beim Champions-League-Sieger FC Liverpool an der Anfield Road eröffnet. Doch Trainer Daniel Farke vertritt eine andere Meinung. "Unsere Naivität könnte eine gute Sache sein", sagt der 42 Jahre alte Ostwestfale: "Ich will, dass meine Spieler rausgehen und daran denken, warum sie einst angefangen haben, Fußball zu spielen. Ich will, dass sie mutig sind und einfach Spaß haben."

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"Das Wichtigste für mich ist, dass wir uns an unsere Prinzipien halten": Daniel Farke.

(Foto: imago images / Focus Images)

Norwich City hat nicht vor, sich zu verstecken. Nicht beim Ligastart gegen die übermächtig scheinende Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp, und auch insgesamt nicht. Der Verein aus der ländlich geprägten Grafschaft Norfolk im Südosten Englands will in der Premier League genau so auftreten wie in der vergangenen Saison, als er die zweite Liga dominiert hat und mit deutlichem Punkte-Vorsprung und den meisten Toren Meister wurde. Nämlich mutig und ohne Angst, mit Spielfreude und dem Anspruch, nicht nur den eigenen Strafraum zu verbarrikadieren, sondern das Geschehen aktiv zu gestalten. Oder, wie Farke es formuliert: "Das Wichtigste für mich ist, dass wir uns an unsere Prinzipien halten. Wir sind eine Ballbesitzmannschaft, wir wollen den Ball 90 Minuten lang kontrollieren."

Dem deutschen Trainer, der seit zwei Jahren in Norwich arbeitet, wird klar sein, dass das in der ersten englischen Liga nicht so einfach werden wird. Genau so macht er sich keine Illusionen darüber, was die Stellung seiner Mannschaft angeht. "Wir wissen, dass wir der Favorit auf den letzten Platz sind." Trotzdem gibt es gute Gründe, die Saison zuversichtlich anzugehen. Norwich verfügt über eine klare Spielidee und eine eingeschworene Mannschaft. Anders als in den Vorjahren, als der Verein seine besten Profis wegen finanzieller Zwänge verkaufen musste, ist der Kader zusammengeblieben. Farke hat in der Premier League das gleiche Team zur Verfügung, das in der Vorsaison die zweite Liga aufgemischt hat.

Superstars? "Können welche erschaffen"

Es ist ein Team, das geprägt ist von Spielern aus Deutschland und/oder mit Erfahrung in der Bundesliga. Christoph Zimmermann, Timm Klose, Tom Trybull, Mario Vrancic und Moritz Leitner sind nur einige Beispiele. Wichtigster Mann im Aufstiegsjahr war der einstige Schalker Teemu Pukki. Er wurde mit 29 Treffern Torschützenkönig. In der neuen Spielzeit verstärkt der von Schalke geliehene Torwart Ralf Fährmann die deutsche Kolonie im englischen Südosten. Inklusive Leihgebühren hat der Verein insgesamt nur vier Millionen Euro in neues Personal investiert.

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Wichtigster Mann im Aufstiegsjahr: Teemu Pukki.

(Foto: imago images / Focus Images)

Mit Sparsamkeit, einem Trainer, der von Borussia Dortmunds zweiter Mannschaft abgeworben wurde, und vielen Spielern, denen in der Bundesliga die große Karriere verwehrt geblieben war, erinnert Norwich City an Huddersfield Town. Das ist kein Zufall, sondern das Werk des 35 Jahre alten Walisers Stuart Webber. Er war bis vor zwei Jahren in Huddersfield als Sportchef angestellt, entdeckte Trainer David Wagner und war der Architekt des damals als märchenhaft eingestuften Aufstiegs des Klubs. 2017 wechselte Webber nach Norwich und hat dort mit den gleichen Methoden Erfolg.

Er bevorzugt günstige Spieler, die unter dem Radar der größeren Klubs fliegen und trotzdem Potenzial haben. Es wäre allerdings ein Fehler, die Kanarienvögel, wie der Verein wegen seiner Trikotfarben genannt wird, als Resteverwertung für gescheiterte Bundesliga-Fußballer einzustufen. Talente wie die Verteidiger Max Aarons, 19 Jahre alt, Ben Godfrey und Jamal Lewis, beide 21 Jahre alt, haben bei Norwich den Sprung aus dem Nachwuchs in den Profibetrieb geschafft und teilweise schon das Interesse anderer Vereine aus der Premier League geweckt. "Mag sein, dass wir keine Superstars kaufen können. Aber wir können welche erschaffen", hat Sportchef Webber gerade im Gespräch mit der "Times" gesagt. Auch Farke könne ein Superstar werden. Er traut ihm zu, irgendwann in Liverpool auf der Bank zu sitzen - nicht als Trainer des Gegners, sondern als Liverpool-Trainer.

Quelle: n-tv.de

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